Foto: Jewish Street Food Festival
© Jewish Street Food Festival

Streetfood-Märkte, Festivals und Themenmenüs Es geht wieder los

Die Stadt erholt sich langsam von der Krise, kulinarische Veranstaltungen läuten vorsichtig einen genussvollen Herbst ein – eine Auswahl

Corona hat die Gastronomie lange lahmgelegt, Geselligkeit war verboten, Genuss wurde in Tüten und Schachteln gepackt.
Aber wie ein tougher Boxer nach dem ersten Niederschlag hat sich die Berliner Gastronomie hochgerappelt, leicht angeschlagen zwar, aber fest entschlossen, weiterzumachen. Nur vorsichtiger und mit Abstand – sich vor einem finalen KO zu schützen, ist nicht nur beim Boxen eine gute Idee.

Wieder auf die Beine zu kommen, um weiterzumachen, ist vielen Restaurants, vor allen jenen, die eine Terrasse haben, schon ganz gut gelungen. Bei Veranstaltungen sah es lange noch anders aus, die brauchen einen längeren Vorlauf für die Organisation, die Planung eines Hygienekonzepts und die Kommunikation, all das dauert. Am leichtesten haben es da noch Freiluftfeste und Märkte.
Am Sonntag den 29. August geht ab 13 Uhr im Biergarten des Clubs Wilde Renate (Alt-Stralau 70, Rummelsburg) das Hummus Festival in die fünfte Runde: Elf Spezialisten, unter anderem aus Jordanien, Syrien, Palästina, Israel und dem Libanon, bieten an einfachen Marktständen ihre Version des Kichererbsenmuses an, dazu legen aus dem Nahen Osten geflüchtete DJs bis 22 Uhr auf. Ein Fest des Friedens, das Menschen aus verfeindeten Ländern zusammen ihre gemeinsame Liebe zum Hummus feiern lässt.

Elf Stände u.a. aus Jordanien, Syrien, Palästina, Israel und dem Libanon werden beim "Hummus Festivals" ihre gemeinsame Liebe zum Kichererbsenmus feiern. Foto: Hummus Festival Vergrößern
Elf Stände u.a. aus Jordanien, Syrien, Palästina, Israel und dem Libanon werden beim "Hummus Festivals" ihre gemeinsame Liebe zum Kichererbsenmus feiern. © Hummus Festival

Liebe zu einer Spezialität eint am am 28. und 29. August auch das Pistachio Street Food Festival, das von 11 bis 22 Uhr im „Jules B-Part“ (Luckenwalder Straße 6b, Kreuzberg) mit Snacks von Eiscreme und Tiramisu über Burrito und Oktopus-Burger bis zu gegrillten Garnelen und Ceviche – alles mit Pistazie – die edle Nuss zelebriert.

Appetit bekommen? Hier finden Sie mehr als 150 einfache Rezepte für jeden Tag.

Kultur und Genuss bietet am 4. September das Sommerfest des NaNum gegenüber dem jüdischen Museum (Lindenstraße 90, Kreuzberg, ab 18.30 Uhr, Menü 100 Euro inklusive Wein). Die ausgebildete Altistin Jinok Kim töpfert in ihrem Restaurant, das auch Galerie und Werkstatt ist, Keramiken, die ursprünglich und erdverbunden wirken. Die Küche stellt mit koreanischen Aromen Gemüse kunstvoll in den Vordergrund, ohne ganz auf Fisch und Fleisch zu verzichten. Naturweinwinzer Alexander Gysler aus Rheinhessen kommt auch vorbei und bringt ein paar Weine mit. Kunst, Achtsamkeit, Ästhetik und Genuss, die Themen des Abends sind weit gespannt.

Bei ihrem Sommerfest im „NaNum“ vereint die multitalentierte Jinok Kim Kunst, Achtsamkeit und Ästhetik mit viel Genuss. Foto: Max Schwarzlose Vergrößern
Bei ihrem Sommerfest im „NaNum“ vereint die multitalentierte Jinok Kim Kunst, Achtsamkeit und Ästhetik mit viel Genuss. © Max Schwarzlose

Am 5. September wird es im Birgit & Bier (Schleusenufer 3, Kreuzberg, 13-22 Uhr) international, wenn bei Berlins erstem Jewish Street Food Festival die Vielfalt der jüdischen Küche gefeiert wird, die die Länderküchen der ehemaligen Sowjetunion mit den Einflüssen aus Europa, Arabien und Persien vereint.

Lust bekommen, mal wieder Essen zu gehen? Hier finden Sie 28 Vertreter unterschiedlicher Länderküchen, von Kreolisch in Köpenick über Philippinisch in Tiergarten bis peruanisch in Moabit - eine kulinarische Weltreise durch Berlin!

