Zum Knuddeln. Kamerunschafe sind nicht nur bei den Zoobesuchern beliebt. Auch Hobbyhirten halten sie gern. Foto: imago/Olaf Wagner
© imago/Olaf Wagner

Berliner Schnauzen: Kamerunschaf Von Natur aus unkompliziert

Matthias Kirsch

Ruhe und Gemütlichkeit machen das Kamerunschaf zu etwas Besonderem. Und kommen ihm auch außerhalb des Streichelzoos zugute.

Man würde meinen, es wäre ein schlechtes Zeichen, wenn der Zoo-Kurator nichts über die Herkunft eines Tieres weiß. Man würde meinen, der Zoo-Kurator sollte diesen Job vielleicht nicht machen.

André Schüle weiß nichts über die Herkunft des Kamerunschafs. Zu seinem Glück weiß das aber niemand: Keiner hat eine genaue Erklärung dafür, wie die Vorfahren des Schafs aus Westafrika nach Europa gelangt sind.

Eine der wenigen Gewissheiten, die Forscher, Kuratoren und Besucher des Streichelzoos haben, ist: Das Kamerunschaf ist da. Und mampft vor sich hin, gemütlich, unaufgeregt. Auch aus den Händen der ganz kleinen Gäste.

Diese Ruhe, diese Gemütlichkeit machen das Kamerunschaf im Streichelzoo zu etwas Besonderem. Seine Nachbarn sind entweder extrem nervös – die Afrikanische Zwergziege hüpft wie ein Flitzer beim Fußballspiel durchs Gehege, Haken links, Haken rechts, bloß dem Ordner entkommen – oder blöken extrem laut, wie das Coburgschaf.

Das Kamerunschaf ist das genaue Gegenteil. Robust, anspruchslos, ein bisschen Heu und ein Platz zum Unterstehen reichen ihm völlig. Deswegen halten es auch Hobbyhirten gerne. Das Kamerunschaf – von Natur aus unkompliziert; so würde es in der Werbung stehen. Vermutlich ist das auch der Grund für seine mysteriöse Wanderung nach Europa.

Eine wandelnde Fleischtheke

André Schüle und seine Fachkollegen haben eine Theorie. Niemand kann sie beweisen, aber sie gilt als einzige Möglichkeit. Das Schaf könnte als wandelnde Fleischtheke von Handelsschiffen mitgenommen worden sein.

Denn das Kamerunschaf ist eine Fleischrasse. Lebt es nicht gerade in einem Streichelzoo, landet es in der Regel auf dem Teller. Es sei denn, es hält sich zurück, fällt nicht auf, macht sich unsichtbar, unhörbar.

Wenn sich dann die Atlantikwellen auftürmen, das Schiff ein paar Seemeilen vor der portugiesischen Küste den Anker wirft und der Smutje erstmal den Grill anzündet, kommen diese ruhigen Charaktermerkmale dem Kamerunschaf sicherlich zugute. Während die nervöse, hüpfende, ständig-und-nie-aufhörend-meckernde Afrikanische Zwergziege am Stock brutzelt, schleicht sich das Kamerunschaf im ersten Hafen von Bord.

Sidecut, Undercut, Kameruncut

Klingt zumindest nach einer guten Geschichte. Und nach einer guten Leistung für ein Tier, das sich nicht wie viele seiner entfernten Artgenossen auf die Wolle als Lebensversicherung verlassen kann. Ein warmer Wollpelz würde in Westafrika zu überhaupt nichts führen, außer vielleicht zu Schwitzanfällen, deswegen trägt das Kamerunschaf seine braunen Haare raspelkurz.

Die sind ja auch wieder in Mode, Sidecut, Undercut, Kameruncut. Nach dem Sommer muss die Frisur dann richtig sitzen – der Oktober ist Zuchtmonat. „Das Kamerunschaf kann zweimal im Jahr Jungtiere bekommen, aber wir lassen die Böcke nur einmal im Jahr ins Gehege“, sagt Kurator Schüle, „im Bocktober.“

Das muss reichen. Denn trotz aller Gemütlichkeit: Ab einer gewissen Herdengröße macht auch das Kamerunschaf ganz schön Lärm.

Kamerunschaf im Zoo

Lebenserwartung:  18-20 Jahre

Lieblingsessen: Streichelzoo-Spezialfutter, kleine Portion: 10 Cent, große: 20 Cent

Interessante Nachbarn: Afrikanische Zwergziege, Coburg-Schaf

Zur Startseite