Viele Türmchen, viele Hashtags: die Burg Eltz in der Eifel. Foto: Uschi Regh/Eifel Tourismus GmbH
© Uschi Regh/Eifel Tourismus GmbH

Eine Ritterburg wie aus einem Disney-Märchen Wandern um die Burg Eltz

Auf dem nebligem Traumpfad zur fotogenen Märchenfestung: Was Burg Eltz in der Eifel zum Instagram-Star macht.

Ist die echt? Auf einem steilen Felsen, umgeben von dichtem Wald, drängen sich die Türme, Gauben und Erker der Burg Eltz, zu viele, um sie zu zählen, zusammengehalten von einem Ring hoher Mauern. Der Herbstnebel hängt seit Stunden in den Baumkronen. Er wirkt, als könnte er die Ritterburg jederzeit verschlucken, und nachdem er sich verzogen hat, nur eine Leere zurücklassen: als habe das märchenhafte Bauwerk nie wirklich existiert. Eine Fata Morgana am südöstlichen Rand der Eifel.

Und doch thront der Sitz des Eltzer Adelsgeschlechts seit rund 850 Jahren an diesem Ort. Die Burg behauptete sich gegen Belagerungen, Seuchen, Familienkrisen und neuerdings auch Social-Media-Influencer. Die posieren bereits seit den Morgenstunden auf der schmalen Brücke, die zur Festung hinüberführt.

„Bei sonnigem Wetter stehen die hier dicht an dicht“, erzählt eine Besucherin, die häufig vorbeikommt. „Dann müssen sie sich untereinander absprechen, wer als nächstes vor die Kamera darf.“ Denn neben der Burg Eltz ist das Tal berühmt für seinen farbprächtigen Herbst. Wenn das Licht im richtigen Winkel durch den Nebel dringt, lässt sich erahnen, wieso. Dann leuchtet das ganze Tal in Tönen von Gelb bis Rostrot.

Mobilfunkmast als Baum

Die Influencer sind eine willkommene Werbung für die Region. Im vergangenen Winter ließ die Telekom eigens einen als Baum getarnten Mobilfunkmast im Tal errichten. Eine Stahlkonstruktion kam nicht in Frage, sie hätte die Märchenatmosphäre zerstören können. Stattdessen stabilisierte man eine Eiche per Betonfundament und verkabelte sie mit Strom und Antennen. Seitdem bleiben die Burgfotos nicht mehr im Funkloch hängen.

Vor der Burg und dem perfekten Indian-Summer-Bild kommt aber erstmal der Weg. Zwar fährt auch ein Shuttlebus direkt bis vors Festungstor. Wer jedoch etwas Zeit hat, schlägt den sogenannten „Traumpfad Eltzer Burgpanorama“ ein. Der führt mit einer vierstündigen Wanderung einmal durch die komplette Gegend.

Der Weg führt durch märchenhafte Wälder mit umgestürzten Bäumen. Foto: Markus Lücker Vergrößern
Der Weg führt durch märchenhafte Wälder mit umgestürzten Bäumen. © Markus Lücker

Anfang und Ende der Tour liegen in dem winzigen Dorf Wierschem: 300 Einwohner, eine Schreinerei, eine Kapelle, eine Pferdekoppel. Im Sommer steht hier der Mais auf den Feldern. Ein himmelblauer Traktor pflügt tiefe Furchen in den Acker. Unter den Wanderstiefeln schmatzt der Matsch, durch Pfützen und über Wiesen führt der Weg. Von der Burg ist nichts zu sehen, die liegt verborgen hinter den Wäldern.

Nur wenige Kilometer nordwestlich steht mit der Burg Pyrmont gleich der nächste Ritterbau. Mehr als 140 solcher Befestigungen standen über die Jahrhunderte in der Eifel. Während von den meisten heute nur noch steinerne Ruinen übrig sind, wurde der Sitz der Eltz-Familie nie verwüstet, nie erobert. Der Standort war ideal, um Zölle von den Händlern an der Mosel abzugreifen.

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Aktuell heißt der Burgherr Graf Karl zu Eltz – voller Name: Dr. Karl Graf und Edler Herr von und zu Eltz-Kempenich genannt Faust von Stromberg. Er wacht in 33. Generation über den Stammsitz. Allerdings zieht es der promovierte Ökonom vor, mit seiner Familie in Frankfurt zu leben.

Auf die Felder folgt der Abstieg in die Auenlandschaft entlang der Elz (kein Tippfehler). Nur wenige Zentimeter tief, verstärkt die Talform das Plätschern des Baches wie ein Megafon. So rauscht es ständig, als würde sich ein reißender Fluss seinen Weg durch den Wald bahnen. Von oben segeln die ersten gelbbraunen Blätter auf das Wasser hinab. Die Schiefersteinplatten sind überwachsen mit Moosteppichen, die sich beim Anfassen wie eine frisch gewaschene Lockenfrisur anfühlen: in den Spitzen widerspenstig und fast trocken, aber in der Tiefe nass, kalt und voll.

