Ein Restaurant im Spiegel. Das "Lubitsch" in Charlottenburg. Foto: Lubitsch / promo
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Die Restaurantkritik: Lubitsch in Charlottenburg Gehobene Preise, inspirierte Küche

Ein neuer Koch, ein vertrauenserweckendes Corona-Management: Der Klassiker hat das Zeug, wieder zum Lieblingsrestaurant zu werden

Beim ersten Anlauf an einem winterlichen Abend zu Beginn dieses Jahres waren die Gäste im Restaurant Lubitsch längs der Wand platziert, eng wie die Sardinen. Und uns quetschten sie trotz Reservierung noch dazwischen<. Der freie Tisch dort vorne an der anderen Seite? „Leider fest reserviert!“ Der Kellner reagierte pampig damals. Die ausgefahrenen Ellbogen der Nachbarn kamen meinem Wasserglas gefährlich nahe. Wir verließen das Lokal, ohne etwas zu verzehren.

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Beim zweiten Anlauf hatten wir nun explizit draußen reserviert. „Zu kühl“, befand der Ober. „Nö“, sagte ich, „wir haben uns ja warm angezogen.“ Drinnen standen die Tische nun viel weiter auseinander; es waren längst nicht alle besetzt. Der Hinweis auf einen neuen Luftfilter und ein offenstehendes Fenster überzeugten uns, an einem kleinen Tisch in der Ecke Platz zu nehmen.
Knackiges Brot mit Kräuterquark und ein guter, klassischer Zweigelt von Paul Kerschbaum aus dem Burgenland (28 Euro) wärmten rasch die Erinnerung an die großen Zeiten im „Lubitsch“, das ich lange geschätzt und etwas aus den Augen verloren habe. Dem aktuellen, aus Görlitz stammenden Koch Michael Weigt eilt ein guter Ruf voraus. Das macht neugierig.

Suppe vom Hokkaido-Kürbis: samtig und sämig, wie sie sein muss. Foto: Elisabeth Binder Vergrößern
Suppe vom Hokkaido-Kürbis: samtig und sämig, wie sie sein muss. © Elisabeth Binder

Die Cremesuppe vom Hokkaido-Kürbis mit gerösteten Kernen und Kernöl war samtig und sämig, wie sie sein muss, reicher durch Kokosmilch, ein einfaches Herbstgericht in bauchiger Schale (9 Euro). Das Rotkohl-Schaumsüppchen war schön schaumig geschlagen, schmeckte säuerlich mit intensivem Rotkohlgeschmack und enthielt scharfe Meerrettich-Ravioli, eine einfache Idee, gekonnt inszeniert (12 Euro).
Statt bei den Klassikern wie Wiener Schnitzel, Spinatknödel oder Zander wurden wir fündig in der Rubrik „Das geht immer“.

Ziegenkäse, Birnenviertel, Walnüsse: ein gelungener Klassiker auf Rucola. Foto: Elisabeth Binder Vergrößern
Ziegenkäse, Birnenviertel, Walnüsse: ein gelungener Klassiker auf Rucola. © Elisabeth Binder

Zu den goldbraunen Ecken vom Ziegenkäse passten Birnenviertel mit feinem Zimtgeschmack und karamellisierte Walnüsse, dazu frischer Rucola (16 Euro). Die Ahi Poke Bowl, auf der Karte sicher das modernste Gericht, kam mit Sashimi Tuna, nicht zu knapp dosiert. Die Avocadoviertel waren noch etwas hart, auch die Mangostreifen, aber geschmacklich in Ordnung. Wakami, ein mit Gurkenschnitzen aufgefrischter Algensalat, Senfkohl und Lauchkringel fügten sich harmonisch ein. Dazu passte die milde Soja-Honig-Senf-Sauce, serviert in einer kleinen Porzellankanne (26 Euro).

Variation von belgischer Schokolade: Creme brulée plus Creme von weißer Schokolade. Foto: Elisabeth Binder Vergrößern
Variation von belgischer Schokolade: Creme brulée plus Creme von weißer Schokolade. © Elisabeth Binder

Bei den Variationen von belgischer Schokolade gefiel besonders die Creme Brulée: zart unter der hart geflämmten Kruste, geschmacklich hervorragend. Als Kontrapunkt dazu schmeckte die wie eine Kugel Eis servierte Creme von der weißen Schokolade. Einige lose Schokostücke und die festlichen Goldfäden aus Zuckerguss ergänzten das Arrangement (11,50 Euro).

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Fazit des Abends im "Lubitsch": eine in der Tat erfreuliche Küche. Und die Strategie, die Zahl der Gäste über Preise im erlaubten Rahmen zu halten, erscheint mir so abwegig nicht. Da die meisten von uns sicher seltener essen gehen als noch vor der Pandemie, darf es dann auch ruhig mal etwas teurer sein.

- Lubitsch, Bleibtreustr.42, Charlottenburg, Telefon 88 62 66 60, täglich 12 bis 24 Uhr

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