Ironman im Rentenalter

 Das Klettern, sagt Michel Götz, 64, habe ihm „wieder festen Boden unter den Füßen gegeben“. Kitty Kleist-Heinrich
Extremsport im Alter Rentner am Limit

Auch Helmut Schicketanz hat das Altern irgendwann für sich neu definiert, die Altersgrenze nach hinten verschoben und das, was er für riskant hält, selbst bestimmt. Noch so ein schlanker, leicht gebauter Mann, der aussieht, als habe ihn sein riskanter Sport jünger statt älter gemacht. Schicketanz ist 73. „Ich weiß!“, lacht er, wenn man ihm sagt, dass er viel jünger wirkt. Was offenbar damit zu tun hat, dass er Triathlet ist und diesen Sport so konsequent betreibt, dass er im Oktober zum dritten Mal beim „Ironman“ auf Hawaii starten will. Rund zwanzig Medaillen hängen, fein säuberlich nebeneinander geordnet, an roten, blauen und schwarz-rot-gelben Bändern an einer Wand in seiner Wohnung in Kleinmachnow.

Unten im Keller liegen Trainingsgeräte, die größeren jedenfalls: drei Fahrräder, eins davon nur ein paar Kilogramm schwer, der Rahmen aus Kohlefaser, die Räder so perfekt gelagert, dass man sie nur antippen muss, damit sie sich drehen. Zwei Mal in der Woche trainiert Schicketanz für das 180-Kilometer-Rennen auf der Vulkaninsel-Strecke, Touren von ein paar Stunden Länge, derzeit mit einem Freund und auf dem Mountainbike. „Ich fahre nicht mehr so risikoreich“, sagt er, „nicht mehr über Stock und Stein da, wo ne Wurzel ist“. Zwei aus dem Potsdamer Triathleten-Verein hätten sich „gelegt“, Schlüsselbeine gebrochen. „Wer weiß, wie das dann wieder zusammenwächst, wir wollen doch weiter unseren Sport machen!“

Dass er einen extremen Sport wie Triathlon begonnen hat, liegt schon lange zurück. „Ich musste richtig schwimmen lernen“, scherzt er. Für seinen zweiten Ironman-Wettbewerb 2012 habe er sich drei Monate lang auf Lanzarote vorbereitet - die Insel ist wegen ihrer guten Straßen, ihrer Weite und ihrer Luft eine Art Trainingsparadies für Ausdauersportler. 30 Stunden pro Woche habe er dort trainiert, sagt Schicketanz, „ich hab das nicht als zu viel empfunden“. Auf Hawaii sei es dann „ein toller Wettkampf“ gewesen.

Riskant findet er selbst sein Sportprogramm nicht - „man ist ja gesundheitlich unter Kontrolle“. Einigermaßen jedenfalls. Ganz lakonisch erzählt Schicketanz, bei ihm seien mal Herzrhythmusstörungen festgestellt worden. Einmal habe eine Ärztin deshalb sogar einen Leistungstest auf dem Ergometer abgebrochen. „Ich hab gar nichts gemerkt davon“, sagt er lachend. Sicher, da gebe es auch Freunde, die sein Verhalten riskant fänden. Beim Arzt habe er dann gar nicht mehr erzählt, dass er für einen Ironman-Wettbewerb trainiere. Zum Radfahren für die Ironman-Distanz von 180 Kilometern kommen ein Marathon und 3,8 Kilometer Schwimmen. Schicketanz trainiert in Potsdam, im Leistungszentrum am Luftschiffhafen. „Ich mache alle drei Sachen gerne“, sagt Schicketanz. „Man trainiert ja auch den Geist beim Sport.“

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