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In vielen Bezirken tagt die Politik noch heute in denselben Rathäusern wie vor 100 Jahren. Foto: imago
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Wohnungsnot, U-Bahn, Prügeleien Was die Berliner Bezirkspolitik vor hundert Jahren beschäftigte

Mit der Gründung von Groß-Berlin im Jahr 1920 bekam die Stadt ihre Bezirke. Zwölf Geschichten aus einer turbulenten Anfangszeit.

Im November 1920 konstituierten sich die neuen Bezirke Groß-Berlins. Wer wurde gewählt? Und worum gestritten? Die Autorinnen und Autoren unserer „Leute Newsletter“ haben zwölf historische Momente festgehalten.

Reinickendorf: „Humboldtstadt“ abgelehnt

Die Geschichte des 20. Bezirks von Groß-Berlin begann mit einer Enttäuschung. Die Honoratioren von Tegel bis nach Hermsdorf und Lübars wollten das neu zu bildende Gemeinwesen nämlich nach dessen prominentesten Söhnen benennen, nach den im Schloss Tegel aufgewachsenen Universalgelehrten Alexander und Wilhelm von Humboldt.

Aber die Stadtverordneten folgten, sei es aus Neid oder mangels Bildung, dem Vorschlag der Verwaltung und gaben dem neuen Bezirk den Namen seines größten Dorfes: Reinickendorf. In der Straße Alt-Reinickendorf 38 war der erste Amtssitz des Bürgermeisters. Als erstes besetzt Kurt Reichhelm diesen Posten, der praktischerweise vorher schon das namensgebende Dorf regierte.

Die Verordneten tagten aber im viel prächtigeren Rathaus von Wittenau. Die Wittenauer waren durch Industrie reich geworden, und protzten mit einem neuen Amtssitz, von dem ein Architekturkritiker sagte: „Hier stehen wir vor einem Werk, bei dem Meister, Gewerbe und Kunstgewerbe ihr Bestes gaben.“

Reinickendorfs Bezirksvorsteherin Kerstin Köppen beruft ihr Gremium noch immer im historischen Saal vom Rathaus in Wittenau. Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Reinickendorfs Bezirksvorsteherin Kerstin Köppen beruft ihr Gremium noch immer im historischen Saal vom Rathaus in Wittenau. © Kitty Kleist-Heinrich

Dabei hieß Wittenau erst ab 1905 so. Vorher trug es den Namen Dalldorf. Da lag die größte Irrenanstalt Berlins. Die Assoziation gefiel den Lokalpatrioten nicht. Sie konnten nicht ahnen, dass Kundige heute noch von Dalldorf sprechen. Gerd Appenzeller

Friedrichshain-Kreuzberg: Bezirk der guten Laune

Kaum jemand weiß noch, dass die neu gebildeten Bezirke von Groß-Berlin ein Jahr lang provisorisch mittels römischer Zahlen benannt waren. So hießen Friedrichshain und Kreuzberg, im Volksmund „Hallesches Tor“, zunächst nur Verwaltungsbezirk V und VI.

Erst am 13. September 1921 legte die Stadtverordnetenversammlung einen Beschluss vor, der besagte, dass die Bezirke nach Namen statt nach Zahlen benannt werden sollten.

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Bei den Bezirken V und VI wählten die Stadtverordneten nicht Namen aus den bereits bestehenden Stadtquartieren aus, sondern völlig neue: nach dem Volkspark Friedrichshain und dem Kreuzberg, auf dem 100 Jahre zuvor das „Nationaldenkmal für die Befreiungskriege“ errichtet wurde.

Das Denkmal auf dem Kreuzberg im Viktoriapark. Foto: Paul Zinken/dpa Vergrößern
Das Denkmal auf dem Kreuzberg im Viktoriapark. © Paul Zinken/dpa

Warum Namen von Parks? „Unsere Deutung dazu ist, dass die Benennung ‚Imagepolitik' war“, sagt Historiker Dominik Juhnke. Man wollte Namen ohne schlechten Ruf – oder: Gute-Laune-Namen. Corinna von Bodisco

Neukölln: Hochburg der SPD

Imagepolitik beschäftigte auch die junge Stadt Neukölln. 1912 wurde sie von Rixdorf umbenannt. Das Lied „In Rixdorf ist Musike“ erzählt noch heute davon, wie die „unsittlichen“ Feierlustigen in den östlichen Teil des zukünftigen Groß-Berlins zogen.

