Letzte Ausgabe. Der "Bayernkurier" wird eingestellt. Foto: dpa
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"Bayernkurier" wird eingestellt CSU-Zentralorgan verstummt

Die CSU sagt, Franz Josef Strauß würde heute den "Bayernkurier" nicht mehr gründen. Stimmt, FJS würde twittern - wie Trump.

Wilfried Scharnagl ist im Oktober 2018 gestorben, also muss er das nicht mehr erleben. Der „Bayernkurier“, den er von 1977 bis 2001 als Chefredakteur geleitet hat, erscheint am 16. November zum letzten Mal. Die Parteizeitung der Christlich-Sozialen Union ist hoch defizitär, daran hat auch die Tatsache nichts ändern können, dass 2015 von wöchentlichem auf monatliches Erscheinen umgestellt wurde.

Gegründet wurde der „Bayernkurier“ 1950 von Franz Josef Strauß, der auch als erster Chefredakteur fungierte. Wann immer der CSU-Übervater in seiner Zeit als Generalsekretär oder später als Parteichef seine politischen Botschaften verbreiten wollte, standen sie in großen Lettern auf der Titelseite des Parteiorgans. Das war quasi Gesetz, insbesondere in der Chefredaktion von Wilfried Scharnagl, über den Strauß gesagt haben soll: „Er schreibt, was ich denke, und ich denke, was Scharnagl schreibt.“

Kampf gegen die Bayernpartei

In den Anfangsjahren wurde vornehmlich über die heute bedeutungslose Bayernpartei nachgedacht, geschrieben und gepoltert. Es ging für die CSU und ihre Zentralorgan um die Vormachtstellung im Freistaat. Als dieser Gegner aus dem Feld geschlagen war, blieben noch genug andere übrig: die „Sozis“, gerne auch als die „Roten“ tituliert, die sozialliberale Koalition mit Bundeskanzler Willy Brandt, schließlich die eigenen Koalitionspartner im Bund. vorneweg CDU-Kanzler Helmut Kohl. Wer in jenen Jahren und Jahrzehnten den „Bayernkurier“ las, der wurde den Eindruck nicht los, als müsste Franz Josef Strauß seine Niederlage bei der Bundestagswahl 1980 am späteren Wahlsieger und Kanzler Kohl abarbeiten.
Aber wie die Partei, so war auch die Parteizeitung stets wachsam, wenn es um den rechten Rand im Parteienspektrum ging. Die Republikaner, die sich gerade zu Zeiten von Parteichef Franz Schönhuber als die bessere CSU verstanden, wurden heftig angegangen. In dieser Frontstellung, aber auch in den scharfen Auseinandersetzungen der Volksparteien SPD und Union wurde nicht an Attacken gespart, die heute unter „Hate Speech“ liefen. Der „Bayernkurier“ war ein Kampfblatt.
Ein Image, das die CSU mit dem Tod von Strauß 1988 und spätestens mit dem Ausscheiden von Scharnagl loswerden, auf jeden Fall mildern wollte. Weniger aggressiv im (Schreib-)Stil, mehr Hintergrundberichte, mit der Umstellung zum Monatsheft hieß der Untertitel „Das Magazin für Orientierung“, und Orientierung meinte zahlreiche Lebensbereiche und nicht nur politische Denkungsart.

600 000 Euro Defizit


Aber das Problem blieb und wuchs: die Kosten. Dem Vernehmen nach lag das jährliche Defizit bei 600 000 Euro. Die Partei muss in Medienzeiten sozialer Netzwerke und der Kampagnenfähigkeit wegen ihre Mittel umschichten. Das Printmagazin hatte rund 5000 Abonnenten und eine Druckauflage von 20 000 Exemplaren. Dazu kommen 30 000 ePaper-Abonnenten. Die Seite „Bayernkurier.de“ hat laut CSU rund 54 000 Nutzer im Monat.
Parteichef Markus Söder und Generalsekretär Markus Blume haben das Aus für das Magazin in der CSU durchgesetzt. „Weil unsere finanziellen Ressourcen begrenzt sind, führt das natürlich zu schweren Entscheidungen. Der ,Bayernkurier’ war uns über Jahrzehnte lieb und teuer, aber die Prioritäten liegen heute woanders“, sagte Blume der dpa. Der Geist des „Bayernkuriers“ wehe dennoch weiter: „Authentisch, meinungsstark und näher am Menschen – das ist und bleibt unser Verständnis von deutlicher Aussprache.“ Die Situation im Jahr 2019 sei so: Franz Josef Strauß würde heute keinen „Bayernkurier“ mehr gründen. Wetten, dass der sendungsbewusste CSU-Machtpolitiker twittern würde? Und zwar im Stile von US-Präsident Donald Trump?
Der „Vorwärts“ der SPD erscheint weiter und sechs Mal im Jahr. Das ist tapfer, nicht unbedingt klug.

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