Hinter der Portikus-Ruine des Anhalter Bahnhofs entsteht das Exilmuseum. Foto: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer
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Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung Auf der Insel der Erinnerung

Das neue Dokumentationszentrum in Berlin ist eröffnet. Mit der Topograpie des Terrors, dem Exilmuseum oder dem Jüdischem Museum entstehet eine Geschichtsmeile.

Von einer „erinnerungskulturellen Meile“ spricht Gundula Bavendamm, Direktorin des Dokumentationszentrum Flucht Vertreibung Versöhnung, wenn sie an ihre Nachbarschaft denkt. So entsteht direkt gegenüber mit dem geplanten Exilmuseum bis 2025 ein wichtiger Partner. Hinter der Ruine des Anhalter Bahnhofs, wo viele Menschen ankamen und abfuhren, ist schon jetzt bis zum 31. Oktober die Ausstellung „Zu/Flucht“ in Containern zu sehen, die von den Schicksalen Exilierter erzählt, einer wichtige thematische Ergänzung.

Mit der Topographie des Terrors sowie dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas in der nahen Eberstraße finden sich zwei weitere bedeutende Erinnerungsorte, wenn es um die Folgen der nationalsozialistischen Terrorherrschaft geht. Die Dokumentation „Hitler – Wie konnte es geschehen“ im Berlin Story Bunker hinter dem Anhalter Bahnhof fügt der so entstehenden Geschichtsmeile ein weiteres Kapitel hinzu, ebenso das etwas entfernter liegende Jüdische Museum Berlin.

Besucher aus dem In- und Ausland können so verschiedene Aspekte der jüngeren deutschen Geschichte erleben. Man wolle mit allen Institutionen in guter Nachbarschaft zusammenarbeiten, sagt Bavendamm.

Aber warum nicht noch einen Schritt weitergehen? Die Konstellation der historisch bedeutsamen Stätten zur jüngeren deutschen Geschichte erinnert an ein ähnliches Ensemble in Amsterdam. Dort liegen im alten Amsterdamer Judenviertel das Joods Historisch Museum und das Kindermuseum, die Portugiesische Synagoge und die 400 Jahre alte Bibliothek Ets Haim, die Hollandsche Schouwburg, Sammelpunkt für die Deportationen niederländischer Juden in die Vernichtungslager, und das Nationale Holocaust Museum in der ehemaligen jüdischen Mädchenschule dicht beieinander.

Alle Einrichtungen präsentieren sich zusammen unter dem gemeinsamen Label „Joods Cultureel Kwartier“ (Jüdisches Kulturviertel) und erzielen so eine höhere Aufmerksamkeit – bei den Niederländern und natürlich bei den ausländischen Touristen. Auch wenn es nicht die drängendste Aufgabe ist: Aber ist es nicht eine Überlegung wert, diese in Berlin entstehende „erinnerungskulturelle Meile“ unter einer Marke zu bündeln? Als eine Insel der Erinnerung mitten in der Hauptstadt.

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