Ob die Umbenennung geholfen hat, ist fraglich. Neukölln hatte vor der Eingemeindung einen eigenen Steuersatz, viel niedriger als in den wohlhabenderen Gegenden wie etwa Charlottenburg. Andere zukünftige Bezirke, vor allem Villenvororte wie Frohnau, beklagten die Eingemeindung ärmerer Bezirke, aus Angst als Teil Groß-Berlins die entstehenden Kosten mittragen zu müssen.

Schon 1912 änderte die damalige Stadt Rixdorf ihren Namen zu Neukölln. Foto: picture alliance / dpa Vergrößern
Schon 1912 änderte die damalige Stadt Rixdorf ihren Namen zu Neukölln. © picture alliance / dpa

Besonders im proletarisch geprägten Neukölln, konnte man die Spannungen zwischen den linken Strömungen spüren. Als Alfred Scholz (SPD), noch vor der Eingemeindung, am 12. Dezember 1919 zum Stadtverordnetenvorsteher ins Amt eingeführt wurde, verließ die USPD (Unabhängige sozialdemokratische Partei) demonstrativ den Raum. Trotzdem: Scholz blieb nach der Bildung Groß-Berlins Bezirksbürgermeister, der erste von bislang 18.

Vielleicht begann da eine weitere Neuköllner Tradition: die der SPD, die nur durch die NS-Zeit und insgesamt 4 CDU-Bezirksbürgermeister der CDU unterbrochen wurde. Carlotta Cölln

Spandau: Eingemeindung zwecklos

Eingemeindung? Spandau hatte genug mit sich selbst zu tun. „Manche Themen wirken erstaunlich aktuell: Wohnungsnot, Naturschutz versus Bauland, U- und S-Bahn-Erweiterung, Zusammenstöße zwischen linken und rechten Kampfverbänden, die im nach wie vor militärisch geprägten Spandau für politische Unruhe sorgten“, erzählt Urte Evert, Museumschefin der Zitadelle. „Das alles war prägend für Spandau um 1920 und grundlegend für die heutige Selbstwahrnehmung Spandaus.“

Das stolze Rathaus war neu, nicht mal zehn Jahre alt. Spandaus Fläche vergrößerte sich enorm: Landgemeinden, Dörfer und Gutsbezirke kamen hinzu. Für manche war es eine doppelte Eingemeindung: nach Spandau und nach Berlin.

Wer kann hier nicht selber rechnen? Das Rathaus Spandau. Foto: Getty Images/iStockphoto Vergrößern
Im neuen Bezirk Spandau war 1920 für viele eine doppelte Eingemeindung. © Getty Images/iStockphoto

„Sechs Parteien wurden in die erste Bezirksversammlung gewählt: USPD, SPD, DDP, DVP, Zentrum und die DNVP“, berichtet das „Spandauer Volksblatt“. 1921 dann die Wahl: Neuer Bürgermeister wurde der parteilose Martin Stritte, früherer Ortsvorsteher in Tegel. Er blieb bis 1933 im Amt.

Strittes Name steht noch heute auf der Tafel aller 100 Spandauer Bürgermeister im Rathausflur, übrigens 100 Männer, aber das ist ein anderes Thema. In den 20er Jahren wurden Mietshäuser gebaut, Kieze verdichtet. Und in Haselhorst entstanden Pläne für eine Siedlung mit 3500 Wohnungen, der Gründungsort der heutigen Gewobag. André Görke

Treptow-Köpenick: Von Teltow nach Berlin

Anders als in Spandau gab es im Südosten keinen großen Widerstand gegen die Eingemeindung in Groß-Berlin. Es überwiegte freudige Erwartung der meist SPD-geführten Kommunen, sich aus dem engen Korsett des konservativ geprägten Landkreises Teltow befreien zu können.

