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Zähneknirschen hängt oft mit Kieferschmerzen zusammen. Beißschienen können Schäden an Zähnen verhindern. Foto: dpa/Christin Klose
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Zähneknirschen – Ursachen, Behandlung, Folgen Was bei Bruxismus hilft

Wer mit den Zähnen knirscht, leidet. Ursachen, Behandlungen und Folgen einer alten Volkskrankheit. Was Sie gegen Bruxismus tun können.

Meist erfährt man es erst von seinem Partner oder anderen Personen aus dem Umfeld. Man selbst merkt es oft gar nicht. Erst dann, wenn die Zähne anfangen zu kribbeln oder der Kopf und Kiefer schmerzen – oder beides. Oft wissen Betroffene nicht, dass sie – meist nachts – mit den Zähnen knirschen. Dass sie etwa 400 Kilogramm pro Quadratzentimeter Zahn auf Zahn pressen. Dass sie sich, mit zehn Mal so viel Druck wie üblicherweise beim Kauen aufgewendet wird, den Zahnschmelz runterreiben.

Bei Zähneknirschern wird der Kiefer zum Schraubstock. Oft ist Stress der Auslöser dafür. Die Corona-Pandemie hat bei vielen Menschen Stress ausgelöst. Einen direkten Zusammenhang zwischen Corona und Bruxismus gebe es zwar nicht, sagt Prof. Dr. Christoph Benz, Präsident der Bundeszahnärztekammer, auf Tagesspiegel-Anfrage. „Trotzdem haben wir beobachtet, dass in der Corona-Zeit rund 40 Prozent mehr Menschen Probleme mit dem Knirschen hatten als vor der Krise.“

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Die Folgen können schwerwiegend sein – genauso wie die Ursachen von Zähneknirschen. Was man gegen Bruxismus tun kann:

Zähneknirschen: Was genau ist eigentlich Bruxismus?

Bruxismus, also das Knirschen mit den Zähnen, ist eine sich wiederholende, übermäßig starke Aktivität der Kaumuskulatur. Ärzte unterscheiden hierbei zwischen Schlaf- und Wachbruxismus. Vielen Betroffenen ist ihr Knirschen oft gar nicht bewusst. Nicht selten raunt es einem der Partner in der Nacht zu, oder bei Kindern sind es oft die Eltern, die es als erste bemerken. Denn es ist nicht zu überhören.

Die übermäßige Aktivität in der Kiefermuskulatur äußert sich durch ein Knirschen oder auch Aufeinanderpressen der Zähne. Sie kann sich aber auch durch An- und Verspannungen im Kiefer selbst äußern.

Was kann Zähneknirschen verursachen?

Die Ursachen sind oft psychischer Natur. Dass Menschen im Wachzustand knirschen, liegt meist an Stress, Alltagssorgen und emotionaler Unausgewogenheit. Auch Angststörungen, Depression und soziale Vereinsamung können Ursachen für Zähneknirschen sein.

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Eine Fehlstellung der Zähne oder am Kiefergelenk kann als Auslöser für Wachbruxismus agieren. Knirschen im Schlaf gilt eher als Schlafstörung, als Bewegungsanomalie, als Folge von Alkohol, Drogen und Nebenwirkung von Medikamenten. Selten liegt die Ursache in Zahnfehlstellungen.

Zähneknirschen kann verursacht werden durch:

  • Stress
  • Fehlstellungen am Kiefergelenk (craniomandibuläre Dysfunktion)
  • Akoholkonsum
  • Koffeinkonsum
  • Rauchen
  • Reflux (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre)
  • Schnarchen
  • Schlafstörungen
  • Schlafapnoe
  • Erkrankungen wie Epilepsie
  • Medikamente
Ein Mann raucht eine Zigarette. Raucher haben ein erhöhtes Risiko, mit den Zähnen zu knirschen. Foto: dpa/Christoph Schmidt Vergrößern
Ein Mann raucht eine Zigarette. Raucher haben ein erhöhtes Risiko, mit den Zähnen zu knirschen. © dpa/Christoph Schmidt

Wie viele Menschen leiden an Zähneknirschen in Deutschland?

Dem Präsidenten der Bundeszahnärztekammer zufolge knirschen ungefähr 30 Prozent aller Erwachsenen unbewusst mit den Zähnen. Besonders häufig sei Bruxismus in der Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen.

Diese Erkenntnis deckt sich mit Daten der gesetzlichen Krankenversicherungen. Auf Anfrage des Tagesspiegels gab die BARMER an, dass Versicherte zwischen 25 und 30 Jahren am häufigsten Aufbissschienen bekommen - „und zwar deutlich mehr Frauen als Männer“.

Mit dem Alter nimmt das Zähneknirschen ab. Nicht einmal jeder 30. über 60-Jährige knirscht im Schlaf mit den Zähnen.

Zähneknirschen bei Kindern und Erwachsenen

Kinder knirschen sogar besonders häufig mit den Zähnen. Die Forschung debattiert noch, ob das vielleicht ganz normal ist.

