Der designierte Kanzler Olaf Scholz (SPD) tritt in der Sendung von Joko und Klaas bei ProSieben zum Impfen auf. Foto: dpa
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Corona als Thema bei Joko & Klaas Da wird selbst der Scholzomat emotional

"Joko & Klaas. 15 Minuten live" funktioniert. Warum? Weil es Fernsehen von Menschen für Menschen ist. Ein Kommentar.

Sie haben es wieder getan: "Joko & Klaas. 15 Minuten live". Am Mittwoch um 20 Uhr 15 bei ProSieben. Corona als Thema, drei Menschen auf einem Stuhl auf einer Bühne. Luisa, eine Long-Covid-Patientin, erzählte ihre Leidensgeschichte, der Intensivmediziner Daniel Zickler berichtete vom Leben und Sterben in der Charité, schließlich sprach Bald-Bundeskanzler Olaf Scholz einen dringlichen Impf-Appell aus.

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15 Minuten Fernsehen, beinahe ein Fernsehen ohne Fernsehen, kein Beiwerk, keine Ausschmückung, nur eine Bühne. Wer sich dort auf den Stuhl setzt, der hat nur eine, nur seine Chance: Er muss mit Sprache und Körpersprache sein Thema, sein Anliegen ins Publikum vor den Bildschirmen transportieren. Der Gast, männlich oder weiblich, ist quasi nackt. Nur seine Worte hüllen ihn ein, können Aufmerksamkeit und Wärme generieren. So hat Pia Klemp, die Kapitänin der "luventa 10", ihre Rettungsfahrten für Flüchtlinge im Mittelmeer geschildert, weitere Teilnehmerinnen und Teilnehme sprachen über Pflege, Männerwelten, die Zustände im Flüchtlingslager Moria. Zuweilen machen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf auch nur Quatsch. Geschenkt.

Fast zwei Millionen Zuschauer

Das Format kommt an. Insgesamt 1,92 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer schalteten am Mittwochabend ein, in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es 1,51 Millionen, was einen sehr starken Marktanteil von 19,2 Prozent bedeutete. Corona, Impfen, das Fernsehen wie auch all die anderen Medien sind voll davon, die Einschaltquoten sind hoch und höher, die Pandemie nimmt die Deutschen in Beschlag und gefangen.

"Joko & Klaas. 15 Minuten live" sticht da heraus. Es ist diese Direktheit, diese Unmittelbarkeit, es sind diese Emotionen, die einen nicht loslassen. Da kommt auch der Scholzomat in Fahrt, aus all den Funktionen und Aufgaben, die die Menschen auf der Bühne haben, schälen sich Menschen heraus. Die ProSieben-Sendung ist Menschenfernsehen, von Menschen für Menschen gemachtes Fernsehen. Stets dringt Mitmenschlichkeit durch, es wird Beweis geführt, dass Menschen andere Menschen nicht egal, nicht gleichgültig sind. Wenn immer die Rede von der Kälte in der Gesellschaft die Rede geht, dann passiert hier das Gegenteil, dann steigt die Temperatur.

Menschenfernsehen

Möglicherweise staunen die Fernsehmacher am meisten. Immer tollere Apparate, immer mehr technische Finessen, immer mehr Übersetzungs- und Verfremdungsmittel, um Eindruck zu erzielen. Und dann das, "Joko & Klaas. 15 Minuten live". Fernsehen, so einfach und so eindringlich. Weil die Grundannahme stimmt: Der Mensch ist des Menschen Schicksal.

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