Warme Dusche. Mehr braucht es für die Intimpflege bei Kindern nicht. Foto: imago/westend61
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Kolumne: Der Kinderdok Lasst die Jungs selbst zupfen!

Was Eltern über die Genitalpflege ihrer Söhne wissen sollten.

Neulich fragte mich die Mutter eines sechs Monate alten Jungen, wann sie nun endlich die Vorhaut zurückziehen könne. Eine andere fragte mich, wie sie da sauber machen soll. Eine dritte, wann endlich operiert werde.

Es fragen immer die Mütter, die Väter trauen sich vielleicht nicht oder haben zu große eigene Verlustängste, ich weiß es nicht. Jedenfalls scheinen die Väter keinen Anteil an der Genitalpflege ihrer Söhne zu haben. Den Müttern kann man ja die Fragen nicht verübeln, wie sollen sie es auch besser wissen? Kaum ein Bereich, in dem es mehr urbane Legenden und tradierte Empfehlungen gibt. Dabei hat sich an den grundlegenden Dingen in den letzten Jahren wenig geändert.

Zunächst einmal muss die Vorhaut des Jungen gar nicht manipuliert werden, jedenfalls nicht bis zum Schulalter und schon gar nicht von Eltern- oder anderer Hand. Wenn die Jungs selbst am Penis herumzuppeln, -ziehen oder -zupfen, ist das legitim, macht Spaß und löst kleine Verklebungen unter der Vorhaut. Der kleine Mann wird schon damit aufhören, wenn es wehtun sollte.

Im Kleinkindalter ist eine Phimose, die Vorhautenge, immer physiologisch. Das Präputium, wie die Vorhaut auf Medizinisch heißt, stellt einen häutigen Schutz der darunterliegenden Glans penis da, der Eichel. Durch den recht engen Harnröhreneingang können selten Erreger einer Harnwegsinfektion eindringen, ein übertriebenes Manipulieren öffnet dieser nur Tür und Tor. Außerdem entstehen Mikroeinrisse der dünnen Haut, die dann vernarbt, eine jetzt unerwünschte sekundäre Vorhautenge kann entstehen.

Wann wird eine Beschneidung durchgeführt?

Manchmal gibt es gerötete Verdickungen wegen Entzündungen kleiner Drüsen im Penisschaft, eine sogenannte Balanitis, sie klingt in der Regel mit Kamille- oder Alkoholumschlägen zur Desinfektion und Entzündungshemmung wieder ab. Auch hier: kein Manipulieren der Vorhaut für erweiterte Säuberungsaktionen!

Im Schulalter darf der Junge lernen, die Vorhaut mit Bedacht zurückzuziehen, um das entstehende Smegmasekret zu säubern, sodass sich vorhandene Verklebungen lösen können. Erscheint das Präputium nun relativ unnachgiebig, können Salben auf Hormonbasis die Elastizität der Haut verbessern und sie verdünnen, sodass die Bewegung leichter fällt. Spätestens während der Pubertät löst sich auch noch die letzte Vorhaut von allein, Geduld ist also gerechtfertigt.

Wann werden Jungs aber an der Vorhaut operiert, wird also eine Zirkumzision, eine Beschneidung durchgeführt? Religiöse Gründe mal nicht berücksichtigt und rein medizinisch gesprochen muss die Vorhaut nur dann operiert werden, wenn noch vor der Pubertät eine starke Enge besteht, die auch durch die Salben nicht gelöst werden kann. Oder wenn eine sekundäre narbige Phimose vorliegt, wie sie nach zu viel Manipulation im Kleinkindalter entstehen kann. Alte Empfehlungen, wonach eine Zirkumzision immer vor dem Schulalter erfolgen soll oder nach wiederholten Entzündungen, oder weil die Eltern das so wünschen, oder weil angeblich eine Beschneidung Krebserkrankungen bei Mann und Frau vorbeugen würden, gelten nicht mehr.

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