Die traurige Tennisspielerin

Martina Navratilova stand lange auf Nummer Eins der Weltrangliste. Foto: picture alliance / Yui Mok/PA Wi
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MARTINA NAVRATILOVA

In Großbritannien haben wir eine Radiosendung, „Desert Island Discs“, in der Prominente die Musik auswählen, die sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden, und nebenbei erzählen, was ihnen diese Lieder bedeuteten. Vor ein paar Jahren war Martina Navratilova Gast, und ich schluchzte die ganze Sendung über. Sie erzählte, wie sie das erste Mal im Finale von Wimbledon stand, in den frühen 70er Jahren, und niemand aus ihrer Familie als Beistand in der Loge sitzen konnte, weil man sie nicht aus der Tschechoslowakei ausreisen ließ. Und dann die bösen Meldungen über ihre Homosexualität. Im Rückblick mag das prähistorisch anmuten, doch in den 80er Jahren konnten Sportlerinnen ihre Sponsorenverträge verlieren, wenn sie öffentlich lesbisch lebten. Sie war deshalb eine der ersten Frauen im Tennis, die nichts nach außen ließen. Um sich herum errichtete sie einen Panzer, dessen Ecken messerscharf wie Rasierklingen wirkten. Je älter sie wurde, umso mehr sah man, dass sie ins Sportstudio ging. Ich respektierte sie dafür, denn sie wusste, um ihre Fitness zu erhalten, musste sie härter an ihrem Körper arbeiten als die jüngeren Spielerinnen. Sie war eine taffe Frau, lächelte nie auf dem Platz, deshalb freute es mich, als sie im Radio viel wärmer rüberkam.

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