Die Berliner Feuerwehr hat um die 130 Rettungsfahrzeuge im Einsatz. Maurizio Gambarini/dpa
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Dauerkrise bei der Berliner Feuerwehr „Es kann nicht sein, dass der Rettungsdienst an die Wand gefahren wird“

Wie kann die Politik die ausgelasteten Sanitäter in Berlin retten? Darum geht es in der neuen Folge des Checkpoint-Podcasts „Berliner & Pfannkuchen“.

Die überlasteten Rettungsdienste in Berlin und im Rest von Deutschland lassen einen Experten deutlich werden: „Seit Jahren zeichnet sich dieser Zustand ab und die meisten Verantwortlichen schauen leider weg, da sie ganz offensichtlich kein Interesse an einer Systemänderung haben“, sagt Marco König vom Deutschen Berufsverband Rettungsdienst im Checkpoint-Podcast „Berliner & Pfannkuchen“. „Es kann nicht sein, dass der Rettungsdienst an die Wand gefahren wird, nur weil andere im Gesundheitssystem ihrer Verantwortung nicht gerechnet werden.“

Nötig seien Instrumente, um den Patienten wirklich zu helfen, wenn sie 112 wählen. Und das müsse nicht immer ein Rettungswagen oder sogar ein Notarzt sein, wenn es sich nicht wirklich um einen Notfallpatienten handelt. „So entlasten wir nicht nur den Rettungsdienst, sondern auch die Notaufnahmen, die auch schon seit langem am Limit sind.“

Zuvor ergab eine Tagesspiegel-Recherche, dass die Behörden bereits 165-mal den Ausnahmezustand beim Berliner Rettungsdienst in diesem Jahr ausgerufen haben. Dieser Ausnahmezustand gilt, wenn die Rettungswagen zu 80 Prozent ausgelastet sind und es länger als zehn Minuten dauert, bis die Hilfe eintrifft. Dann springt die Feuerwehr mit Löschfahrzeugen als Ersatz ein und fährt zu den gemeldeten Notfällen, bis ein Rettungswagen oder Notarzt eintrifft.

Lars Wieg, Landeschef der Feuerwehrgewerkschaft in Berlin und Brandenburg, sieht keine Lösung auf die Schnelle: „Das Personal, das wir für den Rettungsdienst brauchen, hat eine Ausbildungszeit von drei Jahren. Das ist nicht so schnell zu bekommen“. 

Kurzfristig könnten aber sogenannte Vorausfahrzeuge eingesetzt werden, die die Lage bei den Patienten erkunden, bei denen nicht klar ist, ob sie tatsächlich einen Rettungswagen benötigen und ins Krankenhaus müssen. Björn Jotzo, FDP-Abgeordneter im AGH erklärt in der neuen Podcast-Folge außerdem, warum es angesichts überlasteter Rettungsdienste mehr Ersthelfer-Apps in Berlin braucht.

Außerdem Thema: Aus Protest gegen den G7-Gipfel in Elmau haben sich am Montagmorgen etwa 80 Klimaschützer:innen an die Zu- und Ausfahrten des Bundesfinanzministeriums geklebt. Sie fordern einen Schuldenerlass für Länder des globalen Südens, damit „diese Staaten überhaupt eine Chance eine soziale gesamtgesellschaftliche Transformation zu investieren, die dringend notwendig ist, um sich an diese Klimaerwärmung anzupassen“, sagt Amelie Meyer von „Debt for Climate“ in ihrer Sprachnachricht.

Radikal sei diese Forderung genauso wenig wie die Blockadeaktion am Finanzministerium: „Die Radikalen sind nicht die Klimaaktivist:innen, sondern die Länder, die weiterhin in fossile Rohstoffe investieren,“ so Meyer.

Im Podcast sprechen Anke Myrrhe und Lorenz Maroldt auch über den Symbolcharakter des Sekundenklebers für die Bewegung. Vera Haye vom Industrieverband Klebstoffe e.V. warnt in ihrer Sprachnachricht vor der unsachlichen Verwendung von Klebstoffen. Die Anwendung am eigenen Körper könne das menschliche Gewebe schädigen.

Sollte es doch zu einer Verklebung kommen, rät Haye dazu, nicht in Panik zu verfallen. „Mit viel lauwarmem Wasser ist dieser Klebstoff dann wieder gut löslich,“ so Haye. Das kann man im Fall der Klebeaktion am Finanzministerium nicht behaupten, der Polizeieinsatz dauerte wegen des aufwändigen Ablösens der angeklebten Hände über vier Stunden.

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