Ein erneutes ESC-Debakel soll 2020 verhindert werden. Das deutsche Pop-Duo "Sisters" mit Carlotta Truman (L) und Laurita Spinelli kam 2019 in Tel Aviv nur auf den vorletzten Platz. Foto: Ilia Yefimovich/dpa
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Angst vor Pleite bei Eurovision Song Contest NDR ändert die Regularien für den deutschen ESC-Beitrag

Um ein erneutes Debakel zu verhindern, wurde das Auswahlverfahren für den deutschen Beitrag erneut geändert. Diesmal wurde allein von Experten entschieden.

Bei der Auswahl des deutschen Beitrags für den European Song Contest setzt der federführende NDR diesmal allein auf die Kompetenz von Experten. Zwei unabhängige Jurys haben ausgewählt, wer für Deutschland in Rotterdam auftritt.

Die Entscheidung fiel bereits am 12. Dezember, mit der Bekanntgabe lässt sich die ARD allerdings noch etwas Zeit. Wer mit welchem Titel im ESC-Finale für Deutschland antreten wird, zeigt der ARD-Sender One am 27. Februar in „Unser Lied für Rotterdam“. Die 45-minütige Sendung (21 Uhr 30) wird wie gehabt von Barbara Schöneberger moderiert.

Im vergangenen Jahr war das deutsche Duo Sisters beim ESC in Tel Aviv auf dem vorletzten 25. Platz gelandet. „Mit der Platzierung in Tel Aviv sind wir selbstverständlich nicht zufrieden. In Rotterdam wollen wir wieder an den Erfolg von 2018 anknüpfen“, sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. „Wir sind zuversichtlich, dass die Wahl auch bei den ESC-Fans auf sehr breite Zustimmung und – wie wir hoffen – auf Begeisterung stoßen wird“, sagte er weiter. 2018 in Lissabon hatte es der Deutsche Michael Schulte mit "You Let Me Walk Alone" überraschend auf Platz vier geschafft.

Eurovisions- und Expertenjury

Bisher wurden die deutschen Kandidaten meist bei einer Vorentscheid-Show ausgewählt. Diesmal gab es nun die beiden Expertenjurys. Die „Eurovisions-Jury“ war mit 100 Menschen aus ganz Deutschland besetzt, zur internationalen Expertenjury gehörten 20 Musikprofis, die alle bereits Erfahrungen als ESC-Juroren ihres Heimatlandes gesammelt haben.

Bei dem mehrstufigen Auswahlverfahren hat sich der NDR an dem Verfahren orientiert, das auch beim ESC selbst Anwendung findet. Die Punkte für die ESC-Beiträge setzen sich dabei je zur Hälfte aus der Wahl der Zuschauer und der nationalen Jurys zusammen.

Von langer Hand vorbereitet

Beim ESC 2020 will der NDR nichts dem Zufall lassen. Die Zusammensetzung der Jurys wurde von langer Hand vorbereitet. Bereits im April 2019, also vor dem Finale in Israel, waren über zwei Millionen Menschen in Deutschland über soziale Netzwerke eingeladen, Teil der Eurovisionsjury zu werden.

Am Ende haben 15 000 mitgemacht. Sie mussten im Vorfeld des ESC 2019 die Platzierung von zehn zufällig bestimmten ESC-Beiträgen vorhersagen und so ihr Gespür für die sichere Einschätzung von ESC-Beiträgen unter Beweis stellen. Von ihnen wurden die besten 100 ausgewählt. Auch die Mitglieder der internationalen Expertenjury wurden danach ausgewählt, wessen Einschätzung dem tatsächlichen Ergebnis besonders nah kam.

Das Konzept für das neue Auswahlverfahren "haben wir in unserem NDR Team mit unseren Partnern gemeinsam entwickelt und unmittelbar nach Tel Aviv als eine von vier Optionen priorisiert und dann hausintern kommuniziert", sagte Schreiber dem Tagesspiegel. Und wie sahen die drei anderen Optionen aus? "Darüber haben wir Vertraulichkeit vereinbart.“

Für den ESC 2020 haben bereits 17 der insgesamt 41 Teilnehmerländer ihre Künstler für den weltweit größten Musikwettbewerb bekanntgegeben. Das ESC-Finale findet am Sonnabend, 16. Mai, in Rotterdam statt. Das Erste und eurovision.de übertragen live ab 21Uhr. Kurt Sagatz

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