„Sie befinden sich im Wachstum, ihre Zähne müssen sich mit den Jahren erst einmal 'zurechtruckeln'“, sagen die einen. Andere widersprechen dieser Aussage. Zähneknirschen sei bedenklich und eine Folge davon, dass Kinder und Jugendliche heute psychisch oft überfordert werden, argumentieren sie.

Bruxismus und seine Folgen: Wie gefährlich ist Zähneknirschen?

Knirschen kann verschiedene Folgen haben. Zunächst geht es den Zähnen buchstäblich an die Substanz. Das starke Pressen und Schieben reibt die Kauflächen regelrecht ab, es bilden sich kleine Risse im Zahnschmelz und Brüche an der Zahnhartsubstanz. Manchmal sprengt der Druck kleine Stücke Zahnschmelz ab. Generell können die Zähne schmerzempfindlich werden, sogar Zahnfleisch und Kieferknochen können sich bei durch Bruxismus zurückbilden.

„Der normale Kaudruck beim Essen liegt bei 40 Kilogramm auf einem Backenzahn“, erklärt Eric Bauer. „Beim Knirschen kann der Druck bis zu zehnmal so hoch sein. Auf Kräfte von 400 Kilo ist das menschliche Gebiss nicht ausgerichtet.“

Manche Zahnärzte nutzen bereits Technologie, die es möglich macht, Zähne zu fotografieren. Ein Backenzahn beispielsweise kann so für den Patienten wenige Sekunden nach dem Schnappschuss auf einen Monitor projiziert werden. Backenzähne, die vom Knirschen an Substanz verloren haben, gleichen dann einer Mondlandschaft. Der Zahnschmelz ist abgerieben, das weichere Innere des Zahns, das sogenannte Dentin, kommt zum Vorschein.

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Mithilfe von Röntgenbildern können Zahnärzte auch den Zustand von Zähnen und ihre Abnutzung genau unter die Lupe nehmen. So lässt sich unter anderem Karies erkennen.

Neben Zahnschmerzen kann Bruxismus zu anderen Beschwerden führen. „Die übermäßige Belastung des Kiefers kann Muskelschmerzen, Verspannungen und Kopfschmerzen auslösen“, so Benz. Die dauernde Anspannung kann die Kaumuskulatur anwachsen lassen wie Hanteltraining einen Bizeps. Verspannungen ziehen Schmerzen nach sich, die sich oft sogar als Kopfschmerzen äußern.

Schmerzen oder Fehlfunktionen von Kaumuskulatur, Kiefergelenke und Zähne

Dauerhaftes Knirschen ist somit ein Risikofaktor für eine craniomanidibulären Dysfunktion (CMD), also Schmerzen und/oder Fehlfunktionen von Kaumuskulatur, Kiefergelenke und Zähne. Eine Fehlfunktion äußert sich etwa darin, dass man den Mund nur noch eingeschränkt öffnen kann, der Kiefer beim Öffnen und Schließen knackt oder reibt oder die Zähne nicht richtig aufeinanderpassen.

Laut Bauer vermuten Wissenschaftler sogar einen Zusammenhang zwischen Zähneknirschen und dem Auftreten von Tinnitus. Beides ist schon häufiger gemeinsam beobachtet worden, doch ein Zusammenhang gilt als nicht belegt.

Eine Zahnschiene kann gegen die Abnutzung der Zähne durch Zähneknirschen helfen. Foto: imago images/vetkit Vergrößern
Eine Zahnschiene kann gegen die Abnutzung der Zähne durch Zähneknirschen helfen. © imago images/vetkit

Zähneknirschen in der Nacht: Was hilft bei Schlafbruxismus?

Welche Therapie zum Einsatz kommt, richtet sich nach dem Knirschgrund. Patienten, die im Schlaf knirschen, bekommen eine Beißschiene aus Plastik, die individuell ans Gebiss angepasst wird.  „Sie ist ein mechanischer Schutz, der Patient knirscht allenfalls die Schiene kaputt und nicht seine Zähne“, sagt Ingrid Peroz, Oberärztin am Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité.

Solche Aufbissschienen helfen, den Kaudruck zu mindern und das Kiefergelenk leicht auseinander zu ziehen. Sie muss nachts getragen werden. „Einigen Patienten ist das unangenehm“, so Peroz. „Doch vielen sind ihre Zähne so wichtig, dass sie die Schiene regelmäßig tragen.“

Zähneknirschen am Tag: Was hilft bei Wachbruxismus?

Anders verhält es sich, wenn der Patient im Wachzustand knirscht. „Beim Wachbruxismus werden Verhaltenstherapien eingesetzt, die darauf zielen, den Patienten das Pressen der Kiefer ins Bewusstsein zu rufen“, sagt Peroz. Sie kleben sich etwa einen Punkt an ihren Arbeitsplatz und sollen immer an ihren Kiefer denken, wenn sie den Punkt sehen. Auch Übungen zur Muskelentspannung helfen.

Ist Bruxismus heilbar?

