Die durchgekochte Würze muss schnell abgekühlt werden

Beim dritten Schritt, dem Würzekochen, wird Hopfen hinzugegeben. Foto: Thilo Rückeis
Selbstversuch Daheim Bier brauen - funktioniert das?

Der zweite Durchgang gelingt dann. Thorsten Schoppe hat mir Ausrüstung geliehen, eine Malzmühle, einen großen Kessel zum Kochen und einen Läuterbottich samt Sieb. Nur ein Gerät, mit dessen Hilfe sich der Alkoholgehalt berechnen lässt, fehlt. Na und? Ein paar Prozent mehr sollen mir recht sein.

Ich entscheide mich für ein Rezept aus dem fabelhaften Buch „Bier selbst brauen“, das bei Dorling Kindersley erschienen ist. Das „Patersbier“ mit seinen 4,7 Prozent Alkohol gehe auf ein Gebräu belgischer Mönche zurück, heißt es. Es sei „einfach herzustellen, leicht und erstaunlich wohlschmeckend“. Weil es sich um ein obergäriges Bier handelt, kann der Gäreimer bei mir daheim stehen. Die Hefe für untergärige Biere, etwa Pils, würde niedrigere Temperaturen benötigen.

Im Netz bestelle ich die richtige Malz- und Hopfensorte, außerdem ein Paket von einer bestimmten Flüssighefe. Fürs Aroma sieht das Rezept zusätzlich ein paar Gramm Irish Moss vor, eine Rotalge der nordatlantischen Küsten. Zusammen kostet das knapp über 30 Euro.

Alles funktioniert. Irgendwie. Beim Maischen muss man für viele Minuten bestimmte Temperaturen halten. Doch mein Thermometer ist unzuverlässig, und die Flammenstärke des Herds lässt sich so exakt nicht einstellen. In meiner Küche riecht es bald süßlich, und die Luft hat regenwaldartige Feuchte. Knackpunkt am Ende: Die durchgekochte Würze muss schnell abgekühlt werden, damit sich in ihr keine schädlichen Bakterien breitmachen, bevor die Hefe hineinkommt. Also rein mit dem Kessel ins Eiswasser. Funktioniert. Doch gibt es gleich wieder neue Sorgen: Habe ich die sensible Flüssighefe richtig gelagert und lange genug gehen lassen? Dann aber blubbert es endlich, wie gesagt. Halleluja!

Acht Tage später fülle ich das junge „Patersbier“ in Partyfässchen ab, die ich im Keller eines Weinhändlers lasse.

Einen Monat darauf können die Kollegen meine zwei Biere verkosten. Das „Golden Ale“, das ich mit dem Kit gebraut habe, verfügt über angenehm viel Kohlensäure und hat eine schöne Schaumkrone, die jedoch sofort zusammenfällt. Es schmeckt frisch, riecht nach Apfel wie ein Cider, nur der Abgang ist flach. Kann man trinken. Das „Patersbier“ finden die Kollegen bitter, die Irish-Moss-Note wirkt zu dominant. Habe ich einen Fehler gemacht, und wenn ja welchen? Ich weiß es nicht. War ja auch nur ein Anfang.

Das Schönste an meinem Experiment ist der Erkenntnisgewinn. Wenn ich jetzt ein Bier trinke, habe ich eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie es hergestellt wurde. Fürs Erste überlasse ich das aber wieder den Profis.

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