Einer besonders großen Herausforderung werden sich in diesem Herbst die Festivals stellen müssen, die in den letzten Jahren den Ruf Berlins als Genussmetropole weit über die Grenze der Stadt trugen. Am 20. September startet die Berlin Food Week, wie der Name schon sagt, in einen einwöchigen Veranstaltungsmarathon. Im Zentrum steht das Stadtmenü, das von 50 Restaurants in Berlin und 30 weiteren in ganz Deutschland bestritten wird, darunter Golvet, Rutz Zollhaus, Clärchens Ballhaus, The Cord und Christopher’s in Berlin, sowie die Bachstelze von Maria Groß aus Erfurt und der Ponyhof von Tobias Wussler aus dem Schwarzwald. Bis zum 26. September werden sie ein klimafreundliches Menü bieten, das zeigen soll, wie Nachhaltigkeit ohne Verzicht möglich ist.

Spitzkohl mit Lauch und Sellerie-Tee aus dem "Stadtmenü" des "The Cord" Foto: Berlin Food Week Vergrößern
Spitzkohl mit Lauch und Sellerie-Tee aus dem "Stadtmenü" des "The Cord" © Berlin Food Week

Ein Prozent des Umsatzes aus dem Menü soll an regionale Klimaschutz-Projekte gespendet werden, weitere Kosten wird es für die beteiligten Restaurants nicht geben. „Wir können dieses Jahr die gebeutelte Restaurantszene nicht belasten“, erklärt Michael Hetzinger, Mitorganisator der Berlin Food Week. Trotzdem werden nicht so viele Restaurants teilnehmen wie noch 2019. Und auch nicht so viele Sponsoren: „Die waren zum Teil skeptisch, ob im Herbst überhaupt etwas stattfinden kann, und einigen Restaurants fehlt inzwischen das Personal, um ein zusätzliches Menü anbieten zu können.“, sagt Hetzinger. „Es ist eine schwierige Zeit für alle, aber es ist auch ein Hoffnungsschimmer, dass so viele dann doch mitmachen.“

Michael Hetzinger und Alexandra Laubrinus haben die Berlin Food Week mit ins Leben gerufen und leiten das Festival. Von den "Berliner Meisterköchen" wurden sie dafür 2021 als "Gastronomische Innovatoren" ausgezeichnet. Foto: Dirk Mathesius Vergrößern
Michael Hetzinger und Alexandra Laubrinus haben die Berlin Food Week mit ins Leben gerufen und leiten das Festival. Von den "Berliner Meisterköchen" wurden sie dafür 2021 als "Gastronomische Innovatoren" ausgezeichnet. © Dirk Mathesius

Flankiert wird die Food Week wieder vom House of Food im Bikini Berlin, wo am 24. und 25. September Manufakturen ihre Produkte vorstellen. Und bereits am 20. September tauschen der Berliner Yannic Stockhausen aus dem Cordo und der Frankfurter Jochim Busch aus dem Weinsinn den Platz am Herd und servieren im Restaurant des Kollegen ein Menü in fünf Gängen (ab 19 Uhr, Preis 182 Euro inkl. Aperitif, Weinbegleitung, Wasser und Kaffee Tickets via Eventbrite)

Direkt im Anschluss an die Berlin Food Week startet ab 1. Oktober die Berlin Sake Week mit einer Reihe von Veranstaltungen, bei denen die noch junge „Berlin Sake Embassy“ die Vielfalt des japanischen Reisweins bei Verkostungen und Sake-Menüs in Partnerrestaurants vorstellen wird. Das Programm ist noch im Werden, Infos gibt es über die Homepage der Sake-Botschaft (sake-embassy.com).

Der Höhepunkt der Gourmetherbstes wird die eigentlich auf Frühjahr getaktete eat! Berlin werden. Festivalchef Bernhard Moser holt vom 28. Oktober bis 8. November Top-Chefs aus ganz Europa in die Stadt und stellt sie mit hiesigen Spitzenköchen zusammen an den Herd.

"eat! Berlin"-Festivalleiter Bernhard Moser bei der Auszeichnung der "Berliner Meisterköche" zum "Gastronomischen Innovator" 2019 Foto: imago images/Emmanuele Contini Vergrößern
"eat! Berlin"-Festivalleiter Bernhard Moser bei der Auszeichnung der "Berliner Meisterköche" zum "Gastronomischen Innovator" 2019 © imago images/Emmanuele Contini

Dazu bekommt auch die Berliner Kochelite Soloauftritte, Tim Raue bestreitet allein drei Abende, auch der Tagesspiegel wird zwei Menüs begleiten (Tickets und Infos über eat-berlin.de). Die größte Herausforderung stellt dieses Jahr wohl die Abschlussgala am 7. November dar, ein innovatives Hygienekonzept soll helfen.

Die "eat! Berlin"-Abschlussgala im Frühling 2020 Foto: Christian Kielmann Vergrößern
Die "eat! Berlin"-Abschlussgala im Frühling 2020 © Christian Kielmann

So oder so, wer aktuell Veranstaltungen plant, muss eine gesunde Portion Optimismus mitbringen, hart kalkulieren können und alle erdenklichen Eventualitäten einplanen. Aber es braucht auch den Mut eines Boxers, um sich einem Gegner zu stellen, der unberechenbar und übermächtig erscheint. Gut, dass Berlin auf solch furchtlos nach vorn blickende Macher zählen kann.

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