Tagesspiegel Mobil Der ganz große Druck

Seit 2003 wird der Tagesspiegel in Spandau gedruckt und hat seitdem an Qualität gewonnen, was jetzt auch ausgezeichnet wurde: Die Zeitung ist nun Mitglied im „Newspaper Color Quality Club“

Ächzende Maschinen, Männer mit Druckerschwärze an den Händen, schwitzende Setzer? Druckerromantik, das war einmal. Wer das Druckhaus in Spandau betritt, fühlt sich angesichts gigantischer Technik eher an einem James-Bond-Film erinnert als an eine klassische Druckerei. Es gibt lange Druckstraßen, an deren Ende hinter einem verglasten Podest die Computer Regie führen. Es hat sich viel geändert in einer Branche, in der heutzutage die Menschen vor allem Maschinen kontrollieren. „Früher war Drucken eine Kunst“, sagt René Fischer. „Heute, durch die Digitalisierung, steht der Druckprozess als solches im Hintergrund.“ Seine Mitarbeiter, sagt der Leiter der Rotation im Druckhaus am Brunsbütteler Damm, seien eher „Prozessmanager“ als Drucker im klassischen Sinne. Früher sind rund 200 Menschen bei einem vergleichbaren Produktionsvolumen wie im Druckhaus nötig gewesen, um die Druckplatten zu fertigen, heute sind es zwei Mitarbeiter.

Seit 2003 werden Tagesspiegel-Produkte in dem modernen Druckhaus Spandau gedruckt, auf zwei Maschinen. Zehn Tageszeitungen werden in Spandau hergestellt, darunter neben dem Tagesspiegel andere Produkte aus dem Hause Holtzbrinck wie die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ oder das „Handelsblatt“. Zudem eine Teilauflage der „Süddeutschen Zeitung“, „Die Welt“ und die „Berliner Morgenpost“. Der Tagesspiegel sei für das Druckhaus ein wichtiges Produkt, sagt Fischer. Mit dem Umzug der Produktion der Zeitung nach Spandau haben sich Möglichkeiten und Varianten eröffnet, was Qualität, Drucktempo und Gestaltung von Sonderprodukten wie etwa Beilagen betrifft. „Wir versuchen, den Qualitätsgedanken der Zeitung auch in der Produktion umzusetzen“, sagt Fischer.

Ohne Kunst geht auch es heutzutage nämlich nicht, im Gegenteil: Der Tagesspiegel ist nun für seine gute Druckqualität geadelt worden – vom Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien (kurz Wan-Ifra). 109 Zeitungen aus 43 Ländern haben nun den Einzug in den „International Newspaper Color Quality Club 2010–2012“ geschafft und damit die weltweit renommierteste Auszeichnung für Druckqualität im Zeitungsbereich bekommen. Der seit 1994 im Zweijahresrhythmus durchgeführte Wettbewerb, bei dem eine unabhängige Jury entscheidet, setzt Standards im Bereich Reproduktion und Farbdruckqualität.

Die erfolgreichen Zeitungen haben in monatelangen Testphasen demonstrieren müssen, dass sie in der Lage sind, farbige Bild- und Anzeigeninhalte weltweit und einheitlich in der vorgesehenen Farbwirkung zu reproduzieren. Es ging dabei vor allem um Qualitätsaspekte, die dem Leser auffallen, so bestand die Jury der Wan-Ifra aus Laien und nicht aus Fachleuten. In der Wettbewerbsphase erschien im Tagesspiegel monatelang ein spezielles Testelement, ein Viereck, meist im Wirtschaftsteil. René Fischer sagt: „Das Ergebnis dieser Arbeit fließt in das tägliche Produkt ein. Der Tagesspiegel soll ein leichtes Erscheinungsbild haben.“ Die Farben sollten nicht zu kräftig wirken.

Das Viereck besteht aus verschiedenen Farbkreisen, in denen dann durch Überlagerungen Farborte erzeugt werden. Ziel ist es, gewünschte Farben möglichst genau zu erzeugen. Das betrifft Fotos und andere Farbelemente. „Die Optimierung der Qualität ist vor allem wichtig für die Anzeigenkunden“, sagt Wolfgang Talke, Teamleiter Systemadministration beim Tagesspiegel. „Schließlich wollen unsere Kunden die Qualität im Druck bekommen, die sie erwarten.“ Talke hat gemeinsam mit Marco Schiffner, dem stellvertretenden Leiter Herstellung“ von Seiten des Tagesspiegels das Projekt betreut.

Guter Druck ist auch von seiner Grundlage abhängig: Ohne gutes Papier geht nichts, der Tagesspiegel wurde während der Wettbewerbszeit auf Holmen-Frischfaserpapier aus Schweden gedruckt. Bis das optimale Papier für den Tagesspiegel gefunden war, waren einige Tests nötig. Im Druckhaus werden 15 Sorten Papier für zehn Produkte eingesetzt.

Am Tagesspiegel wird in Spandau im Vierschicht-Betrieb gearbeitet, 17 Mitarbeiter waren daran beteiligt, dass die Zeitung zu ihrer Auszeichnung kam. Das ist in der heutigen Zeit, in der im Druckergewerbe alles digital läuft, eine vergleichsweise große Mannschaft.

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