Ein leerer Traumpfad

Mal ist man alleine, dann wieder kommen einem im Minutentakt andere Reisende aus Richtung Burg entgegen. Oft sind es junge Paare oder ermattete Eltern mit vom Schokoriegel-Proviant aufgedrehten oder komplett erschöpften Kindern, die getragen werden wollen. Wie unter Wanderern üblich, wird bei jedem Aufeinandertreffen mit pflichtbewusster Strenge gegrüßt. „Hallo!“ – „Hallo ...“, „Morgen!“ – „Morgen ...“.

Von zwei älteren Herren kommt sogar ein nachdrückliches „Moin!“, was eine Ahnung davon vermittelt, welche Strecken Besucher für die Anreise auf sich nehmen. Außerhalb von Pandemiezeiten bewandern insbesondere Luxemburger, Niederländer und Belgier den „Traumpfad“.

Ein paar Meter über eine von Efeu überrankte Klinker-Brücke müssen noch gegangen werden, danach führt der Pfad an der Talwand hinauf. Der Atem wird schwerer. Wer jetzt noch grüßt, bekommt maximal ein Hecheln als Antwort. Von der Burg ist weiterhin nichts zu sehen. Der Matsch an den Stiefeln ist zu einer braunen Kruste getrocknet. Plötzlich bricht der Wald auf und man steht vor der mittelalterlichen Festung.

Von April bis Anfang November starten hier alle paar Minuten Führungen durch die alten Gemäuer. Dazwischen macht Burg Eltz Winterpause. Eine junge Frau mit blonden Haaren leitet die Besichtigung. Von ihr erfahren die Gäste, warum der Burgfelsen so unheimlich dicht bebaut ist. Praktisch handelt es sich nämlich um drei verschiedene Festungen.

Als Folge eines Erbschaftsstreits wurde das Burggelände 1268 unter drei Brüdern aufgeteilt. Künftig baute jeder von ihnen seine eigenen Küchen, Schlafgemächer und Versammlungsräume. Der Burgfrieden blieb dennoch brüchig, das belegen Verträge, in denen etwa die Höhe der Strafe festgeschrieben ist, wenn ein Familienmitglied ein anderes umbringen sollte.

Ein sehr pelziges Nagetier

Im Speisesaal zeigt die Führerin auf einen der Wandteppiche. Abgebildet sind verschiedene ziemlich fantastisch anmutende Kreaturen. Etwa ein Wesen, das wie eine wolfsgroße Ratte aussieht: „Das soll ein Löwe sein“, erläutert sie. „Die Künstler hatten damals keine Ahnung, wie so ein Tier aussah, die waren ja nie in Afrika“. Stattdessen verließen sich die Teppichmacher auf die Beschreibungen von Bekannten von Bekannten von Bekannten, die irgendwann gehört hatten, wie so ein Löwe in der Savanne wohl aussehe. Das Resultat war dann halt ein sehr pelziges Nagetier.

Nach der Führung können Besucher die Schatzkammer erkunden. Neben Trinkpokalen aus Nautilusschalen und einer goldenen Kokosnuss, die zu einer Mischung aus Drache und Schwein ummodelliert wurde, findet sich in den Ausstellungsräumen auch das Pendant zu Instagram aus dem 19. Jahrhundert: Tassen.

Damals war die Burg ein Top-Motiv auf Porzellan. Dabei hielten sich die Künstler ähnlich genau an die Wirklichkeit, wie es so viele Influencer heute mit Handykamerafiltern und Photoshop handhaben. Der Elzbach schwillt hier gleich mal auf Rhein-Dimensionen an. Die braune Gesteinswand der Burg bekommt einen strahlend weißen Anstrich, als stamme sie aus einem frühen Disneyfilm.

Eine verwunschen zugewachsene Klinkerbrücke auf dem Weg zur Burg Eltz. Foto: Markus Lücker Vergrößern
Eine verwunschen zugewachsene Klinkerbrücke auf dem Weg zur Burg Eltz. © Markus Lücker

So lockte man schon damals Reisende zur Burg. Der französische Schriftsteller Victor Hugo schrieb nach einem Besuch in sein Tagebuch, er habe noch nie etwas derartiges gesehen. Die Eltz sei „hoch, mächtig, verblüffend, finster“. Zur Erinnerung: Hugo veröffentlichte 1831 „Der Glöckner von Notre Dame“, war also durchaus Experte, wenn es um imposante Bauten ging.

Die Wanderung auf dem „Traumpfad“ ist an der Burg längst nicht zu Ende. Der Rundgang führt noch acht Kilometer weiter, ehe er wieder im Dorf Wierschem endet. Es geht vorbei an einer Alpakafarm, an Streuobstwiesen, an einer kleinen Höhle im Berg. Während der Pfad langsam aus dem Tal herausführt, blickt man zurück. Die Burg Eltz ist längst wieder hinter Bäumen und Felsen verschwunden. Als wäre sie nie dagewesen.

Reisetipps für die Burg Eltz

Hinkommen: Ein Bahnticket von Berlin in den nahen Ort Moselkern kostet ab 30 Euro. Nach einer halben Stunde zu Fuß ist man auf dem „Traumpfad“ zur Burg.

Unterkommen: Das Doppelzimmer in der Rathausschenke in Münstermaifeld kostet ab 45 Euro pro Nacht (cafe-rathausschenke.business.site).

Rumkommen: Auch zur Burg Pyrmont führt ein „Traumpfad“. Hier gibt es sogar einen Wasserfall. Diese Reise wurde unterstützt von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH.

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