Fluchen und treten, stöhnen und schnaufen, frotzeln ...

Ist da Chianti drin? Foto: Pepe Egger
Eroica: Tour auf Vintage-Rennrädern Heldenfahrt durch die Toskana

Alle anderen werden fluchen und treten, stöhnen, heftig schnaufend weiterstrampeln – und belohnt werden mit einem Panorama zur Val d’Orcia, vielleicht der toskanischsten aller Postkarten: weite Felder, Zypressen-gesäumte Straßen, die sich über Hügel schlängeln, auf und ab, eine von Mensch und Natur seit Jahrtausenden gemeinsam geschaffene Landschaft.

Es hilft auch, in der Gruppe zu radeln, irgendwann sind alle dankbar für eine Frotzelei, einen Zuruf, ein aufmunterndes Wort, man tritt zusammen, verliert sich, trifft sich wieder, schiebt gemeinsam, und löffelt miteinander an den Verpflegungspunkten alles Mögliche in sich hinein; beliebt ist vor allem die „Ribollita“, die typische Gemüsebrotsuppe, die am offenen Feuer gekocht wird.

Die Route fährt jetzt zurück nach Norden, wieder in Richtung Ausgangspunkt in Gaiole, und durchquert als erstes die Crete Senesi, eine trockene Mondlandschaft mit kleinen weißen Tonhügeln und verwitterten Furchen an den Hängen, wo man den „Diamante delle Crete“ finden kann, den weißen Trüffel.

Schließlich, nach einer weiteren Rast in Asciano, gilt es die schlimmste Etappe zu überwinden, vor der schon Dutzende Kilometer vorher gewarnt wird, „le tre Marie“. Selbst wenn man sein Rad schiebt, kann es passieren, dass man hinaufkeucht und schnauft und mit hochrotem Kopf nach Luft japst, und dann überholt einen ein Greis auf einem Greisenrad ohne Gangschaltung, ein verrostetes Fixie aus den 20er Jahren, die Ersatzschläuche trägt er wie Patronengurte über der Brust gekreuzt und ein paar Lederriemen auf dem Kopf, wie ein Boxer aus dem 19. Jahrhundert.

Gekeuchtes Radlerlatein wird am Ende hier ausgetauscht: Die Speiche gebrochen, das Tretlager rausgefallen, aber der unkaputtbare Schlauchreifen! Wie viel Wein getrunken, wie viele Teller Ribollita verspeist, welchen Umweg wegen der schlechten Ausschilderung gefahren ... Es ist eben kein Rennen, kein Wer-ist-am-schnellsten, am Ende geht es nur darum, heil nach Hause zu kommen, am besten vor Einbruch der Dunkelheit.

Denn so unverwüstlich die Stahlrahmen auch sind, da sind ja noch die Reifen, zumal auf Schotter. An jeder Böschung wird geflickt, gepumpt, geflucht. Ketten werden zusammengestückelt, Reifen auf der Felge gefahren, mancher ist am Ende nur noch einrädrig unterwegs. Biere werden versprochen und Weinflaschen ausgelobt, sollte man davonkommen – und davon erzählen können.

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