Mischen possible. Klar, Kartentricks gehören zu Axel Hecklaus Standardrepertoire. Foto: Sven Darmer
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Zaubershow in der Kulturbrauerei in Berlin Immer ein Ass im Ärmel

Stella Marie Hombach
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Er trickst Führerscheine herbei und kaputte Bindfäden zusammen: Axel Hecklau ist Vizeweltmeister im Zaubern. Zu sehen ist er regelmäßig in der Kulturbrauerei.

Axel Hecklaus markantestes Merkmal ist sein Bart. Ein filigran gezwirbelter Schnauzer, der auf beiden Seiten in einem feinen Kringel endet. „Der Bart ist mein Markenzeichen“, sagt Hecklau – und zwar seit mehr als 30 Jahren. Axel Hecklau ist Zauberer. Im Juli flog der 52-Jährige sogar nach Südkorea und nahm dort an der Zauberer-Weltmeisterschaft in Busan teil. Mit nach Hause brachte er die Trophäe für den zweiten Platz sowie eine saftige Erkältung.

Nun sitzt Hecklau etwas angeschlagen in seiner Berliner Altbauwohnung in Pankow und erzählt, was ihn – einen „Jungen aus Hermsdorf“ – dazu brachte, sich für Zauberei zu interessieren.

„Gute Zauberei braucht immer eine Geschichte“

„Das war tatsächlich Zufall“, sagt Hecklau: Er war zwölf und wusste nicht, was er seinem Opa zum 70. Geburtstag schenken sollte. Dann fiel ihm die letzte Ausgabe seiner Yps-Hefte ein. Darin gab es eine Serie über Zauberei und ein paar Gimmicks zum Üben. Das brachte ihn auf die Idee, seinen Großvater mit einer Zaubershow zu überraschen: Er funktionierte das Bügelbrett seiner Oma um zum Zaubertisch und bekam seine ersten Standing Ovations.

Von da an ließ Hecklau die Zauberei nicht mehr los. Mit 16 trat er dem Magischen Zirkel Berlin bei, einem Verein für Zauberer, nahm an Wettbewerben teil und gewann seine ersten Pokale.

„Die meisten Menschen denken, beim Zaubern geht es nur um den Trick“, sagt Axel Hecklau und zückt einen weißen Bindfaden. „Gute Zauberei“, sagt er, „braucht immer eine Geschichte.“ Der Bindfaden, den er nun zwischen seinen Händen spannt, ist deshalb auch kein einfacher Faden. Er symbolisiert die Zeit – und Zeit, sagt Hecklau, ist relativ. Außerdem wird sie von uns vermessen: In Jahren, Monaten, Wochen, Tagen, Minuten, Sekunden. Für jede Zeiteinteilung knipst Hecklau ein Stück des Fadens ab. Dann formt er sie zu einem Knäuel – „das sind unsere Erinnerungen, die Momente, die wir aus dem Vergessen retten“, sagt er, zieht an einem der kaputten Fäden und der Faden ist wieder intakt.

„Je klarer ein Trick, desto beeindruckender“

Es ist ein kleines, ein nahezu unauffälliges Kunststück. Der Moment, in dem Hecklau aus den Stücken wieder einen ganzen Faden macht, ist dennoch magisch und macht deutlich: Ist der Trick gut gemacht, wird selbst die aus einem Stück Papier geformte Blume zum Mysterium.

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum er, abgesehen von seinem Kringelbart, so normal aussieht: Hecklau muss halt nicht aussehen wie ein Zauberer, er ist einer. Sein Bart ist übrigens eine Referenz an die Goldenen Zwanziger, eine Zeit, in der die Zauberei als Kunst gefeiert wurde.

„Je klarer ein Trick, desto beeindruckender“, sagt seine Frau. Sie ist Klavierlehrerin und kann mit Zauberei eigentlich nicht so viel anfangen. Als die beiden sich vor gut 20 Jahren kennenlernten und Hecklau ihr erzählte, dass er zaubert, fragte sie: „Und was machst du sonst noch?“ Sie dachte, es sei nur ein Hobby, „so wie andere Männer halt im Keller sitzen und mit ihrer Modelleisenbahn spielen". Dass Hecklau, der damals noch als Augenoptiker arbeitete, aus dem Zaubern mal einen Beruf machen würde, war ihr nicht klar.

„Für die meisten ist das Zaubern tatsächlich eher ein Zeitvertreib", sagt Hecklau. Denn wer wirklich gut sein will, muss üben. Es ist harte Arbeit. Für manche Kunststücke trainiere er nicht nur ein paar Stunden, sondern Tage. Seine Frau beschreibt ihn in solchen Phasen als nahezu „manisch“.

"Salon der Wunder"

Als Axel Hecklau Anfang 2002 entschied, sich mit der Zauberei selbstständig zu machen, trat er vor allem bei Hochzeiten und Firmenveranstaltungen auf. Besonders gerne erinnert er sich an seinen Besuch beim ehemaligen Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert. „Der ist ein richtiger Zauberfan“, sagt Hecklau. Wickerts Frau engagierte den Zauberer, es war ein Geschenk. Als Hecklau dann in Wickerts Küche stand, strahlten dessen Augen wie die eines Kindes zu Weihnachten.

Und da seine Zauberstücke derart gut ankamen, entwickelte Hecklau 2004 zusammen mit seinem Kollegen André Kursch eine eigene Show in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg. „Salon der Wunder“ nannten sie sie. Ein voller Erfolg, denn die Show gibt es bis heute. Nebenbei arbeitet Hecklau als Kreateur, das heißt, er denkt sich nicht nur eigene Tricks aus, sondern verkauft sie auch. Ein Zaubertrick, verrät Hecklau, kostet meist zwischen 20 und 150 Euro. Je nachdem wie aufwendig er ist.

Der Alltag wird zum Mysterium

Inspiration schöpft der 52-Jährige aus seinem Alltag. So kam er auch zu dem Kunststück, mit dem er letztendlich bei der Zauberer-WM antrat. Jeder kennt das: Man steht beim Bezahlen an der Kasse, kramt nach seiner EC-Karte und kann sie nicht finden. Dieses kleine Ärgernis im Alltag verwandelte Hecklau in ein „Mysterium“. Auf der Bühne borgt er sich den Führerschein eines Zuschauers und lässt ihn vor aller Augen verschwinden. Am Ende der Show taucht der Führerschein dann überraschend wieder auf – und zwar am anderen Ende der Bühne, in mehreren ineinandersteckenden und versiegelten Umschlägen, mit einem Schreiben des Fundbüros. Manchmal dürfen die Kunststücke dann doch etwas pompöser sein.

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