Ein Leben voller Tragik: Am Donnerstag wäre Romy Schneider 83 Jahre alt geworden. Foto: Gerhard Rauchwetter/dpa
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Buch über „Romy & Alain“ Große Erinnerungen an das Traumpaar der 60er Jahre

Im biographischen Buch „Eine Liebe in Paris“ erinnert Thilo Wydra an die leidenschaftliche Beziehung von Romy Schneider und Alain Delon.

Was tun, wenn ein Hardcore-Intellektueller, der auf sich hält, subtil zu verstehen gibt, dass ihm auch mal nach Friseur-Lektüre zumute ist. Nach Geschichten, die nicht ohne Klatsch und Human Touch auskommen. Die aber bitte anspruchsvoll erzählt sind. Vielleicht in Buchform, mit einem gediegenen Anhang, mit Fußnoten und Literaturverzeichnis, die bunten Bilder gern gebündelt in der Mitte. Und vielleicht lieber was Historisches als schon wieder Brad Pitt und Angelina Jolie.

Die ideale Lösung für ein solches Begehren hat Thilo Wydra vorgelegt mit seinem Buch über ein Traumpaar der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts: „Eine Liebe in Paris. Romy und Alain“. Dafür hat der Biograph viele Interviews mit Zeitzeugen geführt. Senta Berger erinnert sich ebenso offen wie Mario Adorf. Jane Birkin kommt zu Wort, auch Volker Schlöndorff, Jean-Claude Carrière und Michael Verhoeven teilen ihre Erinnerungen an die große Schauspielerin und ihren nicht minder großen Kollegen und (Ex-)Geliebten.

Es gibt am Ende unter anderem eine Filmographie, eine Theatrographie und ein Personenregister. Und trotzdem liest sich das Buch ausgesprochen unterhaltsam. Dabei sind die Bilder, die in zwei Blöcken eingefügt sind, nicht mal alle in Farbe. Eine Aufnahme der beiden Liebenden von 1958, kurz nach ihrer ersten Begegnung in Paris, zeigt eine sehr elegante, deutlich älter als 20 Jahre wirkende Romy Schneider in Schwarzweiß.

Viele Zitate von Zeitzeugen

Vielleicht kann man Leidenschaften nicht auf den Grund gehen, aber die hier waltenden sind jedenfalls gründlich recherchiert. Viele originale Zitate der Zeitzeugen ordnen das Geschehen von einst ein. Nach dem Unfalltod ihres Sohnes David starb Romy Schneider im Alter von 43 Jahren offenbar an gebrochenem Herzen. Allein die Szene, wie Alain Delon, der eigentlich schon drei Frauen weiter ist, am Totenbett der früheren Geliebten trauert, sagt viel über die Unmöglichkeit einer immerwährenden Liebe unter großen Künstlern. Oder schimmert hier doch gerade die Möglichkeit auf – jenseits der üblichen Korsagen?

Die 60er Jahre sind eine längst untergegangene Epoche. Deutsche Fernsehzuschauer kennen Romy Schneider vor allem als Weihnachtsdauerbrenner „Sissy“, nicht so sehr in ihren großen Rollen, in die sie in Frankreich auch durch die Beziehung zu Alain Delon hineinwachsen konnte. Mag sein, dass bei der Uraufführung von „Sissy“ mehr Lametta war. Mehr Glamour muss auf jeden Fall da gewesen sein. Oder die Abstände waren größer zwischen den Sterblichen im Publikum und den Unsterblichen auf der Leinwand.
Natürlich weckt das Buch jede Menge Erinnerungen an große Momente der Filmgeschichte, an gemeinsame Werke wie „Der Swimmingpool“ (u.a. beim Streamingdienst Mubi) oder „Das Mädchen und der Mörder. Die Ermordung Trotzkis“ wie an die jeweils einzelnen, an Romy Schneider in „Die Nachtblende“ oder „Gruppenbild mit Dame“, an Alain Delon in „Rocco und seine Brüder“ oder „Nur die Sonne war Zeuge“.

So ein Buch hält viel länger als eine Zeitschrift. Und man weiß am Ende auch viel mehr über das Leben und die Liebe. „Eine Liebe in Paris“ ist also allemal eine gute Investition.

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