Schnittblumen werden häufig mit dem Flugzeug importiert. Foto: Philotheus Nisch
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Blumen Goldbeck in Wedding Warum Schnittblumen nicht per Flugzeug kommen müssen

Lilli Erasin ist anders als die meisten Floristinnen: Ihre Blumen kommen nicht vom anderen Ende der Welt.

Dass bei Blumen Goldbeck im Weddinger Sprengelkiez irgendetwas anders ist, merkt man schnell: Die Blüten riechen blumig, aber nicht aufdringlich süß. Die Farben der Blumen scheinen weniger grell. Und überhaupt fühlt man sich in dem kleinen Verkaufsraum ein wenig wie in einem historischen Filmset.

Denn anders, als in den allermeisten Blumenläden, kommen die Rosen, aber auch andere Blumen mit so bezaubernden Namen wie Knauzie, Wegwarte oder Schnee auf dem Berge eben nicht aus nicht vom anderen Ende der Welt, nicht aus Kenia, Sambia oder aus Ecuador. Sondern von der Gärtnerei Hirschgarten am anderen Ende Berlins oder, wie Lilli Erasin, die Geschäftsführerin von Blumen Goldbeck, erzählt, von „der Conny aus Bad Belzig“.

Blumen aus Übersee gibt es bei der Floristin Erasin nicht. Im Sommer sind fast zwei Drittel ihres Angebots ökologisch angebaut. Im Winter kommt das Sortiment aus Plantagen am Niederrhein, in den Niederlanden oder Italien, weiter sollen die Blumen nicht reisen müssen.

Lilli Erasin Foto: Alena Schmick Vergrößern
"Ich wurde immer grüner", sagt die Floristin Lilli Erasin. © Alena Schmick

Während bei Obst und Gemüse seit Jahren das Bewusstsein für Lieferwege, Anbaugebiete und CO2 stetig steigt und regionale Produkte sich einer gewissen Beliebtheit erfreuen, ist das Problembewusstsein bei Blumen noch gering. Um nicht zu sagen: nicht existent.

Dabei legt eine Rose aus einer kenianischen Plantage locker 6000 Kilometer zurück, bis sie - per Flugzeug - in Deutschland landet. Und das ist ein Problem. Im vergangenen Jahr wurden so allein knapp 300 Millionen Blumen im Wert von 40 Millionen Euro nach Deutschland importiert.

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Und die Alternativen sind oft karg, erzählt Erasin. Die ganze Floristikbranche sei auf den internationalen Großhandel ausgerichtet. Allein in der kleinen Stadt Aalsmeer bei Amsterdam werden täglich mehr als 20 Millionen Blumen gehandelt.

„Von einem Aldi-Kind wurde ich immer grüner“, sagt Erasin über ihre eigene Entwicklung. Sie sucht jetzt für Goldbeck immer die nachhaltigste Variante auf dem Markt.

Doch trotz der Bemühungen und Debatten um die drohende Klimakatastrophe bewege sich der Blumenhandel kaum. Conny aus Bad Belzig, erzählt Erasin, höre demnächst mit dem Anbau ganz auf. „Es rechnet sich nicht.“

Ihre Arrangements sind nämlich trotz allem kein Luxus: Ein kleiner Strauß aus Seitentrieben kostet gerade mal fünf Euro. Solche Blümchen werden in anderen Läden weggeworfen.

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