Beeindruckende Backsteingotik: das Rathaus Köpenick. Foto: Imago Vergrößern
Beeindruckende Backsteingotik: das Rathaus Köpenick. © Imago

Köpenick sprach sich klar für die Eingemeindung aus, hier schlug man sogar vor, weitere Gemeinden mitaufzunehmen: Grünau, Altglienicke, Bohnsdorf, Schmöckwitz, Müggelheim, Rahnsdorf und Friedrichshagen, damals vor allem als Villenkolonien bekannt. Bürgerliche Kreise hatten unter dem Schlachtruf „Los von Berlin!“ gegen die Eingemeindung agitiert, doch bei der Wahl 1921 erhielt ihre Wahlliste nur 17,3 Prozent der Stimmen.

In Köpenick lag die SPD vorne, mit knapp 25 Prozent der Stimmen. Zusammen mit der USPD und den Kommunisten hatte das linke Lager 52,3 Prozent. In Treptow war die Dominanz von SPD, USPD und Kommunisten mit 57 Prozent noch größer, wobei sich Kommunisten und SPD schon damals lieber stritten als gemeinsam gegen die aufkommenden Bedrohung von rechts vorzugehen. Thomas Loy

Steglitz-Zehlendorf: Ein Rowdy wird Bürgermeister

Ein Reviergärtner aus dem Botanischen Garten sorgte in den Anfangsjahren der Steglitzer Bezirksversammlung immer wieder für politisches Aufsehen — und fast für Prügeleien. Albert Wiebach war ab 1921 der erste Steglitzer Bezirksverordnete der KPD.

Der impulsive Redner habe sich in seiner zwölfjährigen Zeit als Verordneter immer wieder sowohl mit den Sozialdemokraten als auch mit den Nationalsozialisten angelegt, sagt der Historiker Philipp Kufferath.

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„Ungeheuerliche Anklagen schmetterte der kommunistische Redner Wiebach in den Saal“, „Hanswurst“ und „Lump“ wurde gerufen, berichtete der „Steglitzer Anzeiger“. Und dann stürzte sich der KPD-Mann auf den Sozialdemokraten Balkow: „Bei einem Haar wäre es zu einer allgemeinen Keilerei gekommen.“

Das war 1929. 1933 wurde Wiebach von der Gestapo verhaftet und 18 Monate lang in Plötzensee eingekerkert. 1945 ernannte ihn die sowjetische Kommandantur zum Bürgermeister — und zwar in Teltow. Boris Buchholz

Charlottenburg-Wilmersdorf: Debatte um Fahrraddiebstahl

Im reichen und stolzen Charlottenburg, das schon seit 1705 eine selbstständige Stadt gewesen war, gab es starken Widerstand gegen die Eingemeindung nach Groß-Berlin. Vielleicht auch deshalb tagte noch einen Monat nach deren Inkrafttreten eine „Stadtverordnetenversammlung“ im Rathaus Charlottenburg, erst ab dem Januar 1921 wurde diese zur Bezirksversammlung.

Von Stadt zu Bezirk: Im Rathaus Charlottenburg, wie in vielen Bezirken, war man über die neue Großstadt nicht nur erfreut. Foto: Imago Vergrößern
Von Stadt zu Bezirk: Im Rathaus Charlottenburg, wie in vielen Bezirken, war man über die neue Großstadt nicht nur erfreut. © Imago

Wie die ersten Debatten verliefen, lässt sich kaum nachvollziehen. Im Archiv des heutigen „Verwaltungsinformationszentrums“ sind zwei Tagesordnungen erhalten, die aber nicht auf hitzige Diskussionen hindeuten.

Stattdessen ging es um Gelder für die Feuerwehr, die Volkshochschule und Badeanstalten, um die Wahl einiger Ausschussmitglieder oder sogar auch nur um die „Ersatzbeschaffung eines gestohlenen Fahrrads“. Arthur Scholtz von der nationalliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) wurde im Februar 1921 zum ersten Bürgermeister gewählt; drei Jahre später stieg er zum Berliner Bürgermeister auf. Cay Dobberke

Tempelhof-Schöneberg: Politik für Bezirk und Reichstag

In der 1920 gewählten ersten Bezirksversammlung Schönebergs zeichnete sich bereits eine Mehrheit für die national-liberalen bis -konservativen Parteien ab. In der wiederholten Wahl 1921 wurde die Mehrheit größer und verschob sich vor allem zugunsten der Deutschnationalen Volkspartei, die 13 der 45 Sitze hielt.

