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SPD-Vize Kevin Kühnert Foto: promo
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„Zynischer Großgrundbesitzer“ SPD-Vize Kühnert attackiert Immobilien-Mogul nach Kritik am Mietendeckel

Roger Akelius wirft Rot-Rot-Grün vor, mit dem Mietengesetz „notleidende“ Kinder bestohlen zu haben. Kevin Kühnert spricht von „beispielloser Entgleisung“.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, Kevin Kühnert, hat Roger Akelius, den Gründer der Wohnungsfirma Akelius, nach dessen Kritik am Mietendeckel und der rot-rot-grünen Koalition in Berlin scharf angegriffen.

"Demokratische Beschlüsse und Gesetze zum Diebstahl zu erklären ist eine beispiellose Entgleisung", sagte Kühnert dem Tagesspiegel. "Hungernde Kinder in Kambodscha gegen Mieter:innen in Berlin auszuspielen, ist ein so absurdes Beispiel für Opferkonkurrenz, wie ich es selten erlebt habe."

Akelius hatte zuvor in einem Interview mit dem Tagesspiegel den Berliner Senat scharf angegriffen. Der 76 Jahre alte Schwede, dessen Firma über Stiftungen weltweit mehr als 44.000 Wohnungen besitzt, präsentiert sich als Wohltäter, der große Teile seines Kapitals nach eigenen Angaben für humanitäre Zwecke verwendet.

Auf die Frage, warum sein Unternehmen dann nicht auch geringere Mieten in Berlin verlange, antwortete Akelius: "Soll die Stiftung lieber den rot-rot-grünen Aktivisten helfen, statt 200 Kinder in Kambodscha vor dem Verhungern zu bewahren? Was ist das für ein Vorschlag?"

Die Firma Akelius basiere auf "solidem wirtschaftlichen Verhalten", Profite würden in eine Stiftung eingezahlt, die das Geld an ausgewählte Wohltätigkeitsorganisationen auszahlen würden. Mit dem Mietendeckel, und damit geringeren Einnahmen, hätte die Koalition seine Wohltätigkeit verhindert. "Rot-Rot-Grün stiehlt Geld von leidenden Kindern", sagte Akelius.

[Das Interview mit Akelius ist Teil einer europaweiten Recherche des Tagesspiegel und seiner Partner über Immobilienmärkte. Sie zeigt, wie internationale Investments den Berliner Wohnungsmarkt umwälzen. Jetzt Tagesspiegel Plus 30 Tage kostenlos testen.]

Kühnert bezeichnete den Schweden am Donnerstag als "zynischen Großgrundbesitzer, der mit Nebelkerzen von unangenehmen Vorwürfen abzulenken versucht".

Der ehemalige Juso-Vorsitzende, der für die SPD auch für den Bundestag kandidiert, sagte weiter: "Mit seinen höhnischen Äußerungen und Methoden befördert Akelius genau die aggressive Stimmung auf dem Berliner Wohnungsmarkt, die er beklagt. Allen, denen etwas am sozialen Frieden in der Stadt gelegen ist, muss ein solcher verbaler Ausfall große Sorgen bereiten."

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Kühnert erklärte, dass Akelius andere moralische Vorstellungen von einem gerechten Wohnungsmarkt vertrete als er selbst und die Mehrheit der Berliner Mieterinnen und Mieter. "Dieser Konflikt, in dem Akelius mit seinem rücksichtslosen Profitstreben eine klare Minderheitsposition vertritt, kann nur politisch beantwortet werden."

Akelius ist einer der teuersten Vermieter Berlins

Das Unternehmen Akelius hatte vor dem Mietendeckel-Aus für 2021 mit 23 Millionen Euro weniger Umsatz gerechnet. Das Unternehmen besitzt allein in Berlin mehr als 14.000 Wohnungen und wäre auch von einem möglichen Volksentscheid für die Enteignung großer Wohnungsunternehmen betroffen.

Laut Geschäftsbericht beträgt der Gesamtwert des Immobilienportfolios des Unternehmens 12,1 Milliarden Euro. Auf Berlin liegt dabei lange ein Fokus: 31,5 Prozent des Bestandes befinden sich in der deutschen Hauptstadt. Akelius gehört zu den teuersten Vermietern Berlins.

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