Die Scheren des Krebses helfen beim Fressen und Angreifen. Foto: imago/imagebroker
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Berliner Schnauzen Einsiedlerkrebse sind nicht einsam

Emilia Golderer

Sie sind streitlustig und schwer bewaffnet. Trotzdem sind Einsiedlerkrebse eigentlich gesellige Tiere. Viele haben helfende Mitbewohner.

Einsiedlerkrebse sind die Hausbesetzer unter den Schalentieren. Während ihre menschlichen Pendants womöglich aus Protest oder wegen zu hoher Mieten ungefragt in leer stehende Bauten einziehen, geht es den Krebsen vor allem um Sicherheit. Sie suchen sich Rückzugsmöglichkeiten wie Muscheln oder Schneckenhäuser. Anders als auf dem Wohnungsmarkt gibt es im Meer genügend Leerstand.

Da die Einsiedler ein sehr weiches, verletzliches Hinterteil besitzen, brauchen sie zum Schutz vor Angreifern eine passende Unterkunft, in die sie sich zurückziehen können. Mit dem hinteren seiner fünf Beinpaare hält der Krebs seine Behausung fest.

Wenn mehrere Menschen auf engem Raum zusammenleben, kommt es schnell zu Streitereien. Bei den Einsiedlerkrebsen im Aquarium des Berliner Zoos ist das nicht anders. Dort liefern sich gerade zwei der drei Krebse einen Kampf um das größte Stück Fisch.

Geschickt halten sie mit ihren Beinen das Futter fest und schieben winzige Fäden der Beute in ihre rundlichen, fast nicht erkennbaren Mäuler. Gleichzeitig piksen sie mit den vorderen Scheren auf den jeweils anderen ein.

So ein Duell kann im schlimmsten Fall zum Tod führen, erzählt Reviertierpfleger Shahin Tavangari. Schnell öffnet er das Glasfenster und trennt die beiden Kontrahenten voneinander. Der Attackierte zieht sich in seine Muschel zurück, sodass nur noch das vorderste Beinpaar herausguckt. Die scharfen Scheren schützen ihn vor Angreifern.

Ganz schön wählerisch

Ganz ungefährlich sind die Tiere also nicht. Sie sind Jäger, doch durch ihr langsames Tempo nicht gerade erfolgreich. Sie beschränken sich auf Aas oder kleine Muscheln, die sie auf dem Meeresgrund finden – in freier Natur leben sie vornehmlich in Küstenregionen der Karibik.

Wenn Einsiedlerkrebse wachsen, müssen sie sich nach einer größeren Unterkunft umschauen. Doch die Wohnungssuche ist – Menschen kennen das – eine Herausforderung. Nicht jedes Haus kommt infrage. Zum Beispiel gibt es rechtsdrehende Krebse, deren Hinterleib so gekrümmt ist, dass sie nur in Muscheln einziehen können, deren Windungen nach rechts gehen. Bei den linksdrehenden Artgenossen ist es umgekehrt.

Seeanemonen sind nützliche Mitbewohner

Um sich das Leben ein wenig einfacher zu machen, suchen sich die Einsiedler gern Mitbewohner, die dann auf ihrem Muschelhaus residieren dürfen. Seeanemonen sind beliebt, da sie mit ihren Tentakeln lähmendes Gift auf anrückende Feinde sprühen, etwa auf Tintenfische. Im Gegenzug bringen die Krebse die Anemonen in nährstoffreiche Gewässer.

Ein bisschen soziale Interaktion schadet also nicht. Aber bitte nur minimal – wenn möglich, halten die Krebse es so wie die drei hier im Aquarium: Jeder bleibt in seiner Ecke, ganz entspannt. Bis zur nächsten Fütterung. Dann gilt es wieder, das größte Stück Fisch zu ergattern.

Einsiedlerkrebse im Aquarium
Lebenserwartung: Um die 10 Jahre
Futter: Aas, Plankton, Algen
Interessante Nachbarn: Krokodil, Brasilianische Riesenvogelspinne

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