Videoclip mit der Queen bei dem Jubiläumsfeierlichkeiten in London. Foto: IMAGO/ZUMA Wire
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Update „Eure Majestät, Mami“ Historisches Spektakel und Zehntausende Picknicks für die Queen

Benedikt von Imhoff - dpa

Am Samstag würdigt eine atemberaubende Show 70 Jahre Elizabeth II. Sie wirkt fast wie ein Abschied. Am Sonntag gibt es landesweit Picknicks.

Landesweit haben Menschen in Großbritannien bei gemeinsamen Picknicks das 70. Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. gefeiert. Im Londoner Cricket-Stadion The Oval nahmen auch Thronfolger Prinz Charles und seine Ehefrau Herzogin Camilla an einem „Jubilee Lunch“ teil, die Queen-Schwiegertochter schnitt dabei eine Torte an. Aus Filz war ein sechs Meter langes Kuchenbuffet aufgefahren worden.

Gäste, die mit Charles sprachen, berichteten anschließend der Nachrichtenagentur PA, der 73-Jährige habe dazu aufgerufen, dieses Gefühl der Gemeinschaft aufrecht zu erhalten - und nicht nach den viertägigen Feierlichkeiten zur Streiterei zurückzukehren.

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Nach Schätzungen beteiligten sich Millionen Menschen landesweit an etwa 16.000 Straßenpartys und 85.000 Picknicks zum „Big Lunch“. Alle Einwohner konnten zuvor Feste anmelden, es gab auch zahlreiche öffentlich organisierte Events. Einige Kommunen hatten die Gebühren erlassen, die eigentlich für Straßensperrungen fällig werden, um Partys zu ermöglichen.

Der jüngste Queen-Sohn Prinz Edward und seine Frau Gräfin Sophie vertraten die Königin bei einem Mittagessen in Windsor. Der Palast verbreitete Fotos, die Herzogin Kate, die Ehefrau von Queen-Enkel Prinz William, beim Kuchenbacken mit ihren drei Kindern zeigen. Die Süßspeisen seien für eine Straßenparty in der walisischen Hauptstadt Cardiff gedacht, hieß es.

Am Samstagabend wurde die Queen mit einer zweieinhalb Stunden langen Mega-Sause direkt vor dem Buckingham-Palast gefeiert. Kurz vor Schluss wurde der 73-jährige Prinz Charles wieder zum Kind. „Eure Majestät, Mami“, wandte sich der Thronfolger an seine Mutter, die Queen. Im Namen des ganzen Landes, ja der Welt, dankt ihr ältester Sohn Königin Elizabeth II. für ihre Regentschaft.

Es war der emotionale Höhepunkt der Show, die an Stars, Farbenpracht und Technik so gut wie alles aufbot, was möglich war. Das Vereinigte Königreich, so der Eindruck, liegt seiner Königin nicht nur zu Füßen. Es ergibt sich ihr in einem nie da gewesenen Rausch an Bildern und Botschaften.

Kaum möglich, einen Höhepunkt herauszugreifen. Die „Platin-Party am Palast“, von der BBC organisiert, gerät zu einem Ausnahmezustand für die Sinne.

Zum Auftakt schaut sogar die Queen vorbei, wenn auch nur von der Leinwand. In einem gut zweiminütigen Clip trifft die 96-Jährige auf die beliebte Kinderbuchfigur Paddington. „Tee?“, fragt die Monarchin - und der tapsige Bär trinkt ohne Umschweife direkt aus der Kanne.

Die Queen zieht ein Marmeladenbrot aus der Handtasche

Um seinen Lapsus wieder gut zu machen, bietet Paddington ein Marmeladenbrot an, das er als Notration stets im Hut trägt. Doch die Queen lehnt ab, öffnet ihre Handtasche - und zieht selbst ein Brot hervor. „Ich hebe meins hier auf“, sagt sie und lächelt.
Den Clip sehen Sie hier im Video:

Die Szene toppt selbst den Einspieler zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 2012, als es so wirkte, als springe die Königin mit James-Bond-Darsteller Daniel Craig mit einem Fallschirm ab. Und in sagenhaftem Tempo geht es weiter. Auf mehreren Bühnen treten im Fünf-Minuten-Takt Musikstars auf, Innehalten ist nicht.

