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Die Auseinandersetzungen zwischen Mietern und Vermietern werden nach dem Mietendeckel-Aus wieder schärfer. Foto: dpa
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„Zu früh gefreut“ Vermieter droht mit Kündigung – weil Bewohner Mietendeckel genutzt hatten

Eine Schöneberger Hausverwaltung möchte ihre Mieter loswerden. Sie garniert Emails an die Bewohner mit Drohungen und grinsenden Emojis. Die Mieter hatten wegen des Mietendeckels ihre Zahlungen gemindert.

Während viele Berliner Mieter:innen nach dem Aus des Mietendeckels vor finanziellen Problemen stehen, ist die Freude auf Seite von Vermieter:innen groß. Das haben einige Mieter:innen nun Schwarz auf Weiß: Mit „Zu früh gefreut“ beginnen E-Mails, in denen sich ihr Vermieter, wie berichtet, an sie gewandt hat. Zunächst hatte der Checkpoint darüber berichtet

Mittlerweile liegen dem Tagesspiegel weitere dieser Schreiben vor. Sie stammen von der Schöneberger Hausverwaltung Blaczko GmbH & Co. KG. In den ähnlich lautenden Nachrichten verlangen die Absender spätestens bis zum 23. April 2021 jegliche Mietminderung zurückzuzahlen. 

„Sollten wir bis dahin nicht die vollständige Nachzahlung ihres Mieternkontos (sic!) erhalten haben, werden wir dies unverzüglich an unseren Rechtsbeistand übergeben, was ihnen weitere Kosten verursachen wird“, schreibt das Unternehmen nach dem Karlsruher Richterspruch vom vergangenen Donnerstag.

Bei dieser Drohung belässt es der Vermieter nicht. Im darauf folgenden Absatz empfiehlt die Hausverwaltung den Bewohner:innen, das Mietverhältnis „so schnell wie möglich zu beenden“, garniert mit dem Zusatz: „solche Mieter brauchen wir nicht“, sowie grinsenden Emojis. Beendet werden die Nachrichten allesamt mit „FY“. Womöglich als Kurzform von „Fuck You“ gemeint.

Aus Sicht des Vermieters disqualifiziert die Mieter:innen offenbar, dass sie die Einhaltung des damals gültigen Mietendeckels eingefordert hatten. Mehrere Bewohner:innen berichten übereinstimmend, vom Eigentümer nie die gesetzlich vorgeschriebene Aufstellung der neuen Miethöhe nach dem Mietendeckel erhalten zu haben. Die Zahlung habe man letztlich nach eigener Berechnung selbstständig gesenkt, ohne darauf je eine Reaktion des Vermieters erhalten zu haben.

Hausverwaltung reagiert nicht auf Anfragen

Bei der Hausverwaltung machten sie sich damit offenbar unbeliebt. In weiteren E-Mails des Unternehmens, die wohl intern bleiben sollten und versehentlich an Bewohner:innen versendet wurden, heißt es in roten Lettern „mieter (sic!) geflaggt!“, also gewissermaßen auf eine Liste gesetzt, das sollte heißen: Diese Mieter:innen müsse man „loswerden“.

Unter den Mietparteien sorgen die Drohungen für Angst. „Es fühlt sich nicht gut an, so zu wohnen“, sagt ein Bewohner eines Hauses in Kreuzberg. Die Mieter:innen des Hauses beratschlagten nun gemeinsam, wie man weiter handeln wolle

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Sie überlegten, juristisch gegen die Hausverwaltung vorzugehen. Diese reagierte auf Anfrage des Tagesspiegels nur ausweichend und orthografisch falsch: „wie kommen sie darauf uns diese fragen zu stellen?“ Man kommuniziere nur mit Mieter:innen, hieß es auf erneute Nachfrage.

Verallgemeinern lässt sich der Fall auf andere Vermieter:innen jedoch nicht. So hat etwa Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia angekündigt, keine Rückzahlungen von seinen Mieter:innen zu verlangen.

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