Michael Spreng, Publizist und Politikberater, ist mit 72 Jahren auf Mallorca gestorben. Foto: Karlheinz Schindler/dpa
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„BamS“-Chefredakteur und Stoiber-Berater Michael Spreng mit 72 Jahren gestorben

Michael Spreng war Chefredakteur der „Bild am Sonntag“, 2002 managte er den Wahlkampf von Edmund Stoiber. Jetzt ist der Publizist und Politikberater gestorben.

Erst vor wenigen Tagen, genauer gesagt Anfang des Monats, hatte sich Michael Spreng in einem Interview mit dem Deutschlandfunk zu einem hochaktuellen Thema zu Wort gemeldet: „Markus Söder ist der erste CSU-Mann, der es packen kann“, hatte Michael Spreng, der ehemalige „Bild am Sonntag“-Chefredakteur und spätere Politik- und Kommunikationsberater, seine Meinung zur K-Frage verkündet und seine Einschätzung damit begründet, dass er dies infolge der Coronakrise für denkbar hält. Mit den Chancen von CSU-Kanzlerkandidaten kannte sich Spreng aus, hatte er doch Edmund Stoiber im Wahlkampf 2002 gegen den späteren SPD-Kanzler Gerhard Schröder beraten.

Wie das Medienmagazin „Horizont“ am Donnerstag zuerst berichtet hat, ist Michael Spreng bereits am Dienstagabend nach langer Krankheit auf Mallorca im Alter von 72 Jahren gestorben. Er sei einem Krebsleiden erlegen, hat Kurt Breme, der ehemalige Verlagsgeschäftsführer der „Woche“ und Spreng-Vertraute bestätigt.

Volontariat während der Studentenunruhen

Die berufliche Laufbahn des gebürtigen Darmstädters begann 1968 mit einem Volontariat bei der „Frankfurter Neuen Presse“. Bereits damals schrieb er parallel für eine Springer-Zeitung, die „Welt am Sonntag“. Er war danach Redakteur bei „Welt“ und „Bild“, wurde stellvertretender Chefredakteur des Boulevardblattes. Nach einem sechsjährigen Intermezzo als Chefredakteur des Kölner „Express“ kehrte er 1989 zu Springer zurück, wurde „BamS“-Chefredakteur, bis er im Oktober des Jahres 2000 nach Konflikten mit der Konzernleitung den Verlag verließ. Auch seine Kritik an Helmut Kohl – dem „Kanzler in den Wolken“, wie er ihn in einem Kommentar titulierte – soll dabei eine Rolle gespielt haben, stand doch der Springer-Verlag weiterhin hinter dem Pfälzer.

Mit seiner ehemaligen Blatt „Bild“ hatte Spreng zuletzt ebenfalls seine Probleme. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem die ,Bild-Zeitung’ nicht versucht, die Institutionen und Repräsentanten des Staates verächtlich zu machen und ihre Leser gegen sie aufzuhetzen“, schrieb Spreng 2018 in seinem Blog „Sprengsatz“. Anlass war die Berichterstattung der Zeitung über den Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Erdogan. „Seit Monaten bespielt ,Bild‘ die politische Agenda der AfD“, schrieb er weiter. „Bild“ gebe sich wieder als Kampagnenblatt – wie seit den Studentenprotesten der 60er Jahre nicht mehr. Chefredakteur Julian Reichelt habe offenbar „eine Truppe von selbsternannten Kriegern um sich geschart, die glauben, sie lägen im Schützengraben und müssten nicht nur die Kanzlerin, sondern auch den liberalen Rechtsstaat sturmreif schießen“, mutmaßte Spreng.

Seine größte Herausforderung als Kommunikations- und Medienberater hatte der parteilose Spreng 2002 im Wahlkampfteam von Edmund Stoiber. Fast wäre er zum Kanzlermacher aufgestiegen. Später beriet er in Nordrhein-Westfalen den CDU-Kandidaten Jürgen Rüttgers.

Im Herzen blieb Spreng immer Journalist. Dabei spielten sicherlich auch die gestalterischen Möglichkeiten eine Rolle, die er siebzehneinhalb Jahre lang in dieser Funktionen hatte – fast zwei Jahre mehr als Kohls Kanzlerschaft. „Chefredakteure sind mit die freiesten Chefs, die es gibt“, so hat Michael Spreng einmal geschwärmt.

Publizistisch blieb der Katholik weiterhin tätig, unter anderem als Redaktionsleiter der Talkshow „Menschen bei Maischberger“ und seit 2009 mit seinem Blog „Sprengsatz“. Noch in diesem Jahr schrieb Spreng als Kolumnist für den „Berliner Kurier“. Seine politische Expertise war gefragt, gerne auch in den Talkshows des Fernsehens, bei Maybrit Illner oder Anne Will.

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