Großbrand im Schweinezuchtbetrieb in Alt Tellin (Vorpommern-Greifswald): Über 62.000 Tiere starben. Foto: dpa / Stefan Sauer
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Brand in Großzuchtanlage nahe Greifswald Mehr als 57.000 Schweine sterben in den Flammen

Bei einem Brand in einer der größten Schweinezuchtanlagen Deutschlands wurden am Dienstagmorgen in Alt Tellin alle achtzehn Ställe zerstört.

Einen Tag nach dem Großbrand in einer riesigen Schweinezuchtanlage in Alt Tellin (Vorpommern-Greifswald) ist die Brandursache noch unklar. Wie ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen sagte, ist die fast völlig zerstörte Anlage vorerst für Ermittlungen beschlagnahmt und gesperrt worden. Ein Brandgutachter soll das Gelände untersuchen. 

Es handelt sich um eine der größten Ferkelaufzuchtanlagen in Deutschland, betrieben von der Landwirtschaftlichen Ferkelzucht Deutschland Holding (LFD), in der laut Schweriner Agrarministerium rund 50.000 Ferkel und 9.000 Sauen standen. Gerettet wurden nach Angaben des Landkreises nur 1.500 Tiere.

„Katastrophe für tausende Tiere“

Der Deutsche Tierschutzbund zeigte sich am Dienstag entsetzt über die Lage vor Ort. „Die Rauchwolken stehen bis zum Himmel, die Flammen greifen von einem Stall auf den anderen über, die Feuerwehr ist machtlos. Wir erleben hier eine Katastrophe für tausende Tiere, die qualvoll ersticken oder bei lebendigem Leib verbrennen“, berichtete Kerstin Lenz, Vorsitzende des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern des Deutschen Tierschutzbundes. 

Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder sagte zudem, dass bekannt gewesen sei, „dass bereits seit Jahren große Bedenken bezüglich des Brandschutzes in der Anlage Alt Tellin bestanden“. Grundsätzlich würde trotz bauordnungsrechtlicher Anforderungen noch nicht genug dafür getan, dass solche Tragödien auf den Anlagen verhindert würden. Zu große Tierzahlen und die Fixierung von Sauen würden eine Rettung zusätzlich erschweren.

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Stallanlage in Alt Tellin fast komplett zerstört

Das Feuer war am Dienstagmorgen ausgebrochen und hatte fast die komplette Stallanlage zerstört. Über die Lüftungsschächte griffen die Flammen nach und nach auf fast alle der etwa achtzehn Ställe über. „Das war eine hochkomplexe Lage“, sagte der Sprecher des Landkreises, Achim Froitzheim. Letztlich habe man die Ställe „kontrolliert abbrennen lassen müssen“. 

Laut Bürgermeister Frank Karstädt (parteilos) handele es sich „mit Sicherheit um einen Millionenschaden“. Zum Glück sei nur ein Mensch dabei leicht verletzt worden. 

Am Mittwochmorgen löschten Feuerwehrleute noch Glutnester und hielten Brandwache. Etwa 75 Kameraden hatten am Dienstag noch verhindern können, dass das Feuer auf eine Biogasanlage und Futtersilos übergriff.

Nur ca. 1.500 Schweine konnten gerettet werden. Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V. Landesverband Mecklenburg-Vorpommern Vergrößern
Nur ca. 1.500 Schweine konnten gerettet werden. © Deutscher Tierschutzbund e.V. Landesverband Mecklenburg-Vorpommern

Forderung nach Umdenken bei Planung solcher Mastanlagen

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete den Brand in der Schweinezuchtanlage als „Tragödie“. Ein Umdenken bei der Planung solcher Mastanlagen, hin zu kleineren und besser beherrschbaren Einrichtungen forderten Linke sowie Umwelt- und Tierschutzverbände. 

Der Tierschutzverein PROVIEH ermahnte am Mittwochmorgen mit einem dringenden Handlungsbedarf beim Thema Brandschutz, aber auch grundsätzlich: Solche Großanlagen müssten zukünftig vom Gesetzgeber verhindert werden. Im Falle eines Brandes sei die Rettung aller Schweine bei Haltungsanlagen dieser Größenordnung nicht mehr möglich. Je größer die Anlage, desto schwieriger sei das Problem des Brandschutzes zu lösen. 

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„In diesem Fall war aufgrund der Fixierung der Muttersauen in Kastenständen und sogenannten ‚Ferkelschutzkörben‘ sowohl eine Rettung als auch eine Flucht der Sauen und Ferkel so gut wie unmöglich. Zudem laufen Schweine in Panik überall hin, nur nicht unbedingt gezielt ins Freie - selbst wenn Türen geöffnet werden und sie nicht fixiert wären”, sagt Nicole Langebeck, PROVIEH-Fachreferentin für Schweine. Es müsse dringend ein Umdenken in der Politik geben, damit Tragödien wie diese der Vergangenheit angehören.

Die betroffene Sauen- und Ferkelzuchtanlage war seit ihrer Planung umstritten. Die Investitionssumme war damals mit rund zwanzig Millionen Euro angegeben worden. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, dass es noch keine genaue Übersicht gibt, wie viele Tiere gerettet werden konnten. Man werde den Vorfall aber „transparent begleiten.“ 

Die LFD war 2015 aus dem niederländischen Familienunternehmen des Züchters Adrian Straathof hervorgegangen, gegen den ein Landkreis in Sachsen-Anhalt wegen Tierschutz-Verstößen ein Tierhaltungsverbot verhängt hatte. Gegen die Unternehmen der damaligen Straathof-Gruppe hatte es in mehreren Bundesländern Proteste gegeben. 

Zur LFD gehören nach eigenen Angaben elf Anlagen mit 400 Mitarbeitern und rund 55.000 Sauen in Ställen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Bayern. (mit dpa)

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