930 000 Zuschauer lautet die Auftaktquote für den RBB-Talk Foto: RBB
© RBB

Auftaktquote für "Hier spricht Berlin" 930 000 Zuschauer zur ARD-Premiere

Der Berlin-Talk des RBB im Ersten startet mau. Das hat Gründe. Schlimm wäre es, wenn "Hier spricht Berlin" der ARD-Konkurrenz stets hinterher sendet

Die Anstrengung fand noch keine größere Aufmerksamkeit. 930 000 Zuschauer wollten die Premiere des RBB-Talks "Hier spricht Berlin" in der ARD am Dienstag sehen. Das sind 7,7 Prozent Marktanteil, ein überschaubarer Wert. Die Auftaktsendung des neuen "Talks am Dienstag", die "NDR Talk Show" erreichte 1,41 Millionen Zuschauer, was einen Marktanteil von 11,6 Prozent zur Folge hatte. Zwischen den Quoten für den NDR-Talk und den RBB-Talk klafft eine erhebliche Lücke. Aber das hat Ursachen und Wirkungen.

1. "Hier spricht Berlin" mit den Moderatorinnen Jessy Wellmer und Eva-Maria Lemke startete um 23 Uhr, also später als "NDR Talk Show". Bis 23 Uhr ist die Zahl der erreichbaren Zuschauer weiter und weiter geschrumpft, zudem wartet mit "Markus Lanz" im ZDF eine eingeführte Konkurrenzmarke. Die Sendung hat ihr Publikum gefunden, Markus Lanz hat sein "Wetten, dass..?"-Debakel längst hinter sich, er macht Late-Night-Talk, auf den das Publikum, seine Fans warten.

2. "Hier spricht Berlin" ist neu. Hier gibt es keine Fanbase, hier wird quasi am Nullpunkt gestartet. Da sind 930 000 Zuschauer eine erste Marke. Jetzt gilt es, durch Besonderheiten und besondere Qualität sich einen Ruf zu erarbeiten. Die Mundpropaganda muss kundtun, dass "Hier spricht Berlin" eingeschaltet werden könnte, sollte, müsste. Ein Stammpublikum muss sich bilden.

In der Mediathek um 22 Uhr?

3. Bis auf die RBB-Novität laufen beim "Talk am Dienstag" Übernahmen aus den Dritten. Dort wird am Freitag (!) um 22 Uhr (!) gestartet. Darauf hat sich das (ältere) Publikum eingerichtet. 22 Uhr 45/23 Uhr scheint zu spät zu sein. Es sollte den ARD-Anstalten eine Überlegung wert sein, ob nicht so weit vorher aufgezeichnet werden kann, dass ein Zugriff in den Mediatheken um 22 Uhr möglich ist. Die Talks sind ja nicht von berstender Tagesaktualität.

4. Wer im Ersten senden will, der weiß, dass er bei den Großen mitspielt. Es wird dem RBB bei allem Anfang schnell gelingen müssen, sich im Talk-Quartett mit "Kölner Treff", "NDR Talk Show" und "3 nach 9" zu behaupten. Immer Vierter und damit Letzter zu sein, tut dem Senderruf nicht gut. Der RBB muss und will zum Erfolg des Ersten beitragen. Ein Talk ist da eine Prüfung aufs Exempel.

5. Wie auch immer das "Talk am Dienstag"-Experiment in der ARD ausgeht: Die Sendungen haben eine Rückfallposition in den jeweiligen Dritten. Vielleicht spricht Berlin dann nur noch im RBB Fernsehen. Die (potenzielle) Niederlage im Ersten kann dann immer noch der faktische Sieg im Dritten bedeuten. Dort wird eine Talkshow gebraucht. Das ist der Rundfunk Berlin-Brandenburg sich und der Hauptstadt schuldig.

Zur Startseite