Chinas Präsident Xi Jinping verbietet queeren Menschen, im Fernsehen aufzutreten. Foto: Jason Lee/Reuters
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Auftrittsverbot für LGBT-Community Mögen Chinas Geschmacks-Diktatoren glorreich scheitern

In Chinas Fernsehen sollen keine femininen, androgynen Männer mehr mitwirken. Das erinnert an die 50er und 60er Jahre deutscher Unterhaltung. Ein Kommentar.

Diktator möchte man sein oder wenigstens Xi Jinping. Der steht Chinas Regierung als Staats- und Parteichef vor. Xi Jinping jedenfalls hat den Fernseher eingeschaltet und was er da sehen musste, hat ihn und die anderen grauen Männer in der KP mächtig irritiert. Da tanzen, singen und performen junge Männer durchs Bild, die höchst feminin aussehen.

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Höchst verdächtig und höchste Zeit zum Eingreifen. Die staatliche Fernseh- und Radioverwaltung (NRTA) in Peking hat Fernsehanbieter aufgefordert, keine männlichen Darsteller „mit einem weiblichen Stil und andere abnormale Ästhetik“ zu zeigen. Die Anweisung wendet sich gegen einen Trend zu einem eher weiblichen oder androgynen Aussehen von Sängern oder Schauspielern, der von Südkorea und Japan nach China überschwappt.

Die Fernsehstationen sollten sich an „politische Qualität, moralischen Charakter und künstlerische Standards als Auswahlkriterien“ halten. Auf keinen Fall dürften Personen gezeigt werden, „deren politische Ansichten inkorrekt sind“. Es solle ein „patriotisches, tugendhaftes und künstlerisches Ethos“ in der Unterhaltungsindustrie geschaffen werden.

Revival der 50er und 60er Jahre

Puh, das klingt nach Fernsehen und Unterhaltung, wie sie in den 50er und 60er Jahren Deutschlands gezeigt wurden. Männer, also richtige Männer, küssten richtigen, also richtigen Frauen, die Hand, die andächtig im Kochtopf rührte. Und ein Gerhard Höllerich musste als Roy Black den Soundtrack der jungen Bundesrepublik mitsingen, obwohl ihm deutlich mehr nach Rock’n’Roll zumute war.

Die Befreiung der (TV-)Unterhaltung hin zu einer gender-offenen, wegweisenden, schillernden Performance war ein langer und für nicht wenige sehr schmerzhafter Weg.

Einen Bill Kaulitz, einen Michael Jackson und all die anderen androgynen Künstlern wollen die Xi Jinpings dieser Welt unter dem Diktum einer falsch verstandenen „nationalen Erneuerung“ vergessen machen. Mögen sie glorreich scheitern, mögen die Fans heimlich wie unheimlich diesen Ehrgeiz unterlaufen. Die Welt ist LGBTQIA+ oder sie ist schwarz und weiß im Starschnitt-Muster von Chinas Geschmacks-Diktatoren.

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