Sicher im Studio. Sky-Experte Lothar Matthäus wird beim Topspiel des Tages nicht im Frankfurter Stadion sein. Foto: imago images/Team 2
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Bundesliga-Neustart im Fernsehen Wer kommt hier rein?

Hygienekonzept, Arbeitsräume, Journalistenauswahl: Der Bundesliganeustart wirft auch für die beteiligten Medien Fragen auf.

Wenn es jemals ein Fernsehsender geschafft hat, ein in der Zukunft liegendes Ereignis quasi herbeizusenden, dann ist das wohl Sky Sport News HD im Falle der Fußball-Bundesliga, die mit Geisterspielen am Samstag re-startet. Was war da bei Sky los in den vergangenen Tagen. Eine Vereins-Pressekonferenz nach der anderen, Reporter vor Quarantäne-Mannschafts-Hotels, Experten-Expertisen ohne Ende, von Lothar Matthäus bis hin zu Markus Söder („Fußball als Thermometer der Volksseele) – der frei zu empfangene Kanal kann es kaum erwarten, mit der Übertragung der Nachmittagskonferenz loszulegen, wenn am Samstag ab 15 Uhr 30 der Ball in leeren Stadien wieder rollt.

Was für viele Fußballfans vor dem Bildschirm – wie Schauspieler Matthias Brandt – ein stimmungsloses Greuel, ist für die Journalisten und Medienvertreter im Stadion fast schon business as usual. Endlich gibt es wieder etwas zu berichten. Die Frage ist nur: Wer berichtet? Wer kommt ins Stadion rein?

Bei einem Derby wie Borussia Dortmund gegen Schalke 04 sind es schon mal an die 150 Pressevertreter, die für ihre Zeitungen oder Online-Portale auf der Pressetribüne Stimmung einfangen. Nicht in Coronazeiten. Da sind zehn Journalisten zugelassen, plus drei Fotografen.

Die Verantwortung dafür liegt, auch nach dem Hygiene-Konzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL), bei den Heimatvereinen, in Abstimmung mit dem lokalen Verband deutscher Sportjournalisten (VDS). Das kann schon mal dazu führen, dass eine Hauptstadtzeitung bei einem Spiel in den Hauptstadt gegen einen renommierten Verein im ersten Anlauf außen vor bleibt und noch mal nachgehakt werden muss, um ins Stadion zu kommen.

Ein Ärgernis, auch für den Deutschen Journalisten Verband (DJV). „Die Beschränkung auf zehn Journalisten und drei Fotografen ist für die Berichterstatter höchst problematisch – und für freie Sportjournalisten existenzbedrohend. Die DFL argumentiert, dass nur so das Ja der Politik zu Geisterspielen zu bekommen wäre. Für Journalisten ist das ein ziemlich hoher Preis“, sagt DJV-Sprecher Hendrik Zörner.

„Was ist schon einfach in diesen Tagen?“

Der VDS sieht das entspannter. „Wir haben die in den Bundesligastädten ansässigen VDS-Verbindungsleute gebeten, vor Ort mit den Vereinen zu verhandeln“, sagt VDS-Präsident Erich Laaser dem Tagesspiegel. Die wichtigsten Kriterien seien: Dauerakkreditierung, Auflage, Reichweite.

Dazu werde versucht ein oder zwei freie Journalisten zu berücksichtigen, um deren finanzielle Situation zu verbessern. „Ich denke, ,FAZ’ und ,SZ’ interessieren sich nicht unbedingt für jeden Kick in Freiburg oder Düsseldorf oder Hoffenheim oder so. Die Agenturen sollten immer dabei sein, dazu ein Vertreter von Springer, Funke und so weiter.“ Und: „Alles ist sicher nicht einfach, aber was ist schon einfach in diesen Tagen?“

Gute Frage. Die medialen Rechteinhaber ARD, Sky und ZDF mussten sich vorm Liganeustart noch andere Fragen stellen: die nach der Sicherheit. Zwecks bestmöglichen Schutz hat die DFL-Produktionstochter Sportcast das Personal im Übertragungswagen reduziert und Plexiglastrennwände zur Isolation der Arbeitsplätze aufgebaut, die Aufenthaltszeiten im Übertragungswagen reduziert, Klimaanlagen gewartet, Tragen von Mund-Nasen-Schutz sowieso.

ARD und ZDF sind für „Sportschau“ und „Sportstudio“ in geringerer Mitarbeiterzahl vor Ort, teilen die Sender mit. Interviews werden ausschließlich auf der Tribüne vom Reporterplatz durchgeführt.

Noch mehr los bei Sky, dem exklusiven Rechteinhaber im Pay TV, der am Samstag mit der Geisterspiele-Konferenz ausnahmsweise im Free TV zeigen kann, was er drauf hat, via Sky Sport News. Lothar Matthäus und Moderator Sebastian Hellmann brauchen keinen Mundschutz. Sie werden nicht wie sonst im Stadion, sondern im Studio sein.

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