Diversity-Konferenz Foto: TSP
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Diversity 10 Jahre DIVERSITY: Intensive Diskussionen und wichtige Denkanstöße

Zwei spannende und inspirierende Tage liegen hinter den fast 700 digital Teilnehmenden der DIVERSITY 2021. Im Fokus stand das Motto „Allyship“.

Der zweite und letzte Tag der digitalen DIVERSITY-Konferenz (11. & 12. November 2021) begann mit einem lockeren Begrüßungstalk zwischen Ulrike Teschke, Geschäftsführerin des Tagesspiegel-Verlags, und ihrem Pendant bei der Charta der Vielfalt, Stefan Kiefer.

Anschließend diskutierten in einem prominent besetzten Panel der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, die Bundestagsabgeordnete Serap Güler, Schriftstellerin und Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal und Christian Gleimann von E.ON über das Thema Herkunft – und ob man andere Menschen danach fragen darf.

„Jeder hat seine eigene Würde, egal welcher Herkunft, welcher Religion, welcher sexuellen Orientierung. Deshalb verstehe ich viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte, dass sie oft nicht nur die Frage sehen, sondern auch die Wertung“, sagte Christian Wulff, Vorsitzender des Stiftungsrates der Deutschlandstiftung Integration. „Wir müssen über unsere Gesellschaft reden, dann entschärfen wir die Frage. Ich finde es wichtig, das Gefühl bereits bei Kindern zu vermitteln, dass Unterschiedlichkeit etwas Großartiges ist, wenn auch nicht immer leicht. Aber das Gegenteil von Vielfalt ist Einfalt und wer will denn schon einfältig sein?“ Mithu Sanyal, Autorin des Romans „Identitti“, betonte: „Wir haben alle mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Wir sollten das Augenmerk mehr auf diese Gemeinsamkeiten legen und im Gespräch miteinander bleiben.“ Bereichert wurde das Gespräch durch Live-Umfragen unter den Teilnehmenden an den Bildschirmen, deren Ergebnisse anschließend direkt in die Debatte einflossen.

Nach einem Talk über das Thema „Deutschland im Wandel – Transformation zur Gesellschaft und Arbeitswelt der Zukunft“ und den an allen Veranstaltungstagen angebotenen Masterclasses, folgte die Keynote von Martin Seiler, Vorstand Personal und Recht der Deutschen Bahn, zu den Diversity-Aktivitäten des Unternehmens.

„Allyship gemeinsam für Vielfalt“, so lautete das Motto der DIVERSITY-Konferenz. Ob es sich dabei denn wirklich um einen nachhaltigen Lösungsansatz handelt, das wurde unter der Überschrift „Debating Diversity“ munter diskutiert. „Bei Allyship geht es darum, dass man sich für eine andere Gruppe einsetzt“, so Julia Becker, Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Osnabrück. „Der Begriff ist sinnvoller, als einfach nur allgemein von Solidarität zu sprechen. Es geht auch darum, strukturelle Probleme anzugehen.“ Für Jeffrey Kwasi Klein vom Verein Each One Teach One kommt es darauf an, dass Allyship „keine Performance und kein Selbstzweck sein sollte, sondern eine Haltung. Es geht um die Übernahme von Verantwortung aus einer privilegierten Position heraus.“

Im finalen Panel kam es zum Aufeinandertreffen von Sportwelt und Arbeitswelt. Gesucht wurden Analogien im Umgang mit Inklusion und Diversity. „Sport und insbesondere Mannschaftssport ist sehr integrativ. Da kann sich die Arbeitswelt viel abschauen“, sagte Charta der Vielfalt-Geschäftsführer Stefan Kiefer, für den der Sport darüber hinaus auch im Zusammenspiel zwischen Athlet_in und Umfeld Vorbildcharakter hat. Für den vierfachen Paralympics-Sieger im Weitsprung, Marko Rehm, hingegen ist „im Sport noch Luft nach oben, vor allem wegen Berührungsängsten zwischen olympischem und paralympischem Sport, die sich noch näherkommen könnten.“ Grundsätzlich werde im Sport, gerade im Teamsport jedoch Diversität gelebt. Para-Radsportlerin und Weltmeisterin Denise Schindler sieht die Berührungsängste „mehr bei den Verbänden als bei den Sportler_innen selbst. Dort gibt es eine große gegenseitige Achtung.“ Die Verbände hingegen müssten sich mehr aneinander annähern, wobei auch dort inzwischen gemeinschaftlicher gedacht werde. Als Beispiel nannte sie „Team D“ als einheitliche Dachmarke der deutschen Olympia- und Paralympics-Mannschaft.

Mit der Keynote von Deutsche Welle-Moderator Marcel Aburakia endete die 10. DIVERSITY. Deutschlands größte Konferenz zu Vielfalt in der Arbeitswelt findet das nächste Mal am 10. und 11. November 2022 statt.

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