Blackrock - der größte Gewinner der Finanzkrise

Die Eingangslobby der Europazentrale von Blackrock. Das Imperium verteilt sich weltweit auf mehr als 1000 Tochtergesellschaften. Foto: Crina Boros
Blackrock Ein Geldkonzern auf dem Weg zur globalen Vorherrschaft

Dafür setzte Fink vor allem auf den Kauf von Wettbewerbern. Gleichwohl hatte die Firma auch nach 14 Jahren gerade mal ein Sechstel der heutigen Größe erreicht. Jenseits der Finanzbranche war sie weitgehend unbekannt. Erst mit der Krise im Frühjahr 2008 änderte sich das radikal.

Die Mächtigen der Finanzwelt saßen auf Bergen unverkäuflicher Wertpapiere im Nennwert von vielen hundert Milliarden Dollar und wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten. Für Fink und seine Partner die Chance ihres Lebens. Sie hatten ein computergestütztes System für die Analyse großer Portfolios entwickelt. Damit wussten sie Rat für den Umgang mit den „toxischen“ Konstrukten der Banken. „Aladdin“ nannten sie ihr Programm, vermeintlich nur ein Akronym, aber eines mit dem Klang der Magie, nach der die gescheiterten Hasardeure der Wall Street so dringend suchten. JP Morgan, die Schweizer UBS, der Versicherungskonzern AIG, ein Geldhaus nach dem anderen heuerte die Blackrock-Berater und ihren Aladdin an, um aufzuräumen.

Am 18. März 2008 schließlich meldete sich der prominenteste aller Kunden: die US-Zentralbank Federal Reserve. Über Nacht hatte die „Fed“ die faulen Wertpapiere der insolventen Investmentbank Bear Stearns übernommen, und Timothy Geithner, damals noch Chef der Aufsicht und späterer Finanzminister, engagierte Blackrock für die Abwicklung.

Über Nacht verdoppelte sich das verwaltete Vermögen

Das öffnete dem Unternehmen eine neue Dimension. Bald darauf entwarfen Finks Experten für das Finanzministerium den Plan für den Bankenrettungsfonds TARP, verwalteten die faulen Papiere von Citibank und AIG und prüften die Billionen-Portfolios der staatseigenen Hypothekenversicherer Fannie Mae und Freddy Mac. Blackrock wurde de facto die operative Abteilung der Regierung für das Krisenmanagement.

Ein Jahr später folgte der entscheidende Coup. Die britische Großbank Barclays war angeschlagen und musste ihr Fondsgeschäft verkaufen. Fink schlug zu, und Blackrock übernahm im Juni 2009 die erfolgreiche Barclays Investment Group (BIG) – ein sagenhafter Deal. Über Nacht verdoppelte sich das verwaltete Vermögen und mit der übernommenen Marke „iShares“ wurde Blackrock zum führenden Anbieter für das wichtigste Finanzprodukt der Zukunft: börsengehandelte Indexfonds, kurz ETFs genannt.

Die Idee dahinter ist einfach. Anders als bei klassischen Investmentfonds gibt es keine teuren Experten, die aktiv einzelne Wertpapiere für ihren Kunden kaufen. Stattdessen erwerben die Anleger mit ihren Fondsanteilen indirekt gleich alle Aktien, die in einem Index wie dem deutschen Dax 30 oder dem amerikanischen S&P 500 und vielen weiteren gelistet sind. Der Wert dieser Fondsanteile folgt stets dem Wert des gesamten Index. Wann immer ein Anleger Anteile kauft, zeichnet der Fondsverwalter für die gleiche Summe die zu Grunde liegenden Wertpapiere. Steigt der Dax, steigt so auch der zugehörige Fondswert; fällt er, dann verlieren auch die Anleger.

Das ist für jedermann leicht verständlich, und es ist billig, alle Prozesse laufen automatisiert. Wer seine Anteile wieder verkaufen will, kann auch das elektronisch über die Börse bequem am eigenen Rechner erledigen. Die Anleger müssen daher für diese „passive“ Kapitalanlage, wie es im Finanzjargon heißt, zumeist nur 0,2 Prozent der Anlage als Gebühren abführen. Das Konzept ist schon alt, richtig populär wurde es aber erst nach dem Crash, als vom Kleinanleger bis zum Versicherungskonzern die ganze Welt nach einfachen Geldanlagen suchte. Längst bieten alle großen Finanzhäuser entsprechende Fonds, aber keines ist dabei so erfolgreich wie Blackrock. Allein in den iShare-Fonds sind schon 1,8 Billionen Dollar angelegt. Millionen von Sparern sind damit Kunden bei Blackrock, ohne es zu wissen. Gleichzeitig verwaltet der größte aller Geldriesen auch für Hunderte Stiftungen und Pensionsfonds weitere 2,3 Billionen Dollar nach dem Index-Prinzip. Und der Trend ist ungebrochen. Im vergangen Jahr flossen Blackrock weitere 300 Milliarden Dollar zu.

Eine noch nie dagewesene Macht

Blackrock-Vizechefin Barbara Novick, Finks Geschäftspartnerin der ersten Stunde, beschreibt diesen Erfolg als „Demokratisierung“ der Aktienanlage, weil ein jeder auch mit kleinen Summen einsteigen könne. Doch dieser Prozess verändert zugleich fundamental die Struktur der westlichen Marktwirtschaften. Je größer das Volumen des „passiv“ verwalteten Kapitals wird, um so mehr konzentriert sich der Aktienbesitz bei einigen wenigen Fondsverwaltern. Neben Blackrock operieren auch die US-Finanzfirmen Vanguard und State Street schon im Billionen-Dollar-Bereich. Die großen Drei, wie sie in der Branche genannt werden, halten ihre Aktienvermögen zwar nur im Auftrag ihrer Kunden. Aber das damit verbundene Stimmrecht als Aktionär erzeugt eine noch nie dagewesene potenzielle Macht.

Nach Berechnung des Forschungsteams Corpnet von der Universität Amsterdam stellen die „Big Three“ bereits bei 88 Prozent der 500 führenden US-Konzerne den größten Aktionär. Faktisch seien sie nun deren „permanentes Leitungsgremium“, konstatieren die Corpnet-Forscher. Das gleiche Muster ergibt sich in Europa. Allein bei den 30 Dax-Konzernen, so zeigt die Datenbank „Thomson One“ des Informationsdienstes Thomson Reuters, hält Blackrock Aktien im Wert von mehr als 90 Milliarden Euro oder rund acht Prozent des Gesamtkapitals und stellt einen der größten drei Aktionäre. In den anderen großen EU-Staaten ist es ähnlich (siehe Karte).

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