Amtseid. Adli Mansur bei seiner Inthronisierung am Donnerstag. Foto: Reuters Foto: REUTERS
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Tagesspiegel Mobil Der Verfassungshüter

Adli Mansur, der Übergangspräsident in Ägypten, hat keinerlei politische Erfahrung – aber er ist seit 20 Jahren eine Autorität im Land.

Schneller hat am Nil wohl noch niemand Karriere gemacht. Seit Montag erst steht Adli Mansur an der Spitze des Verfassungsgerichts, ernannt von Mohammed Mursi. Drei Tage später bereits stieg er per Amtseid, abgelegt vor seinen zehn Richterkollegen, zum Übergangspräsidenten Ägyptens und Nachfolger seines per Militärputsch abgesetzten Förderers auf.

In einer kurzen Ansprache, immer wieder vom Applaus des Publikums unterbrochen, pries der 67-Jährige die Armee als das „Gewissen der Nation“ und nannte den 30. Juni einen „glorreichen Tag“. Ausdrücklich bedankte er sich bei den Medien, „weil sie die Untaten des bisherigen Regimes“ aufgedeckt hätten. Seit der Oberbefehlshaber von Ägyptens Streitkräften, General Abdel Fattah al Sissi, am Mittwochabend seinen „Fahrplan für die Zukunft“ verkündete, steht mit Adli Mansur plötzlich ein Mann im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit, der sein Leben lang immer in der zweiten Reihe gearbeitet hat.

Seit Jahren war er einer der drei Vizepräsidenten des höchsten Gerichts Ägyptens. In dieser Funktion war Adli Mansur beteiligt an der Auflösung des ersten demokratisch gewählten Parlaments im Juni 2012. Auch schrieb er an dem jüngsten Urteil des Verfassungsgerichtes mit, welches kürzlich die verfassungsgebende Versammlung und den Shura-Rat, die zweite Kammer des Parlaments, im Nachhinein für verfassungswidrig erklärte und damit das von Muslimbrüdern und Salafisten durchgepeitschte Grundgesetz endgültig delegitimierte.

Mit diesen Entscheidungen etablierte sich das Verfassungsgericht im Institutionengefüge des ägyptisches Staates rasch zum wichtigsten Gegenspieler des islamistischen Präsidenten. Kein Wunder also, dass nicht nur die Rebellenbewegung „Tamarod“ und die „Nationale Rettungsfront“ der Oppositionsparteien, sondern auch die Militärführung auf die Idee kam, die Geschicke Ägyptens bis zur Wahl eines neuen Staatschefs in die Hand des obersten Richters am Nil zu legen.

Praktische politische Erfahrung allerdings hat Adli Mansur nicht. Im Dezember 1945 in Kairo geboren, studierte er an der Kairoer Universität Jura und Verwaltungswissenschaft. 1977 promovierte der Vater dreier Kinder an der „École nationale d’administration“ in Frankreich und arbeitete anschließend beim ägyptischen Staatsrat, der die Verwaltungsgerichte überwacht. 1992 wurde er von Hosni Mubarak ans Verfassungsgericht berufen und ist heute mit mehr als 20 Jahren Berufspraxis der erfahrenste Verfassungsrichter Ägyptens.

Als Rechtsexperte war Adli Mansur an der Ausarbeitung des Wahlgesetzes für die Präsidentenwahl 2012 beteiligt, die Mohammed Mursi in der zweiten Runde mit gut 13 Millionen Stimmen auf den Präsidentensessel brachte. Nun soll er nach dem Willen des Militärrats auch das neue Gesetz konzipieren, mit dem eines Tages Mursis regulärer Nachfolger gewählt werden soll.

Martin Gehlen

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