Mausgrau, aber revolutionär: Nur 2,41 Meter klein, aber im Stadtverkehr ganz groß. Foto: Citroen
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Citroen Ami Die hässlich-mausgraue Revolution

Ein Auto, das kein Auto ist: Der Citroen Ami ist ein E-Stadtflitzer, der alles auf den Kopf stellt und mit 6000 Euro unschlagbar billig ist

Der Porsche, der im morgendlichen Berufsverkehr als Lückenspringer auf ziemlich riskante Weise vorbeizieht, schaut dabei mit ziemlich verächtlichem Blick rüber auf den Citroen Ami. Nutzen tun ihm seine mehreren hundert PS trotzdem nicht. An der Ampel steht er direkt vor mir – auch wenn der Ami nur 8 PS hat. Und auf der verstopften Kreuzung hat der mit 5,12 Meter mehr als doppelt so lange BMW 750 das Nachsehen, während der nur 1,39  Meter breite Ami sich mühelos durchschlängelt.

 

Wo ist vorne?, wo ist hinten? - egal. Der Ami findet seinen Weg. Foto: Citroen Vergrößern
Wo ist vorne?, wo ist hinten? - egal. Der Ami findet seinen Weg. © Citroen

Höchstgeschwindigkeit 45 km/h 

Na bitte, geht doch mit der Verkehrswende: Kleines Auto, wenig Platzverbrauch, vollelektrisch – und dazu billig wie  kein anderes Modell. Hört sich Super an, doch ganz so einfach wird dem geneigten Käufer die Entscheidung dann doch nicht gemacht. Das fängt schon mit dem Karosserie an.  Liebe auf den ersten Blick kommt jedenfalls nicht auf und von einem eleganten Franzosen zu sprechen, kommt niemand in den Sinn. Ein hochkant stehender Schuhkarton, bei dem man auf dem ersten Blick nicht weiß, was vorne oder hinten ist. Dazu ein klarer Fall von Hartplastikschale – der Trabi lässt grüßen. In der Tat ist der Ami – Höchstgeschwindigkeit 45 km/h - von der deutschen Zulassungsbehörde als „leichtes Vierradmodell“ eingestuft. Was zumindest den Vorteil hat, dass den Ami auch schon 16-Jährige mit dem Mopedführerschein AM fahren dürfen.

 

 

Hinten ist, wo die Leuchten rot sind. Foto: Citroen Vergrößern
Hinten ist, wo die Leuchten rot sind. © Citroen

Vieles erinnert an die „Ente“ 

Von außen gewöhnungsbedürftig, und innen kommen uralte Erinnerungen wieder hoch. Wie die legendäre „Ente“ 2CV hat der Ami einen Stahlrohrrahmen und wie diese wird einfach der untere Teil der Seitenscheiben hochgeklappt, wenn man frische Luft haben will. Wie die Ente ist auch der Ami ein Leichtgwicht und wiegt nur 470 Kilogramm – inklusive Batterie. (Besagter BMW 750 mit 2100 Kilo übrigens fünf Mal so viel). Dass der Ami nur aus 250 Teilen zusammengebaut wurde, ist einerseits beeindruckend – deutet zugleich aber einige Probleme an. Denn gespart wurde, wo es nur geht. Das gilt für die Innenraum, aber auch für die Straßenlage. Es rumpelt ziemlich, um es knapp zu sagen. Kurvenlage ist nicht. Benötigt wird ein komplexes Federungskonzept bei Höchsttempo 45 aber nicht wirklich.

