„Wir befinden uns in keinem erhitzten Markt“

Teures Gut. Makler erfinden Preise, lautet ein Vorwurf. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Deutschlands bekanntester Immobilienmakler „In Berlin habe ich mich total verschätzt“

Die teuerste Wohnung der Welt soll in Monaco verkauft werden. Ein Penthouse, 3000 Quadratmeter, mit Wasserrutsche, für 300 Millionen Euro.

Ich habe von einer Wohnung in Hongkong gehört, die für 400 Millionen US-Dollar angeboten wird. Da entwickeln sich abenteuerliche Preisblüten.

Wer braucht so was?

Keine Ahnung.

Sie vergleichen diese Käufer mit Kunstsammlern. Da geht es doch um völlig unterschiedliche Werte.

Es gibt eine Ähnlichkeit. Sowohl bei Top-Immobilien als auch bei Kunstwerken stehen die Herstellungskosten in keiner Relation zum Verkaufspreis. Man behandelt manche Immobilie wie ein Gesamtkunstwerk. Das Chalet in Gstaad kostet einen Preis X, da wird sich kein Käufer hinsetzen und den Quadratmeterpreis runterrechnen.

Bei Architektenhäusern lassen Sie Vorsicht walten. Schwer zu verkaufen, sagen Sie.

Es gibt eine Diskrepanz zwischen demjenigen, der ein Haus wie ein Kunstwerk verehrt, und demjenigen, der sich darin wohlfühlen soll. Nehmen Sie die Architektur von Richard Meier in unserem Head-Office.

Der amerikanische Architekt hat Bauten wie das Getty Center in Los Angeles entworfen.

Er lässt nur bedingt die eigene Entfaltung zu. Man muss sich klar sein, in großen Räumen zu leben, mit viel Glas und breiten Korridoren. Die Räume gehen ineinander über, sind asymmetrisch, sorgen für Unruhe. Diese Trophäenimmobilien haben ihren Markt. Wenn es darum geht, darin zu leben, bedarf das einer speziellen Mentalität. Möglicherweise sind das Menschen, die eine Wohnung zuerst als Investment betrachten.

Reiche kaufen Apartments, wohnen dort zwei Wochen im Jahr, ansonsten stehen die Häuser leer. Was tun Sie, um solches Geldparken zu verhindern?

Ich bin dagegen, weil es kurz gesprungen ist. Das führt dazu, dass ganze Häuserzeilen nicht mehr spannend sind, und das wirkt sich negativ auf das Preisgefüge aus, wenn eine Gegend nicht mehr attraktiv ist. Ich weiß nicht, ob ich sagen würde, die Käufer parken Geld. Sie haben investiert, jedoch zu wenig Zeit, um die Immobilie zu nutzen.

Jetzt reden Sie sich etwas schön.

Unbenommen nützt das keinem etwas. Am Ende haben wir eine Situation wie in Dubai, wo Hochhäuser entstanden sind, in denen abends nur 30 Prozent der Lichter angehen.

Vorschlag: Vorher die Käuferabsichten einholen.

Wir können dem Verkäufer doch schlecht sagen, Käufer X bekommt das Haus nicht, obwohl er den ausgehandelten Preis akzeptieren würde.

Haben Sie keine Skrupel?

Doch, gegenüber dem Verkäufer, ihm so ein Angebot zu verschweigen.

Und dem Viertel, der Stadt gegenüber?

Das liegt in der Verantwortung des Verkäufers. Wir haben eine Sorgfaltspflicht einzuhalten, Angebote weiterzuleiten.

Einige Experten befürchten in Deutschland eine Immobilienblase. Sie glauben nicht daran. Warum?

Wir befinden uns in keinem erhitzten Markt. Die Substanz der Käufer wird nicht getrieben durch außergewöhnliche Ereignisse wie einen Notstand. Insgesamt geht es der Wirtschaft gut, die Menschen verdienen ordentlich, wir sehen eine Vielzahl von Käufern, die in der Lage sind, ihre Wohnungen aus ihrem Vermögen zu bezahlen.

Sorgen Sie sich nicht, dass sich die Krise von 2008 wiederholt?

Ob die Preise rauf und runter gehen, ist für uns nicht relevant. Die Marktgröße entscheidet, das heißt, die Anzahl der Transaktionen mal Kaufpreis. Und da sind die Abweichungen der letzten Jahre gering. Selbst im schwierigen Jahr 2008 haben wir unseren Umsatz steigern und Marktanteile gewinnen können. Weil sich die Verkäufer noch genauer überlegen, mit wem sie ihr Haus verkaufen – und da macht es eben nicht der Makler, der an der Ecke sitzt.

Haben Sie Adressen, an denen Sie solche Weltereignisse ablesen können?

London generell. Als die Russen in den 90er Jahren viel Geld verdient haben, gehörte es zum guten Ton, erstmal die teuren Häuser in London zu kaufen. Auch für die Asiaten ist die Stadt das Einfallstor in den Westen geworden. In Deutschland kommt da nicht eine Stadt heran.

Zum Glück oder leider?

Ach, ich hätte schon gern eine größere Internationalität – generell für das Leben hier. Die erratischen Immobiliensprünge, die damit einhergehen, halte ich jedoch für ungesund.

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