Blacklane - etwas teurer als Taxis. 2013 wollen die beiden Berliner Gründer Jens Wohltorf und Frank Steuer (auf dem Beifahrersitz) ihren Limousinen-Service auch ins Ausland lenken. Foto: Blacklane
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Blacklane Auf der Überholspur

Jens Wohltorf und Frank Steuer haben in Berlin den ersten bundesweiten Limousinen-Service ins Rollen gebracht.

Berlin ist Deutschlands Event-Metropole Nummer eins. Keine andere Stadt zwischen Nordsee und Alpen lockt mit so vielen Messen, Kongressen und Konzerten, mit so vielen Clubs, Vernissagen und Theaterpremieren internationale Besucher an. Und auch die Hauptstädter selbst gehen gerne aus. Doch viele Besucher und Berliner wollen sich nicht mit dem eigenen Auto durch die Stadt quälen. Taxen sind nicht jedermanns Geschmack. Das haben sich Jens Wohltorf (35) und Frank Steuer (40) zunutze gemacht. Die Beiden haben vor wenigen Monaten den Limousinenservice „Blacklane“ gegründet.

Die Jungunternehmer sitzen allerdings nicht selbst am Steuer der schwarzen Nobelkarossen, die seit Juni durch die Hauptstadt rollen: Sie lenken aus ihrer Firmenzentrale in der Kantstraße eine Flotte von rund 80 Limousinen im Raum Berlin. Etwa 120 weitere sind seit kurzem in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart unterwegs. Und das soll erst der Anfang der Limousinenservice-Erfolgsstory sein: Bis Ende des Jahres will das Gründer-Duo in insgesamt zwölf deutschen Städten mit 400 Fahrzeugen vertreten sein.

„Wir wollen die Dienstleistung Limousinenservice aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken.“ Jens Wohltorf weiß, wovon er spricht. Der promovierte Wirtschaftsingenieur war sechs Jahre lang für die Unternehmensberatung Boston Consulting Group fast täglich in Deutschland, Europa und der Welt unterwegs – oft im Taxi oder als Fahrgast von Limousinenservices. „Da habe ich den Unterschied kennengelernt“, berichtet er. Über unpünktliche, ortsunkundige und unfreundliche Taxifahrer habe er sich geärgert, über zuvorkommende, professionelle und diskrete Chauffeure in sauberen Fahrzeugen gefreut. Mit seinem ehemaligen Kollegen Frank Steuer, der über viel technisches Know-how verfügt, hob er die erste überregionale und unter einer Marke agierende Limousinenservice-Zentrale aus der Taufe. Die zwei Entrepreneure nahmen den Markt unter die Lupe und entwickelten ein Konzept. Anfang des Jahres entschieden sich die beiden Berliner endgültig zum Sprung in die Selbstständigkeit. Im Juni ging ihr Dienst online. Heute beschäftigen das Jungunternehmer-Duo fast 30 Mitarbeiter. Wie funktioniert die Dienstleistung von „Blacklane“? Der Kunde bucht über eine Hotline, die Website www.blacklane.com oder die Smartphone-App „Blacklane“ einen Wagen. Drei Klassen stehen zur Verfügung: Business Class, Business Van und First Class. In jedem Fahrzeug gibt es für den Gast eine Flasche Wasser, in vielen außerdem Zeitschriften. Die Wagen, vornehmlich Mercedes E-Klasse, Viano und S-Klasse, gehören jedoch nicht „Blacklane“, sondern Kooperationspartnern. Diese Dienstleister, „Einzelkämpfer-Unternehmer“ oder kleinere Chauffeurservices mit bis zu zehn Fahrzeugen, profitieren von Marketing, Vertrieb und der technologischen Plattform von „Blacklane“. Wohltorf: „Mit unseren Kunden können unsere Partner Leerkapazitäten optimal ausnutzen und zusätzliches Geschäft generieren.“ „Blacklane“ übernimmt auch das Inkasso. Rund fünf Prozent der Rechnungssumme verbleiben bei der Vermittlungszentrale, den Rest erhält der Chauffeur. Für Wohltorf „eine klassische Win-win-Situation“. Er ist bei „Blacklane“ der Mann für die Bereiche Marketing und Vertrieb, Finanzen und Unternehmensentwicklung, Steuer ist für die Bereiche Technologie und Operations, Produktmanagement und Online-Marketing verantwortlich.

Was kostet es, sich von einem Chauffeur zu einem Konzert oder vom Flughafen abholen zu lassen? „Man muss mit etwa zehn Prozent mehr rechnen, als wenn man ein Taxi ruft“, sagt Steuer. Kurzstrecken können aufgrund der teuren Fahrzeuge mehr kosten. Wartezeiten bis zu 15 Minuten werden nicht berechnet. Hat ein Flugzeug oder ein Zug Verspätung, wartet der Chauffeur kostenlos. Wenn ein Geschäftsreisender oder ein Tourist auf Meeting- oder Shopping-Tour mehrere Termine hintereinanderlegt, kann er sich eine Limousine zu einem Pauschalpreis buchen. Kosten: 48 Euro pro Stunde inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer. Bei Taxen sind es sieben Prozent. Das macht den Blacklane-Service besonders für Firmen interessant, denn eine Limousinenfahrt kann ohne Umsatzsteuer sogar günstiger sein als die mit einem Taxi. Gezahlt wird bargeldlos, Stammkunden bekommen monatlich eine Abrechnung. Die einzige Benachteiligung der Limousinen gegenüber den Taxis: Deren Spuren in Berlin dürfen sie nicht nutzen.

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