 

Oben der freie Himmel - darunter Hartplastik. Und Frischluft liefern die Klappfenster. Foto: Citroen Vergrößern
Oben der freie Himmel - darunter Hartplastik. Und Frischluft liefern die Klappfenster. © Citroen

Auf ganz neuen Wegen 

Und darauf kommt es Citroen an: Mit dem revolutionären Konzept eines konsequenten Stadtwagens ganz neue Wege zu gehen. Die 45 km/h reichen jedenfalls im Berliner Stadtverkehr allemal, zumal das dem Elektroantrieb-typische starke Drehmoment selbst bei dem 6-KW-Motörchen für ausreichend flotten Anzug an der Ampel sorgt. Knapp sieben Meter Wendekreis machen das Wägelchen enorm wendig. Und die Parkplatzsuche wird zum Kinderspiel. Die 70 Kilometer Reichweite sind zwar wenig, aber für die Stadt voll ausreichend. Für Überlandtouren ist der Ami sowieso nicht gemacht. Auf der Tastenleiste links vom Fahrersitz werden die Fahrstufen vorwärts, rückwärts und parken eingestellt; einen Lichtschalter gibt es nicht: die Scheinwerfer sind im Fahrbetrieb immer eingeschaltet.

Zumindest der Fahrersitz ist in Längsrichtung verstellbar, der Beifahrer sitzt nach hinten versetzt. Foto: Citroen Vergrößern
Zumindest der Fahrersitz ist in Längsrichtung verstellbar, der Beifahrer sitzt nach hinten versetzt. © Citroen

 

Gegenläufige Türen 

Ein gewöhnungsbedürftiges Grau-Blau ist als Grundfarbe der Plastik-Box gesetzt. Es gibt aber farbliche Individualisierungspakete für Karosserie, Kotflügel und Räder in den Farben Grau, Blau, Orange oder Khaki.

Im Innenraum ist das serienmäßige Panoramadach ein echtes Highlight. Das war es dann aber auch schon. Hartplastik allerorten. Und die Tür wird von innen durch den Zug an einem Textilschlaufe geöffnet. Kurios auch, dass die Türen gegenläufig angebracht sind: Die Fahrertür öffnet nach hinten, die Beifahrertür nach vorne. Der Fahrersitz kann immerhin in der Längsrichtung verstellt werden. Doch Rückenlehne verstellen, ist nicht – und das harte Schaumstoffkissen lässt nach einstündiger Fahrt den Po schmerzen. Der Beifahrersitz ist zurückgesetzt und fest fixiert, was viel Beinfreiheit auch für große Menschen bedeutet – aber allen Passagieren das Gefühl gibt, sie säßen auf der Rückbank. Wer Musik, Navigation und sonstige Medien möchte, muss das eigene Smartphone nutzen. Dafür gibt es neben dem Lenkrad einen entsprechenden Adapter. Auch einen Kofferraum hat der Ami nicht, doch können Taschen vor dem Beifahrer oder ein Trolley hinter dem Sitzen verstaut werden.

Bei allem sparsam, auch bei den Extras wie dem orange-farbenen Haken. Foto: Citroen Vergrößern
Bei allem sparsam, auch bei den Extras wie dem orange-farbenen Haken. © Citroen

 

In Frankreich für 19,99 Euro im Monat leasen 

Aber was soll`s. Dafür kostet der Ami in Frankreich auch nach Abzug der 900 Euro Förderung auch nur 6000 Euro. In Deutschland gibt es keine Förderung für den E-Flitzer. In Frankreich, wo der Ami auch über die Kulturhandelskette Fnac vertrieben wird, kann man den Ami auch für 19,99 Euro im Monat leasen. Ähnliches ist für Deutschland geplant. Aufgeladen wird der Ami übrigens an einer normalen Haushaltssteckdose in drei Stunden. Bald, so heißt es von Citroen, wird es einen Adapter für die Ladesäulen am Straßenrand geben. Dann muss man die Verlängerungsschnur nicht mehr aus den dritten Stock hängen.

Der Vertrieb in Deutschland erfolgt ausschließlich online. Die Kunden können den Ami, der ab Anfang 2021 ausgeliefert wird, im Internet konfigurieren und kaufen. Für die Wartung aber gibt es zertifizierte Reparaturwerkstätten und Citroën-Partner.

 

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