Keine dieser Therapien kann Bruxismus auf Anhieb heilen. Mit der Zeit kann das Zähneknirschen aber nachlassen, was ohne Hilfsmittel jedoch nur schwer festzustellen ist. „Am besten ist es, wenn der Zahnarzt am Anfang der Behandlung einen Abdruck des Gebisses nimmt oder einen digitalen Scan vornimmt und zum späteren Vergleich aufbewahrt“, sagt Peroz.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es noch gegen das Knirschen?

Ein ähnliches Ziel verfolgt „Biofeedback“: Der Patient bekommt Sensoren auf die Wangen geklebt, die die Bewegungen des Kaumuskels an einen Apparat übertragen. Sobald die Kiefer aufeinanderpressen, piept es oder der Patient bekommt einen leichten elektrischen Impuls. „Der Apparat erinnert den Patienten daran, den Unterkiefer locker zu lassen“, sagt Peroz.

Einige Mediziner bieten Patienten auch an, Botox in den Kaumuskel zu spritzen und ihn so zu schwächen. Doch das ist umstritten. Die Wirkung lässt nach sechs bis acht Wochen nach. Und Botox ist dafür nicht zugelassen, der Arzt handelt auf eigenes Risiko.

Der Präsident der Bundeszahnärztekammer rät von Botox-Spritzen, die den Kiefer leicht lähmen, ab. „Es empfehlen sich sanftere Methoden wie Physiotherapie und progressive Muskelentspannung. Manchmal erledigt sich das Problem auch von alleine, wenn der auslösende Stress nachgelassen hat.“

Wer knirscht, sollte einfach mal entspannen!

Da Stress einer der Hauptgründe für das Mahlwerk im Mund ist, kann es helfen zu entspannen. Spaziergänge, Atemübungen, Entspannungsbäder und Pausen bei der Arbeit.

Gezielte Achtsamkeit und Entspannungsübungen können dazu beitragen, das Leiden zu lindern. So können beispielsweise Smartphone-Apps dabei helfen, sich selbst zu überprüfen. Nach einer Erinnerung schaut man, ob man gerade knirscht oder den Kiefer anspannt. Das kann vor allem gegen das Knirschen im Wachzustand helfen.

Entspannungsübungen sollen dazu beitragen, Stresszustände zu verringern. Kopfschmerzen sowie Kieferschmerzen können so gelindert werden.

Nicht selten empfehlen Zahnärzte auch eine Behandlung mithilfe von Physiotherapie. Meist dann, wenn neben dem Knirschen noch Probleme mit Kiefer und Kopf hinzukommen. Bei der Therapie sollen dann Verspannungen in der Muskulatur gelockert werden. Die Durchblutung wird angeregt und Kieferbewegungen werden trainiert. So kann die Anspannung gelöst werden.

Auch Medikamente zur Linderung der Schmerzen oder zur Muskelentspannung können zum Einsatz kommen. Ebenso kann Psychotherapie helfen, da der Stress, der das Zähneknirschen auslöst, psychische Ursachen haben kann.

Therapiemöglichkeiten gegen Zähneknirschen:

  • Aufbisschiene vom Zahnarzt
  • Achtsamkeits- und Entspannungsübungen
  • Verhaltenstherapien
  • Botox
  • Physiotherapie
  • Psychotherapie
  • Biofeedback
  • Medikamente

Wie wird Bruxismus diagnostiziert?

Merkt der Patient selbst, dass er mit dem Kiefer presst, oder wird er vom Partner darauf hingewiesen, sprechen Mediziner vom „möglichen Bruxismus“. Liegen klinische Befunde vor (scharfkantige, hochglänzende Abriebflächen, deutlich vergrößerter Kaumuskel), handelt es sich um einen „wahrscheinlichen Bruxismus“. Um von einem „sicheren Bruxismus“ zu sprechen, wird der Patient im Schlaflabor untersucht, Muskelaktivität mit Elektroden gemessen und gefilmt.

Eine Frau setzt sich eine Zahnschiene ein. Foto: PantherMedia / Andriy Popov Vergrößern
Eine Frau setzt sich eine Zahnschiene ein. © PantherMedia / Andriy Popov

Wie viel kostet eine Aufbissschiene gegen Zähneknirschen und wer zahlt?

Eine sogenannte Aufbisschiene schützt, verhindert aber nicht das Knirschen. Zähne werden vor grobem Schaden bewahrt und auch der eigene Geldbeutel, denn Zahnersatz ist teuer. Mit der Beißschiene wird nur noch das Stück Acrylglas im Mund malträtiert. Der Zahnschmelz bleibt also da, wo er sein soll.

Je nach Art der Schiene können die Kosten variieren und bis zu 800 Euro betragen. Das Zahnarzthonorar sowie die Kosten für die Herstellung der Knirschschiene und das dabei verwendete Material übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Gewöhnlich zahlt die gesetzliche Krankenversicherung eine Knirschschiene pro Jahr. Wer eine Funktionsanalyse (Gnathologie) oder eine hochwertigere Schiene möchte, muss selbst zahlen.

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