Daryle Lamont Jenkins ist ein Linksaktivist, der gegen die Alt-Right-Bewegung ankämpft. Foto: Gunpowder
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Arte-Doku Rassenkrieg in den USA?

Manfred Riepe

Die Ziele der Alt-Right-Bewegung: Arte-Doppelporträt eines Rechtsextremen und seines Gegenspielers von der Antifa

Sie wollen eine Mauer quer durch die USA ziehen und das Land in einen Apartheidstaat verwandeln. Gleichberechtigung zwischen Schwarz und Weiß ist in ihren Augen „ein gefährlicher Mythos“. Eine Arte-Dokumentation beleuchtet die Umtriebe der „Alt-Right“, einer rassistischen Bewegung, die in Amerika als die „schickere“ Version des Ku-Klux-Klans gilt.

Das Gesicht dieser Extremisten verkörpert Richard Spencer, Doktorand der Duke University, der die Hochschule jedoch ohne Abschluss verließ. 2010 prägte er mit seinem Onlinemagazin „alternative right“ den Kampfbegriff der Ultrarechten in den USA. Vor der Kamera nimmt der smart auftretende 40-Jährige kein Blatt vor den Mund: „Die Vorstellung, dass wir nur zufällig eine andere Hautfarbe haben aber ansonsten alle gleich sind, finde ich lächerlich“. Für diese demagogischen Ideen bietet Adam Bhala Lough dem Wirrkopf nicht einfach so eine Bühne. Der Dokumentarist, dessen Werke regelmäßig auf dem Sundance Festival gezeigt werden, hat sich einen Namen gemacht durch seine authentischen Einblicke in amerikanische Sub- und Jugendkulturen. Sein Film über den Rassenkrieg ist strukturiert in Form eines Doppelporträts. Ausführlich zu Wort kommt so auch Daryle Lamont Jenkins, der als übergewichtiger schwarzer Linksaktivist für all das steht, was Spencer bekämpft.

Die Kontrahenten verkörpern füreinander ziemlich beste Feinde. Spencer verachtet Farbige, doch vor Jenkins hat er einen gewissen Respekt. Der Afroamerikaner bietet ein Aussteiger-Programm für Neonazis an und marschiert bei Anti-Rassismus-Demos stets vornweg. Verstörende Bilder von Zusammenstößen zwischen Alt-Right-Demonstranten und Antifa-Aktivisten erinnern an bürgerkriegsähnliche Zustände. Trauriger Höhepunkt: die Auto-Attacke von Charlottesville. Benebelt von der Alt-Right-Ideologie, raste hier ein psychisch labiler 20-Jähriger im Sommer 2017 mit einem PS-starken Wagen in einer Menge friedlicher Demonstranten, die gegen eine Nazi-Kundgebung protestierten. Dabei tötete er eine 32-jährige Frau und verletzte mehrere Dutzend Menschen schwer. Wackelige Handy-Videos zeigen Menschen, die schreiend durcheinander laufen.

Trump sprach von Gewalt auf vielen Seiten

Das Ereignis geriet auch hierzulande in die Schlagzeilen, weil US-Präsident Donald Trump Rechtsextremisten und Gegendemonstranten seinerzeit in einen Topf warf und von „Gewalt auf vielen Seiten“ sprach. Loughs Dokumentation rekonstruiert die Hintergründe dieser Ausschreitungen. Sein Film zeigt Bilder junger Männer, die Fackeln tragen und antisemitische Slogans grölen. Ihr Ziel: der Erhalt eines Reiterstandbildes des Konföderierten-Kommandeurs Robert E. Lee. Das Denkmal steht sinnbildlich für einen landesweiten Kampf um die Deutungshoheit über Statuen, Plaketten und Straßennamen, die an Südstaaten-Zeiten erinnern und Sklaverei im Sinne der Alt-Right-Ideologie verherrlichen.

In diesem blutigen Kulturkampf kommen auch Jared Taylor, Gründer der rechtsradikalen Zeitschrift „American Renaissance“, sowie der Journalist Mark Potok zu Wort, der für die gemeinnützige Organisation „Southern Poverty Law Center“ extremistische Randgruppen beobachtet. Der Film präsentiert die Ansichten der Kontrahenten zwar völlig unkommentiert. Dabei schlägt die Dokumentation jedoch schon ganz zu Anfang einen Bogen zurück ins Jahr 1939. Mit Hitlergruß salutierte damals eine gigantische Menschenmenge vor Fritz Julius Kuhn, einem deutschamerikanischen Nationalsozialisten: Das sind keine Bilder vom Nürnberger Reichsparteitag, sondern vom vollbesetzten New Yorker Madison Square Garden. Mit diesen Archivaufnahmen zeigt Lough eine Kontinuität zwischen der NS-Rassenideologie und der gegenwärtigen Alt-Right-Bewegung auf.

"Rassenkrieg in den USA?", Arte, Dienstag, 21 Uhr 10

 

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