„Dirk wollte nie groß werden“

Engel & Völkers ist heute an mehr als 800 Standorten in 33 Ländern vertreten. Im Bild eine Filiale auf Mallorca. Foto: imago/Schöning
Deutschlands bekanntester Immobilienmakler „In Berlin habe ich mich total verschätzt“

Sie sind mit Ihrer Firma in 33 Ländern aktiv. Welche Unterschiede im Häuserkauf sehen Sie zwischen den Deutschen und dem Rest der Welt?

Mir liegt das Wort besonnen auf der Zunge, der Käufer hierzulande überlegt länger und ist verantwortungsvoller. Amerikaner leben nach dem Motto „Easy earnt, easy spent“ ...

... leicht verdient, leicht ausgegeben.

Ja, die hängen nicht so emotional an der Immobilie wie die Deutschen. Die Amerikaner sehen sie als auswechselbar, sie sind eher bereit, zu sagen: alte Bude weg, neues Haus eine Straße weiter.

Sie leben auch in Ihrem ersten Haus in Hamburg.

Vor 35 Jahren gekauft, eine Remise in Blankenese, eigentlich viel zu früh, weil ich mich gerade selbstständig gemacht hatte. Zum Glück konnte ich das Gebäude aufteilen. Ich habe eine Hälfte verkauft und davon den Kauf mitfinanziert. Zum anderen hat mir geholfen, dass ich die Baumaßnahmen zur Erhaltung steuerlich absetzen konnte. Jahre später habe ich die zweite Hälfte zurückgekauft und beide Häuser wieder zusammengelegt.

Was ist Ihnen beim Wohnen wichtig?

Ich liebe alte Häuser, weil sie über eine Energie verfügen, die Neubauten nicht haben. Eine Patina, die neue Häuser erst bekommen müssen.

Ist Ihnen die Quadratmeterzahl wichtig?

Nein, ich wohne selber auf wenig Raum.

Definieren Sie „wenig“.

Ich rede von nicht einmal 200 Quadratmetern, zwei Etagen, vier Personen, meine Frau, unsere zwei Kinder und ich.

Haben Sie mal in einer WG gewohnt?

Nach der Schule, in Hamburg. Allerdings waren wir keine Studenten. Mein Bruder hat bei einem Unternehmensberater gearbeitet, der dritte Mitbewohner war der Sohn eines Reeders, bei dem ich eine Schifffahrtskaufmannslehre gemacht habe.

Schon damals hatten Makler einen miesen Ruf.

Weil die durchschnittliche Ausbildung, die Qualität der am Markt agierenden Personen lange niedrig war. Ich nenne sie mal Küchentischmakler. Die Durchschnittsgröße eines Büros betrug drei Personen. Man konnte gar nicht über die ausreichende Menge von Daten verfügen, um zu guten Markteinschätzungen und Preisen zu gelangen.

Ihr Vater, ein Mathematiker, war ebenfalls wenig begeistert, als Sie Ihr Maklerbüro gründeten.

Nein, das passte nicht ins Hamburger Raster. In der Stadt sah die wünschenswerte Karriere von Akademikerkindern oft so aus: kaufmännische Lehre, Studium, ab ins Ausland und dann bei einer Unternehmensberatung arbeiten. Ganz unten in der Hierarchie stand der Beruf des Hausmaklers.

Warum wollten Sie es dann werden?

Es war die Gelegenheit, mit einem Freund etwas zusammen aufzubauen, mit Dirk Engel.

Er nahm sich 1988 das Leben. Sie zogen sich zwei Monate zurück und schrieben ein Handbuch zum Immobilienverkauf. War das Ihre Trauerarbeit?
Nein, war es nicht. Es war klar, dass der Tod irgendwann eintreten würde.

Engel litt an Depressionen.
Der Vater hatte sich das Leben genommen, der Großvater auch, zwei Jahre rechneten wir unbewusst damit, dass es bei Dirk passieren würde.

In welchen Situationen vermissen Sie ihn?

Ich vermisse ihn als Freund, allerdings nicht als Geschäftspartner. Wir hatten schon damals eine andere Unternehmensauffassung. Er wollte nie groß werden, ihm gefiel diese Kleinheit im Vorort. Deshalb haben wir bis zu seinem Tod nie ein zweites Büro aufgemacht.

Das Handbuch liegt in Ihrem Büro. Welchen Schritt muss der Makler beim Verkauf unbedingt einhalten?

Zuerst die Nachbarschaft abklopfen. Bei teuren Immobilien kauft häufig der Nachbar oder kennt jemanden im Freundeskreis, der sich interessiert.

Bloß nicht mit Sportwagen protzen, schreiben Sie.
Das passt nicht zum Bild, wenn der Makler mit einem Auto vorfährt, das teurer als das des Kunden ist. Er soll lieber Bescheidenheit zeigen.

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