"Wir sollten alle viel weniger Pornos schauen."

Katy Bit / Filmemacherin, Produzentin. Foto: Paula Winkler
Faire Pornografie Er und Sie. Der Kamin prasselt. Dann schwenkt die Kamera weg

Katy Bit / Filmemacherin, Produzentin

"Wir sollten alle viel weniger Pornos schauen - dafür die mit Vor- und Abspann."

"Ich  habe mir mit 17 das erste Mal einen Porno ausgeliehen - und fand den  schrecklich. Im Internet habe ich wochenlang nach einem guten Porno  gesucht. Als ich mit 27 Jahren immer noch keinen gefunden hatte, habe  ich selbst angefangen, mit Freunden zu drehen.

Es ist schwierig, Menschen nackt zu filmen. Man darf sie nicht  stören, trotzdem will man gute Bilder bekommen. Darum müssen die Leute,  die mit mir arbeiten, ihr Handwerk beherrschen. Und: Die Performer  sollen entscheiden, was sie vor der Kamera machen. Am liebsten arbeite  ich mit Paaren oder mit Menschen, die sich schon vor dem Dreh  kennengelernt haben. Im Mainstream haben die Performer manchmal nur fünf  Minuten, bevor es zur Sache geht. Da kann nichts entstehen.

Auch im alternativen Porno dreht sich alles um die Darstellerinnen,  teils auch bei meinen Filmen. Da wir in Zukunft noch mehr von Pornos  lernen werden als aus Aufklärungsbüchern, finde ich es wichtig, den Mann  mehr in den Fokus zu nehmen und ihn nicht auf seinen Penis zu  reduzieren. Aber wir sollten überhaupt alle viel weniger Pornos schauen -  dafür die mit Vor- und Abspann. Die Zuschauer müssen doch auch müde sein von all der schlechten Pornografie. Die dargestellten Fantasien  sind so gestrig. Die permanente Verfügbarkeit der Frau - wer glaubt da  denn heute noch dran? Ich habe mal mit einem Kameramann gedreht, der gar  nicht gemerkt hat, dass die Darstellerin gekommen war. Er war es  gewohnt, dass Frauen ihren Orgasmus im Porno vortäuschen."

Zur Startseite