Raúl Krauthausen fordert ein Jahr nach den Morden im Oberlinhaus mehr Beteiligung für Menschen mit Behinderungen. Jens Kalaene
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Ein Jahr nach den Morden im Oberlinhaus „Es darf nicht sein, dass Menschen mit Behinderungen gar nicht angehört werden“

Im Podcast "Berliner & Pfannkuchen" wirft der Behindertenrechtsaktivist Raúl Krauthausen der Potsdamer Einrichtung mangelnden Willen zur Aufklärung vor.

Am 28. April 2021 ermordete die Pflegerin Ines R. vier Menschen mit Behinderungen im Potsdamer Oberlinhaus. Eine weitere Bewohnerin wurde schwer verletzt. Das Landgericht Potsdam verurteilte die Täterin zu 15 Jahren Haft und der Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Der Behindertenrechtsaktivist Raúl Krauthausen zieht bei „Berliner und Pfannkuchen“ ein Jahr nach der Tat eine bittere Bilanz.

„Wir beteiligen Menschen mit Behinderung viel zu wenig an der Aufklärung und auch an der Bekämpfung von Gewalttaten in Wohneinrichtungen für behinderte Menschen.“ Dem Oberlinhaus in Potsdam wirft Krauthausen mangelndes Verantwortungsbewusstsein vor: „In den Gerichtsverhandlungen zum Fall Potsdam ist klar geworden, dass seit Jahren Missstände in dieser Einrichtung vorliegen und es wird bis heute ein Deckmantel des Schweigens darüber gelegt.“


Anfang des Jahres war der ehemaligen Leiterin des Oberlinhauses gekündigt worden, nachdem Mitarbeitende vor Gericht die Arbeitsbedingungen in der Einrichtung massiv kritisiert hatten. Krauthausen ist Mitinitiator eines Rechercheprojekts mit dem Titel #AbleismusTötet, das Gewaltfälle an Menschen mit Behinderungen in stationären Wohneinrichtungen der vergangenen zehn Jahre gesammelt hat.

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