Stoppt der E-Roller abrupt, folgt der Fahrer den Gesetzen der Physik. Die führen über den Lenker. Foto: dpa
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Die Sparkolumne Ein paar Gedanken zum Nahverkehr

Unser Autor sucht Carsharing am Stadtrand und träumt von einer Monatskarten-App.

In der Frage der Fortbewegung sehe ich großes Einsparpotenzial. Ich weiß nur noch nicht genau wie. Die Masse des Angebots droht mich zu überfordern. Was soll ich tun? Soll ich künftig rollern? Ein Auto sharen? Oder meine Monatskarte behalten? Nur eines ist klar, unser Auto hat seine Zukunft hinter sich. Erstens droht die Altersgrenze des Vehikels, zweitens macht Autofahren in der Stadt keinen Spaß, drittens ist es die teuerste aller Lösungen.

Dem elektrischen Tretroller steh ich ein wenig skeptisch gegenüber, seit ich beim ersten Scooter-Revival, da noch mit so einem mechanischen Klappdings, versucht habe vorne mit dabei zu sein. Aufgrund meiner Expertise als Fahrradfahrer wähnte ich mich auf der sicheren Seite. Leider haben so kleine Räder ihre Tücken. In meinem Fall passte das Rad in eine Aussparung im Asphalt. Beim abrupten Stopp folgte ich den Gesetzen der Physik. Die führten direkt über den Lenker hinweg. Danke der Nachfrage, ich überstand es weitgehend unverletzt, nur meine zweitliebste Hose blieb auf der Strecke.

Carsharing fand ich interessant. Dann zog sich Car-to-go nach einer kurzen Phase der Großzügigkeit aus unserer Straße zurück, in die sich Drive Now nie hinein traute. Seitdem enden deren Zonen ungefähr anderthalb Kilometer von unserer Haustür entfernt. Eine Distanz, die man vielleicht nach einiger Übung mit dem Roller überbrücken könnte, aber die gibt es bei uns auch nicht. Deshalb bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass Carsharing völliger Unsinn ist, solange es auf die Innenstadt beschränkt bleibt.

In der Innenstadt braucht man kein Carsharing

Dort braucht man gar kein Auto. Der Öffentliche Personennahverkehr ist gut genug. Carsharing bringt also keine Entlastung, sondern mehrt den Individualverkehr in einer eher überlasteten Zone. Ich verstehe natürlich, dass es für die Anbieter von geringem marktwirtschaftlichen Interesse ist, ihre Flotten am Stadtrand abstellen zu lassen. Aber vielleicht ist Marktwirtschaft nicht das richtige Werkzeug, wenn es darum geht, den Individualverkehr in Städten zu steuern.

Bleibt die gute alte Monatskarte. Als Sparfuchs besitze ich natürlich die Jahreskarte in der übertragbaren Version. Was, wie ich nach einer statistischen Auswertung meines Fahrverhaltens festgestellt habe, auch ziemlich ungünstig ist. Ist das Wetter passabel, nehme ich nämlich das Fahrrad. 14 Kilometer Wegstrecke sind zwar nicht ohne, aber auf diese Weise spare ich mir noch gleich die Ausgabe für ein Fitnessstudio. Blöderweise liegt die Monatskarte deshalb ziemlich oft nutzlos in der Schublade. Wahrscheinlich eine Folge des Klimawandels mit seiner anhaltend trockenen Witterung.

Wie man die Monatskarte verleihen könnte

Natürlich hat mich in dieser Situation die Nachricht elektrisiert, dass der Regierende Bürgermeister sich für eine preiswertere Umweltkarte einsetzt. 365 Euro, das könnte meinem gegenwärtigen Nutzungsverhalten entsprechen. Aber wahrscheinlich kommt die Karte nicht.

Alternative wäre eine von mir gerade erdachte Saisonkarte, befristet auf die kalten Monate. Gibt es leider auch nicht. Ich könnte natürlich meine Monatskarte verleihen, wenn ich sie nicht benötige. Ich denke da an eine App, die die Nachfrage steuert. In einem zweiten Schritt würden nach dem Vorbild der Packstationen in der Stadt Kästen aufgehängt, denen ungenutzte Umweltkarten entnommen werden können. Die hängen neben all den Tretrollern, Leihrädern und Carsharing-Autos und würden kaum auffallen. Natürlich dürften nur Freunde zugreifen. In den Beförderungsbedingungen steht nämlich „übertragbar an Freunde und Verwandte“.

Der Begriff Freunde ist ja dehnbar, wenn ich allein an meine Facebook-Freunde denke. Die kenne ich gar nicht alle. Ist wahrscheinlich trotzdem illegal.

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