Clarissa Ward reportiert verschleiert für den US-Nachrichtensender CNN aus Kabul. Screenshot: Tsp
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CNN in Kabul, ARD in Neu Dehli Sollen deutsche Journalisten riskieren, was Clarissa Ward riskiert?

Wie sollen deutsche Sender aus dem Taliban-Land Afghanistan berichten? So wie CNN, wo Clarissa Ward aus Kabul berichtet? Eine Abwägung.

Wer die "Tagesschau" sieht und hört, der sieht und hört Sibylle Licht. Die ARD-Korrespondentin sitzt in Neu Dehli und spricht über die Situation in Kabul. Wer CNN sieht und hört, erlebt Korrespondentin Clarissa Ward in den Straßen der afghanischen Hauptstadt. Einst unverschleiert, ist das Gesicht der US-Journalistin mittlerweile von einem schwarzen Schleier gerahmt, einen Niqab trägt sie nicht. Sie spricht mit den Talibans, sie macht Interviews, direkter, unmittelbarer kann Journalismus nicht sein.

Unterschied in der Berichterstattung

Es ist ein, es ist der Unterschied zu deutschen Korrespondentinnen und Korrespondenten, die aus weiter Entfernung über die aktuelle Situation in diesem "failed state" berichten. Kaum einer wird bestreiten können, dass die Berichterstattung im US-Network von viel größerer Authentizität geprägt ist. Live vor Ort, das muss die Berichtsposition einer Reporterin, eines Reporters sein.

Eigentlich. Nun war Clarissa Ward, geboren 1980, schon an vielen Brennpunkten dieser Welt. Sie wird das Risiko abschätzen können, das sie als Journalistin eingeht. Der Arbeitgeber CNN betont, sie würde ihre Arbeit in Kabul freiwillig leisten. Das wird so sein, zugleich sich eben die evidente Frage stellt: Wenn sie ihr Leben riskiert, muss es dann nicht auch eine Sibylle Licht. Oder warum fährt nicht Ulrich Gack nach Afghanistan, Gack hat erkennbar kaum eine Gefahr fürs ZDF gescheut.

Selber kein Risiko eingehen

Natürlich hat es etwas Frivoles, jemanden ins Feuer zu schicken, wenn man zu Hause warm und sicher sitzt. Machen Sie mal, Frau Licht, trauen Sie sich, Herr Gack, wozu zahle ich meinen Rundfunkbeitrag! Nein, solche Aufforderungen müssen nicht sein, wenn der eigene Mut schon dann schwindet, wenn man sich einem Coronaleugner in den Weg stellen sollte.

Trotzdem, da ist der Unterschied, der Unterschied von Livebildern aus Kabul und der Livebericht aus Neu Dehli über Kabul. Das hat was von zweiter Hand, vom Hörensagen, wo im US-Sender die Realität tobt. Die Taliban brauchen Augen- und Ohrenzeugen für das, was sie im Islamischen Emirat Afghanistan anstellen. Clarissa Ward agiert als Zeitzeugin, ihr Mut kann nur bewundert werden.

Übernehmt CNN-Bilder!

Wenn also ARD, ZDF und auch RTL in der Etappe bleiben wollen, dann sollten sie wenigstens verfahren: Übernehmt Bilder und Berichte von CNN, zeigt, was Clarissa Ward und ihr Team zeigen! Das ist schlichtweg von größerem Nachrichtenwert als eine Sibylle Licht in Neu Dehli.

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