Schauplatz. Auf der Plaça Sant Felip Neri wurde der Film „Das Parfum“ gedreht. Foto: Marc Soler/Alamy Stock
© Marc Soler/Alamy Stock

Barcelona Die besten Tipps von einem „Wiederholungstäter“

Meeresbrise, knarzende Beats, Shrimps mit grünen Bohnen: Unser Autor reist seit Jahren in die Hauptstadt Kataloniens und entdeckt sie immer wieder neu.

Offene Stadt

Diese Stadt öffnet sich zum Meer. Die Boulevards führen ans Wasser, im Viertel Barceloneta weht ein scharfer salziger Wind, selbst im Februar kann man bei Sonnenschein auf der Kaimauer liegen und sich ein bisschen wie im Sommer fühlen. Den besten Blick auf die Weite des Mittelmeers haben Tagesvertrödler von der Terrasse des Cafés „Buenas Migas“ (Plaça del Mar 1), wo das Arbeiterviertel auf den Strand trifft. Ich kaufe mir eine salame dulce, einen gesalzenen Kalten Hund, tunke ihn in eine Portion Naturjoghurt und setze mich auf einen Stuhl. Dort laufen sie alle vorbei: die Skater, Familien, Taschendiebe, Surferboys und Touristen. Mehr Theater geht nicht.

Versteckte Plätze

Barcelona wird von Touristen überrannt. 30 Millionen sollen es vergangenes Jahr gewesen sein. Legen die Kreuzfahrtschiffe an, schieben sich Menschenmassen an der Kathedrale vorbei. Und doch gibt es in der Altstadt ruhige Orte. Zur Plaça de Sant Felip Neri bin ich dank der Hilfe eines Freundes gelangt, denn nur zwei krumme Gassen führen auf diese „kleine Lichtung inmitten des Gassengewirrs des gotischen Viertels“, wie Carlos Ruiz Zafón den Platz in seinem Bestseller „Der Schatten des Windes“ schreibt. Unter Tipubäumen kann man auf der Caféterrasse ein Glas Tee trinken, dem Plätschern des Brunnens zuhören – und die grimmige Geschichte nachlesen, wie 1938 die Faschisten Bomben auf das widerständige Barcelona abwarfen und eine davon die barocke Kirche traf, in der sich 42 Menschen versteckt hielten, darunter viele Kinder der nebenan gelegenen Schule.

Verborgene Schichten

Gótico war einst das Zentrum der Stadt, das Viertel Born der östliche Rand mit Hafen und Kaufmannshäusern. Als Arbeiter vor 20 Jahren damit begannen, die Markthalle von Born zu renovieren, entdeckten sie Fundamente einer längst vergangenen Zeit. So gut waren die Überreste erhalten, dass die Stadt sich entschloss, aus der Halle eine überdachte Ruinenstätte zu machen. Auf erhöhten Stegen wandern Besucher nun über die alten Straßen und Kanäle von Born, lernen auf Schautafeln etwas über die Geschichte des frühen 18. Jahrhunderts, als Barcelonas Hoffnung auf einen katalanischen Staat endgültig zerstört und die Stadt dem spanischen Reich einverleibt wurde. Der Eintritt zur Haupthalle ist frei, für die angegliederten Ausstellungen und eine Führung durch das Ruinenfeld muss man ein Ticket lösen.

Auf einen Cocktail

In Barcelona feiern die Menschen genauso intensiv, wie sie über die katalanische Unabhängigkeit von Spanien diskutieren. Eine Institution ist die kleine Bar „Boadas“ (Carrer Tallers 1) in der Nähe der Rambla. In einem Raum nicht größer als ein Späti servieren livrierte Barkeeper altmodische Cocktails. Und das seit 1933. Angeblich sollen Ernest Hemingway und Joan Miró an derselben Stelle ihre Drinks genossen haben, an der ich meist einen Gin Tonic nehme. Das erste Mal stand noch die Besitzerin in feinem Abendkleid an der Kasse, trotz ihrer mehr als 80 Jahre Lebenserfahrung. Leider ist sie vor einiger Zeit verstorben. Ihre Erben haben nun die Aufgabe, die vielen Stammkunden mit einem ebenso herzlichen Service zu halten.

Am östlichen Rand des Stadtzentrums sieht es nicht mehr nach altem Barcelona, sondern nach jungem New York aus. Die Bar „Libertine“ (Gran Via de les Corts Catalanes 700), nahe dem Triumphbogen im Stadtteil Eixample, hat vor ein paar Jahren in einem schummrigen Innenhof eröffnet, vorbei am kleinsten Buchladen der Stadt, einem aufklappbaren Schaufenster im Durchgang. An der Decke drehen sich Ventilatoren, junge Menschen strecken sich auf gemütlichen Ledersofas in Überlänge, und der DJ beschallt den meterhohen Raum mit knarzenden Beats.

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