Zwischenstopp in Siena - es könnte schlimmer sein ...

4: 10 Uhr, sagt die Apothekenuhr. Foto: Pepe Egger
Eroica: Tour auf Vintage-Rennrädern Heldenfahrt durch die Toskana

Die richtige Fahrweise scheint sowieso zu sein: Laufen lassen, den Schwung mitnehmen und ohne zu bremsen den Hang hinunterbrettern. Das hat Sinn auch deswegen, weil gleich schon der nächste Hügel und die nächste Steigung warten. So geht das auf und ab, bis hinter toskanischen Hügelwellen die Sonne aufgeht. Das Feld hat sich da schon weit aufgefächert.

Es geht immer weiter Richtung Süden, bis man Siena östlich umfährt, allerdings kann hier kurz angehalten werden, um einen Cappuccino zu nehmen, denn zum ersten „ristoro“, der Verpflegungsstation, ist es noch ein Stück.

Wer die Eroica individuell angeht, wird sich einen Abstecher nach Siena wohl nicht entgehen lassen: Kleiner als Florenz, weniger überlaufen, bietet Siena ein mittelalterliches Stadtbild als alltägliche Lebenskulisse, ohne dass es museal erstarrt wäre. Allein Sienas Hauptplatz, die halbkreisförmige Piazza del Campo, ist einen Besuch wert. Hier wird zweimal im Jahr das archaische Pferderennen „Palio di Siena“ ausgetragen, das als härtestes Pferderennen der Welt gilt. Zuerst wird in historischer Tracht defiliert, dann treten die Pferde dreimal um den Platz gegeneinander an.

Die Eroica-Route läuft indes weiter, und erreicht nach einem weitere Anstieg Radi, wo die Strampelnden mit Salsiccia, Bruschetta, Kuchen und Chianti aus Korbflaschen gestärkt werden. Dann geht es weiter auf und ab bis zum südlichsten Punkt der Runde, nach Montalcino: der Stadt des Honigs, des Olivenöls und der schweren Rotweine. Weinkenner werden Ausschau halten, wo hier der Brunello wächst und gekeltert wird.

Spätestens jetzt, nach mehr als 80 Kilometern des Strampelns und nach dem Aufstieg nach Montalcino hinauf, wird sich manch einer denken: Warum habe ich nicht besser trainiert? Warum tue ich mir das an? Und warum nicht einfach hierbleiben, den Tag genießen, die Aussicht, das Essen, den Wein? Die Küche, die hier einfach aus den Früchten der Wälder, den Kräutern und der Wildschweinwurst, den Pilzen, Kastanien und dem Wein besteht?

So mancher wird nun mehr als genug Argumente dafür finden, die Route in mehrere genussreiche Tagesausflüge zu zerteilen, weniger heldenhaft, gewiss, dafür lohnender, lustvoller.

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