Sie stellte auch den ersten Schöneberger Bezirksbürgermeister Emil Berndt, der bis 1933 im Amt blieb. Gleichzeitig gehörte Berndt dem Reichstag an; das war damals keine Seltenheit. Dort traf er auf einen berühmten Schöneberger aus dem gegnerischen Lager: Eduard Bernstein, einen wichtigen sozialdemokratischen Theoretiker.

Er war zuvor als Stadtrat der damals noch unabhängigen Stadt Schöneberg ebenfalls aktiv gewesen. Bernstein setzte sich 1924 äußerst kritisch mit einer Reichstagsrede Berndts auseinander und warf ihm vor, Deutschland von der Kriegsschuld freizusprechen. 

Auch Schöneberg hatte ein rapides Wachstum hinter sich, als das dritte und bis heute erhaltene Rathaus 1914 errichtet wurde. Foto: Imago Vergrößern
Auch Schöneberg hatte ein rapides Wachstum hinter sich, als das dritte und bis heute erhaltene Rathaus 1914 errichtet wurde. © Imago

Bei aller nationalen Politik musste Berndt auch das bezirkliche Tagesgeschäft erledigen. Allein in den Jahren 1920/21 berieten die Verordneten über 202 Vorlagen des von ihm geführten Bezirksamtes. Sigrid Kneist

Lichtenberg: Größter Straßenbahnhof der Welt

In Lichtenberg erlangte die USPD die Mehrheit, am 26. November 1920 wurde aus ihren Reihen der Gastwirt Gustav Tempel zum Vorsteher gewählt, erzählt Jürgen Hofmann, Historiker, der auch für die Linksfraktion in der BVV sitzt.

Hofmann kennt sich mit der Geschichte seines Bezirks aus: 2016 erschien sein Buch über Lichtenbergs ersten Bürgermeister Oskar Ziethen. Bis 1921 stand dieser dem Bezirk vor, er war ein großer Befürworter des Zusammenschlusses von Groß-Berlin. Dadurch gehörte schon ab 1912 die Stadt zum Zweckverband Groß-Berlin.

Ein Ziel Ziethens war die bessere Bahnanbindung Lichtenbergs: 1913 eröffnete der Straßenbahnhof in der Siegfriedstraße, als damals größter der Welt. Heute ist hier der Betriebsbahnhof Lichtenberg der Berliner Verkehrsbetriebe. Robert Klages

Mitte: Bezirksversammlung in der Schule

Ein kleiner Holztisch am Fenster, ein paar Akten und ein Stempelkissen: Das war das spartanische Bürgermeisterzimmer von Carl Leid. Das Mitte Museum hat solche Erinnerungen für die Ausstellung zu 100 Jahren Großberlin in Mitte gesammelt. Auf einem Foto blickt Leid streng durch runde Brillengläser. 

Carl Leid, Weddings erster Bezirksbürgermeister. Aufnahme aus dem Jahr 1927 vom Atelier Georg Wilke. Foto: Mitte Museum / Bezirksamt Mitte von Berlin Vergrößern
Carl Leid, Weddings erster Bezirksbürgermeister. Aufnahme aus dem Jahr 1927 vom Atelier Georg Wilke. © Mitte Museum / Bezirksamt Mitte von Berlin

Der Sozialdemokrat wurde 1921 der erste Bürgermeister in Wedding; der damalige Bezirk hatte sich neben Mitte und Tiergarten gerade gegründet. 45 Bezirksverordnete vertraten zukünftig gut 337 000 Einwohner, zweitgrößter Bezirk der neuen Großstadt. Die Aula der Gemeindeschule Pankstraße war Ort der ersten konstituierenden Sitzung, ein Rathaus wurde erst ab 1928 gebaut.

