Passagiere stehen in einer Schlange von mehreren hundert Metern für die Sicherheitskontrolle am Flughafen Köln-Bonn an. Foto: Thomas Banneyer/dpa
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Gastarbeiter für die Flughäfen? „Es werden Menschen aus der Türkei kommen, die ihre Hoffnungen mitbringen“

Ausländische Arbeitskräfte sollen das Flughafen-Chaos regeln. Welche Fehler dabei zu vermeiden sind, ist Thema im Checkpoint-Podcast „Berliner & Pfannkuchen“.

Die Bundesregierung will Hilfskräfte aus der Türkei anwerben, um damit vorübergehend die Personalnot an deutschen Flughäfen wie dem BER abzumildern. Enrico Rümker, Gewerkschaftssekretär für Luftfahrt der verdi im Landesbezirk Berlin Brandenburg, befürwortet die Idee: „Grundsätzlich begrüßen wir alle Maßnahmen, die zu einer Entlastung des extremen Arbeitsdrucks an den Flughäfen und bei den Bodenverkehrsdiensten beitragen können“, erklärt er per Sprachnachricht im Checkpoint-Podcast „Berliner & Pfannkuchen“.

„Zu dieser notwendigen Entlastung kann auch eine befristete Beschäftigung von Arbeitnehmer:innen aus Drittstaaten wie zum Beispiel aus der Türkei beitragen.“ Die geplante Anwerbung dürfe allerdings weder Sicherheits- noch Qualifikations- oder Tarifstandards unterlaufen.

Daruber hinaus fordert Rümker: „Die Beschäftigten in den Schichten müssen sich auch sprachlich verständigen können. Wenn erforderlich, sind seitens des Arbeitsgebers Sprachschulungen zu organisieren.“

Auch Ayşe Demir vom Türkischen Bund in Berlin-Brandenburg pocht bei der geplanten Anwerbung auf tarifgerechte Bezahlung. „Nicht geklärt sind weitere Punkte: Wie lange sollen die Arbeitskräfte in der Bundesrepublik bleiben? Dürfen sie ihre Familien mitbringen?“, fragt Demir im Podcast. 

„Es werden Menschen kommen, die ihre Hoffnungen und Erwartungen mitbringen werden. Eventuell werden sie ihre Familien mitbringen und sich niederlassen wollen. Wir erwarten, dass all diese Punkte vorab im Sinne der Betroffenen geklärt werden.“

Bereits Anfang der 60er Jahre hatte die Bundesrepublik wegen mangelnden Arbeitskräften ein Anwerbeabkommen mit der Türkei geschlossen und mehr als 860.000 Menschen aus dem Land nach Deutschland geholt.

Dass dabei große Fehler gemacht wurden, erklärt Karl-Heinz Meier-Braun, Publizist und Migrationsexperte: „Auch damals ging man davon aus, dass die Arbeitskräfte über kurz oder lang heimkehren würden. Viele blieben für immer, Deutschland wurde zum Einwanderungsland.“

Zur Einwanderung gehört laut Meier-Braun auch Integration, und das mache kostenlose Sprachkurse für ausländische Arbeiter wie aus der Türkei notwendig. Solche Maßnahmen habe die Politik früher versäumt, was sich bis heute rächen würde.

Außerdem Thema im Podcast „Berliner & Pfannkuchen“: Was halten die Bezirke von Innensenatorin Iris Sprangers (SPD) Ideen, die Parks gegen Exzesse und Gewalt zu sichern? Erst am Samstag rückte die Polizei aus und räumte den James-Simon-Park in Mitte, wo zu dem Zeitpunkt etwa 1000 Leute feierten. Im Gespräch sind Alkoholverbote, Sperrungen und Schließungen der Berliner Parks.

Die grüne Stadträtin Claudia Leistner vom Bezirk Treptow-Köpenick sagt in einer Sprachnachricht: „Ich sehe keine Notwendigkeit dafür, Parks abzuschließen oder anderweitig abzusperren. Das ist eine sehr weitreichende Maßnahme, die gut abgewogen werden muss.“

Vielmehr sollte der Bezirk darauf setzen, die Präsenz von Ordnungsamt, Parkläufer:innen und der Polizei zu stärken. „Durch direkte Ansprachen gelingt es in der Regel auch, Menschen abzuholen.“

Eine Arbeitsgruppe aus Senat und Bezirken soll Einigkeit über Maßnahmen gegen die Exzesse schaffen. Auch Beate Ernst von der Anti-Vermüllungsinitiative „Wir Berlin“ kommentiert die Ideen im Podcast.

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