Mutter und Tochter. Schauspielerinnen Barbara Schnitzler (links) und Pauline Knof. Foto: Mike Wolff
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Barbara Schnitzler und Pauline Knof "Der Schauspielberuf an sich ist übergriffig"

Ihre Familie: eine Diva, Rampensäue und der meistgehasste Mann der DDR. Die Schauspielerinnen Barbara Schnitzler und Pauline Knof über Mütter, Töchter und #metoo.

Frau Knof, wofür bewundern Sie Ihre Mutter?

Pauline Knof: Eine ganze Karriere am Deutschen Theater hingelegt zu haben – mit zwei Kindern. Nun sind wir in keiner familienfreundlichen Branche, was die Arbeitszeiten angeht. Wir hatten kein Au-pair-Mädchen, nix. Meine Mutter hat mich und meine Schwester zur absoluten Selbstständigkeit erzogen bei maximaler Liebe.

Eine Träne, Frau Schnitzler?

Barbara Schnitzler: Das rührt mich. Warten Sie, wenn ich hier unter die Augen drücke, da sitzen die Tränendrüsen, kann ich das abklemmen.

Das lernt man am Theater?

Knof: Ne, da lässt man laufen.

Wie haben Sie das geschafft mit Ihren Töchtern, Frau Schnitzler?

Schnitzler: Es war mein innigster Wunsch, Kinder zu haben. Ich habe natürlich aus Defiziten, die ich bei meiner Mutter erfahren habe, gelernt.

Der berühmten Theaterschauspielerin Inge Keller.

Schnitzler: Meine Mutter war Vertreterin einer anderen Schauspielergeneration. Noch als alte Frau sagte sie: Familie interessiert mich nicht, ich habe mein Publikum. Es ist aber auch nicht zu unterschätzen, dass es in der DDR leichter war, Arbeit und Familie zu organisieren. In allen Berufen. Es hatte eine andere gesellschaftliche Akzeptanz.

Knof: Du hast mich als Baby in der Tragetasche ins Theater mitgenommen.

Die Künstlerfamilie. Regisseur Michael Knof, Inge Keller, ihre Enkelin Pauline Knof und Tochter Barbara Schnitzler (v.l.n.r.). Foto: picture-alliance / SCHROEWIG/Eva Vergrößern
Die Künstlerfamilie. Regisseur Michael Knof, Inge Keller, ihre Enkelin Pauline Knof und Tochter Barbara Schnitzler (v.l.n.r.). © picture-alliance / SCHROEWIG/Eva

Schnitzler: Das war das Normalste auf der Welt, dass Frauen arbeiten und Kinder haben. Ich war mit Pauline bis zu ihrem zweiten Lebensjahr allein. Der Kindergartenplatz war gesichert und kostete nichts.

Knof: Mama, du hast mich schon mit zwei Jahren ins Bett gelegt, wenn du abends ins Theater musstest, und die Heia-Oma, die wohnte eine Etage tiefer, schaute ab und an nach mir. Da ruft man heute das Jugendamt. Ich weiß, dass du nach der Vorstellung an mein Bett gekommen bist und geflüstert hast: Mama ist wieder da. Ab dem Moment bin ich richtig tief eingeschlafen. In der Kantine kannst du nicht lange gewesen sein.

Schnitzler: Ein beruflicher Nachteil für mich, dort wird viel Arbeit vergeben. In den Heiner-Müller-Runden nach der Vorstellung wäre ich gern dabei gewesen.

Sie beide stammen aus einer Theaterdynastie. Frau Knof, Sie haben ja auch einen berühmten Vater ...

Knof: Dieter Mann. Er hatte bis zu meinem 20. Lebensjahr nicht wirklich ein Bedürfnis, an meinem Leben teilzunehmen. Das hat sich geändert, als ich mein Studium an der Hochschule in Rostock begann, später standen wir im „Wallenstein“ am Burgtheater gemeinsam auf der Bühne. Wir haben uns kennengelernt, er war gerührt, und ich hab’ mich gefreut. Aber Vaterfigur ist mein Papa Michael Knof.

Haben Sie als Kind das Theater verflucht, weil es Ihnen die Mutter weggenommen hat?

Knof: Im Gegenteil. Schauspieler sind ja nachmittags, zwischen Probe und Vorstellung, zu Hause. Ich hatte nie sturmfrei, wenn ich aus der Schule kam, konnte nicht fernsehen, das hat mich genervt. Einmal verabschiedete sich meine Mutter zur Vorstellung, wir Kinder sprangen natürlich sofort vor die Glotze, wo plötzlich meine Mutter in einer Serie spielte. Meine kleine Schwester Louise fing nahtlos an zu weinen und rief in größter Empörung: „Und uns sagt sie, sie geht ins Theater!“

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