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Tagesspiegel Mobil Die goldenen Läufer

Mit Verena Bentele, Martin Braxenthaler und Gerd Schönfelder eilt ein deutsches Trio bei den Paralmpics von Erfolg zu Erfolg

Aller guten Dinge sind drei, so auch im Deutschen Paralympics-Team. Verena Bentele, Martin Braxenthaler und Gerd Schönfelder sorgten bereits während der vergangenen Winterspiele in Salt Lake City und Turin für die am Ende sehr gute Platzierung Deutschlands im Gesamtmedaillenspiegel. Doch die unglaubliche Zahl von insgesamt 26 Goldmedaillen war für keinen der drei Athleten ein Grund aufzuhören. Sie bleiben auch in Vancouver weiter auf Goldkurs und das mit großem Erfolg.

Am Donnerstag holte Gerd Schönfelder seine dritte Goldemedaille und insgesamt seine vierzehnte Goldmedaille, beim Riesenslalom der Herren. Diese unglaubliche Leistung kommentierte er im Zielbereich als einen „erfüllten Traum“ – nachdem es im ersten Durchgang für ihn und das Publikum eine Schrecksekunde gegeben hatte. Kurz vor dem Zieleinlauf übersah er einen Buckel und verlor fast die Balance. Doch seine gute Reaktion und ein wenig Glück verhinderten einen Sturz. Die Piste war schwer, der Schnee war zu weich und die Sicht zum Teil alles andere als klar, dennoch ließ er sich in seiner Professionalität nicht beirren: „Du musst die Strecke fahren, manchmal ist es sonnig, manchmal ist es so. Du musst aber runter fahren.“

Damit hat Schönfelder nun bei den sechs Paralympics, an denen er seit 1992 teilnahm, immer mindestens eine Goldmedaille gewonnen. Dennoch sind es für ihn „unwiderruflich die letzten Spiele“, aber mit dieser großen Zahl an Medaillen und einer Familie, die Zuhause auf ihn wartet, sollte er mit ruhigem Gewissen seine Karriere beenden können.

An diesem Tag stand noch eine weitere Athletin weinend im Zielbereich. Freudentränen. Verena Bentele hatte zum zehnten Mal in ihrer Karriere paralympisches Gold geholt. Zitternd lag sie ihrem Begleitläufer Thomas Friedrich in den Armen, der nur noch „Sie ist ein Goldstück“ jubeln konnte. Drei Wettkämpfe – drei Mal Gold. So erfolgreich wie sie ist bei den Spielen in Vancouver momentan niemand. Nach der 3 Kilometer Verfolgung der Biathletinnen und dem 15 Kilometer Freistil Rennen der Langläufer, gewann sie nun auch den 12,5 Kilometer Lauf der Biathletinnen. „Ich habe es noch nie geschafft bei einer WM oder den Paralympics diese lange Distanz zu gewinnen. Endlich hat es geklappt“, sagte Bentele nach dem Rennen. Auch nach der traditionellen „Flower-Ceremony“ war die von Geburt an blinde Sportlerin „überwältigt von den Gefühlen“ und konnte es immer noch nicht glauben, dass dieser Traum wahr geworden war. „Die Erleichterung war extrem groß, ich wusste sofort, dass es ein drittes Mal geklappt hat“, sagte Bentele und fügte lachend hinzu, „deshalb habe ich auch erst ganz furchtbar geweint, als ich diesen Wettkampf gewonnen habe“. Die Tränen seien schon nach dem letzten Schießen geflossen, denn bereits in diesem Moment war klar, dass sie mit mehr als drei Minuten Vorsprung allen Konkurrentinnen davon gelaufen war.

Mit inzwischen neun Goldmedaillen ist auch Monoskifahrer Martin Braxenthaler Mitglied im deutschen „Goldteam“. In Vancouver gewann er bisher sowohl im Slalom, als auch im Riesenslalom und sagte dazu selbst: „Es gibt nichts besseres, als nach zwei Rennen zweimal Gold gewonnen zu haben!“ Der 38-jährige, querschnittgelähmte Sportler hatte aber auch vor den Spielen nichts anderes erwartet: „Ich bräuchte in Vancouver gar nicht erst zu starten, würde ich nicht gewinnen wollen!“ Obwohl er zuvor noch nie bei einem Rennen unter so schlechten Wetterbedingungen gestartet war, blieb der gebürtige Traunsteiner darauf fokussiert und kam am Dienstag mit überwältigenden sieben Sekunden Vorsprung ins Ziel. Trotz der Tatsache, dass Martin Braxenthaler bei seinen Konkurrenten als unbesiegbar in den Technikdisziplinen gilt, wird auch bei ihm über einen möglichen Rückzug aus der Welt des Leistungssports spekuliert.

Fraglich ist, was passieren wird, wenn diese Erfolgsathleten in vier Jahren nicht mehr antreten sollten. Wer soll Deutschland dann im Kampf um den ersten Platz im Medaillenspiegel helfen?

Leonie Arzberger (19), Franziska Ehlert (18)

und Elisa Kremerskothen (18)

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