Pokal total. Iker Casillas von Real Madrid, nach dem Sieg über Atletico 2014. Foto: AFP Foto: AFP
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Champions League bei Dazn und Amazon Prime Der Fußball wandert ins Internet

121 von 137 Spielen: Die Champions League wird ab der Saison 2021/22 hauptsächlich von Dazn übertragen. Der kleine Rest geht an Amazon Prime.

Es ist dieser Dienstag der Tag, an dem die Deutsche Fußball-Liga beschlossen hat, trotz der anhaltenden Pandemie wieder vor Zuschauern in den Stadien spielen zu lassen, und zwar wenn die Vereine der Bundesliga und der Zweiten Liga am 18. September in die Saison 2020/21 starten.

Es ist dies aber auch der Tag, an dem sich insbesondere der große Fußball, jener der besten Vereine Europas, endgültig aus dem Fernsehen verabschiedet und ins Internet wandert; an dem es für Fußballfans eine zwingende Notwendigkeit darstellt, einen guten, schnellen, stabilen Internetzugang zu haben. Was leider in den ländlichen Gebieten der Bundesrepublik immer noch nicht der Fall ist.

An diesem Dienstag hat nämlich der kostenpflichtige Streamingdienst Dazn verkündet, (11 Euro 99 kostet ein monatliches Abo), wie viele Spiele der Champions League er von der Saison 2021/22 an bis 2024/2025 zeigen wird, nachdem er sich – zusammen mit Amazon Prime – Ende des vergangenen Jahres bei der Ausschreibung der Champions-League-Fernsehrechte gegen seinen größten Konkurrenten durchgesetzt hatte, den Pay-TV-Sender Sky.

Sky konzentriert sich in Zukunft auf die Bundesliga

Es sind 121 von 137 Spiele der Königsklasse, die Dazn ab 2021 pro Saison zeigt, inklusive des Endspiels; dazu kommt der europäische Supercup, der zwischen den Gewinnern der Champions League und der Europa League ausgetragen wird. Die sechzehn anderen Spiele zeigt erstmals Amazon live über seinen Streamingdienst Amazon Prime, darunter neben vierzehn Gruppenspielen auch zwei Play-off-Spiele.

Dazn etabliert sich damit als wichtigster Fußballsender in Deutschland. Denn auch bei der Bundesliga baut der erst 2016 gegründete Dienst sein Angebot ab 2021 auf 106 Live-Erstliga-Partien am Freitag und am Sonntag aus.

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Für Sky ist all das ein schwerer Schlag. Nolens volens konzentriert sich der Sender jetzt auf die nationalen Wettbewerbe. Im Juni hatte er ein umfangreiches Rechtepaket an der Bundesliga für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 erworben; pro Saison gibt es bei Sky nun 200 Bundesligaspiele live.

Und die Europa League, einst von Franz Beckenbauer als „Cup der Verlierer“ beleidigt? Sie wird von 2021 an komplett von RTL gezeigt, zusammen mit der Europa Conference League, einem neuen, von der Uefa erfundenen, ab 2021 laufenden Wettbewerb. Den könnte man, wenn man so böse ist wie Franz Beckenbauer, als ultimativen Verlierer-Cup bezeichnen – in ihm sollen die Vereine aufgefangen werden, die der geplanten Reduzierung der Europa League von 48 auf 32 Teams zum Opfer fallen.

Das ZDF darf das Champions-League-Finale übertragen

Insgesamt handelt es sich für RTL um 282 Spiele. Die Spiele beider Wettbewerbe werden beim Hauptsender, aber auch beim RTL-Nischen-Kanal Nitro sowie beim hauseigenen Streamingdienst TV Now gezeigt, der auf diesem Weg womöglich einem größeren Publikum bekannt gemacht wird.

Bleibt das ZDF, das wie Sky neuerdings in die schwarze Champions-League-Röhre schaut. Immerhin darf das Zweite – wie Dazn auch – die Finalspiele der Champions League zeigen; zudem hofft es noch auf die Ausstrahlungen der Zusammenfassung der jeweiligen Mittwochabende.

Vorerst bleibt ein Jahr noch alles beim Alten. Die Coronakrise dürfte jedoch gerade in diesem Jahr weiterhin nicht zuletzt allen Fußballsendern Probleme bereiten und sinkende Abo-Zahlen bescheren. Der Fußball ohne Publikum ist auch im Fernsehen atmosphärisch ein anderer als der, den alle gewohnt waren. Fußballspiele mit sehr viel weniger Zuschauern als bisher lösen dieses Problem kaum. Insofern wird man bei Dazn natürlich hoffen, dass ab der Saison 2021/2022 die Stadien wieder voll sein dürfen.

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