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Als erstes ist die Rockband Queen mit Sänger Adam Lambert an der Reihe, Gitarrist Brian May steht stilecht vor dem Denkmal für Queen Victoria. Zeit zum Luftholen? Fehlanzeige, so schnell wechseln Sänger und Bühnen. Manchmal wirkt es, als seien die 22.000 Zuschauer noch benommen von einem Auftritt, da beginnt schon der nächste.

Hier der Auftritt von Queen im Video:

An die 40 Mitglieder der Royal Family - aber nicht Queen-Enkel Prinz Harry und Ehefrau Herzogin Meghan - verfolgen das Spektakel aus der Royal Box. In der ersten Reihe schwenken Harrys Bruder Prinz William, dessen Gattin Herzogin Kate und ihre beiden älteren Kinder Prinz George und Prinzessin Charlotte britische Fahnen, beim Gassenhauer „Sweet Caroline“, vorgetragen von Rod Stewart, singen sie mit.

Auf der Bühne stehen sie auch: Zunächst William, der einen emotionalen Appell für den Umweltschutz hält. Und fast zum Schluss dann Charles. „Im Namen von uns allen möchte ich Eurem lebenslangen selbstlosen Dienst meinen eigenen Tribut zollen“, gelobt der Thronfolger und vergisst auch „meinen Papa“ nicht, den 2021 gestorbenen Queen-Gemahl Prinz Philip.

Seit dem 6. Februar 1952 ist Elizabeth Königin

Dazwischen: Video-Botschaften von einigen der bekanntesten Briten, den Schauspielerinnen Julie Andrews und Judi Dench, Beatle Paul McCartney, Fußballer David Beckham und Olympiasieger Mo Farah. „70 Jahre als unsere Regentin“, schwärmt Popstar Elton John.

Fans der Monarchie bei den Feierlichkeiten zum Queen-Jubiläum in London. Foto: IMAGO/ZUMA Wire Vergrößern
Fans der Monarchie bei den Feierlichkeiten zum Queen-Jubiläum in London. © IMAGO/ZUMA Wire

Seit dem 6. Februar 1952 ist Elizabeth Königin, so lange wie keine Monarchin und kein Monarch zuvor. Immer wieder ist aus den Lautsprechern die Stimme der Queen zu hören, etwa ihr Versprechen, bis ans Lebensende ihrem Volk zu dienen. Anwesend ist die Jubilarin zwar nur auf der Leinwand.

Die 96-Jährige, die zuletzt öfter wegen Mobilitätsproblemen Termine absagte, erholt sich noch vom Auftakt der insgesamt viertägigen Feiern, die am Donnerstag begannen und am Sonntag enden. Doch jedes Mal, wenn ihr Name fällt, jubeln die Massen. Kaum gibt es noch Britinnen oder Briten, die sich an ein anderes Staatsoberhaupt erinnern können. „Wir sind alle Elizabethaner“, verkündet der Schauspieler Stephen Fry.

Je später der Abend, desto mehr verwandelt sich der Buckingham-Palast in eine Filmleinwand. Bilder der Queen werden auf die Fassade projiziert, Farben und Muster. Immer wieder erstrahlt der „Union Jack“. Doch zum Schluss, als US-Soul-Ikone Diana Ross singt, ist auch der Palast nur noch Beiwerk.

Im Himmel über dem Schloss malen Drohnen bewegliche Bilder in die Luft, Symbole der Queen: ein Corgi - ihre liebste Hunderasse, eine Handtasche, eine Teekanne, ein galoppierendes Pferd. Schließlich die Queen als Briefmarke.

Und spätestens hier entsteht der Eindruck: Es geht längst nicht mehr um das Jubiläum, sondern um das Vermächtnis. Die Queen als Marke, zu der alle aufsehen, nicht mehr von dieser Welt, sondern über den Dingen stehend. Es wirkt wie eine Abschiedszeremonie. (dpa)

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