Die Laufgruppe des Berlin-Newsletters: das Team Checkpoint vom Tagesspiegel beim Halbmarathon 2019 vor dem Reichstag. Foto: Thilo Rückeis
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BDZV-Kongress Nova-Award für „Tagesspiegel Checkpoint“

Der Tagesspiegel wird für seinen „Checkpoint“-Newsletter mit dem Nova-Award ausgezeichnet. BDZV-Chef Döpfner räumt Fehler bei „Bild“-Berichte ein.

Der "Tagesspiegel Checkpoint", der Berlin-Newsletter des Tagesspiegel, ist vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) mit dem Nova-Award für die beste „Produktinnovation“ ausgezeichnet worden. Der Newsletter war 2014 vom Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt gestartet worden. Er hat inzwischen mehr als 110 000 Abonnenten und werde inhaltlich und strategisch kontinuierlich weiterentwickelt, so die Jury.

Desweiteren wurde die „Süddeutsche Zeitung“ und die Mediengruppe Pressedruck/„Augsburger Allgemeine“ mit dem Award ausgezeichnet. Das war nicht das einzige Thema am Dienstag beim diesjährigen Verbandskongress in Berlin. Der Vorstandschef des Medienkonzerns Axel Springer, Mathias Döpfner, hält die Kritik an der „Bild“-Berichterstattung über die fünf getöteten Kinder in Solingen für berechtigt.

„Wir haben Fehler gemacht“, sagte Döpfner, der auch Präsident des BDZV ist. Das Springer-Boulevardblatt „Bild“ hatte WhatsApp-Nachrichten eines Kindes, das überlebte, in einem Artikel eins zu eins veröffentlicht. „Wir haben den Schutz von Minderjährigen in diesem Fall missachtet. Andere Medien haben zu Recht diese Grenzüberschreitung kritisiert“, sagte Döpfner.
„Wir wollen und müssen es in Zukunft besser machen“, fügte der Verlagsmanager hinzu und forderte „eine breite Debatte über Standards und Werte im Spannungsfeld zwischen der Freiheit der Presse und dem Schutz von Persönlichkeitsrechten“.

Warnung vor staatlicher Einflussnahme

Die „Bild“-Zeitung selbst hatte zuvor bereits Fehler bei der Berichterstattung eingeräumt. Beim Deutschen Presserat gingen bis zum 9. September mehr als 160 Beschwerden zur Veröffentlichung des WhatsApp-Chats ein. Neben „Bild“ stand auch der Privatsender RTL für seine Berichterstattung über den Fall in der Kritik.
Döpfner warnte beim BDZV-Kongress außerdem vor staatlicher Einflussnahme durch die vom Bundestag beschlossene Digitalförderung. „Logistik- und Technologieförderung ist denkbar.

Direkte Verlagsförderung pauschal und ohne klare Kriterien und Grenzen ist es nicht.“ Für ihn persönlich sei eine rote Linie überschritten, wenn der Staat redaktionelle Leistungen direkt oder indirekt fördert: „Eine geeignete Form der Hilfe, und vielleicht überhaupt die sauberste, wäre eine dauerhaft geringere oder gar keine Mehrwertsteuer.“
Der Bundestag hatte am 2. Juli einen Haushaltstitel zur Förderung der digitalen Transformation des Verlagswesens beschlossen. Insgesamt sollen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage sowie Medienschaffende in den kommenden Jahren vom Bund mit 220 Millionen Euro unterstützt werden.

Der Haushaltstitel liegt in der federführenden Zuständigkeit des Bundeswirtschaftsministeriums, das nach eigenen Angaben inzwischen damit begonnen hat, ein Konzept für die Förderung zu erstellen.

Der Springer-Chef war am Montag von der BDZV-Delegiertenversammlung in seinem Amt als Präsident einstimmig bestätigt worden. epd/Tsp

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