Im „roten Wedding“ lebten durch die ansässige Industrie viele Arbeiter und Arbeiterinnen. Auch Leid war seit seinem 17. Lebensjahr Gewerkschaftsmitglied. USPD, SPD und KPD hatten hier ihre Wählerhochburgen und wurden stärkste Parteien.

Dass heute im Volkspark Rehberge ein Weg nach Carl Leid benannt ist, ist kein Zufall. Er hatte sich damals für den Bau der Grünanlage eingesetzt. Auch den Wassersportplatz Plötzensee haben die Weddinger ihm zu verdanken.

1933 wurde der Sozialdemokrat vom NS-Regime aus den Amt entlassen. Leid starb am 16. Januar 1935 in Berlin. Ein Ehrengrab auf dem Urnenfriedhof Seestraße erinnert heute an ihn. Julia Weiss

Pankow: Tod am Rednerpult

„Der Tod unseres Paul John zeigt nur zu sehr, welchen seelischen und geistigen Belastungen die Männer ausgesetzt sind, die als Vertrauensleute des Proletariats auf verantwortliche Posten berufen wurden“, stand am 17. September 1925 in der sozialdemokratischen Parteizeitung „Vorwärts“.

Der erste Bezirksbürgermeister von Prenzlauer Berg, Paul John (SPD), war am Abend zuvor während der Bezirksversammlung an einem plötzlichen Herztod gestorben. Laut Parteizeitung, deren Redakteur er einst selbst war, hatten ihn kurz vor seinem Zusammenbruch Mitglieder der Deutschen Volkspartei befragt, ob die kürzlich erfolgte Beförderung von Beamten im Zusammenhang mit deren sozialdemokratischer Gesinnung stand.

In der Zeitung heißt es weiter: „Es wird in der Berliner Arbeiterschaft unvergessen bleiben, dass Genosse John in einem Augenblick sein von harter Arbeit erfülltes Leben beendete, als er von Deutschnationalen und Volksparteilern in nicht zu überbietender Weise angegriffen wurde.“

Paul John, geboren 1868 in Berlin, soll in einer mittellosen Familie aufgewachsen sein und eine harte Kindheit gehabt haben. Doch als Schriftsetzerlehrling hatte er sich aus den schlechten Verhältnis befreit.

Seine knapp fünfjährige Amtszeit, die am 2. April 1921 begann, war bedeutend: Er leitete die erste selbstständige Verwaltung von Prenzlauer Berg. Sogar der Name geht auf ihn zurück – ursprünglich hieß der Bezirk Prenzlauer Tor. Joana Nietfeld

Marzahn-Hellersdorf: Aufbruch als Marathon

Die demokratische Entwicklung der politischen Einheit Marzahn-Hellersdorf ist weit jünger als hundert Jahre. Zwar wurde das Gebiet von Marzahn-Hellersdorf schon 1920 Teil von Groß-Berlin, eigenständig wurde es erst mit der Bezirksgründung 1979 unter dem Namen Marzahn, 1986 in die Bezirke Marzahn und Hellersdorf aufgeteilt und 2001 zusammengeführt.

Die ersten Schritte fielen in die Zeit der friedlichen Revolution der DDR — den Runden Tischen ab Dezember 1989. Zu den freien Wahlen der Stadtbezirksversammlungen am 6. Mai 1990 hatte das alte Regime noch viele Anhänger, in beiden Bezirken wurde die PDS stärkste Kraft. Durch Zählgemeinschaften kam dennoch die SPD an die Spitze: Andreas Röhl wurde Bürgermeister in Marzahn, Marlitt Köhnke Bürgermeisterin in Hellersdorf.

Der Aufbruch war mit Ausdauer verbunden: Die konstituierende Sitzung in Hellersdorf im „Haus der Parteien“, dem ehemaligen Sitz der SED-Kreisleitung, dauerte über neun Stunden. Kein Wunder, denn der Versammlung gehörten 120 Mitglieder an.

In Marzahn waren es ebenfalls nicht weniger als 105, sie trafen sich in der Hochschule der Deutschen Volkspolizei „Karl Liebknecht“. Ingo Salmen

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