Die Kinderscheune, ein bunt bemalter und ausgebauter Bauwagen neben dem Kräutergarten. Foto: Daniela Martens
p

Wochenendtipp für Berlin und Brandeburg Auf Radtour mit Kind zum Familienbauernhof in Gatow

3 Kommentare

Entlang der Havel zum Familienbauernhof: Unsere Autorin hat eine kinderfreundliche Route für eine Radtour gefunden – die auch ihr vierjähriger Sohn fahren kann.

„Mama, wann kann ich endlich wieder mit meinem Fahrrad fahren?“ Das fragt mich mein vierjähriger Sohn oft. Die Fahrt zur Kita dauert mit seinem eigenen kleinen Fahrrad so lang, dass wir das selten machen. Er radelt viel seltener, als er gern möchte, und sitzt stattdessen oft im Fahrradkindersitz hinter mir.

Damit er mal so richtig in die Pedale treten kann, wollen wir zu seiner ersten längeren Tour aufbrechen. Aber welche Strecke eignet sich für so kleine Radfahrer? Möglichst eine mit Spielplätzen, Eiscafé und Tieren als Etappenzielen! Wir überlegen schließlich, vom Olympiastadion mit dem Rad Richtung Kladow zu fahren, und zwar zum Kinder- und Familienbauernhof Vierfelderhof in Gatow. Das ist ein passendes Ziel für eine Kindertour, finde ich. Mein Sohn auch.

Am Olympiastadion saust er mit seinem weiß-grünen Flitzer los. Sein Papa auf dem Rennrad und ich mit meinem schwer bepackten Tourenrad hinterher. Ich bin auf alle Hunger-, Durst- und Wetterfälle vorbereitet, deshalb das große Gepäck. Das meiste werde ich – wie immer – nicht brauchen.

Der Weg zum S-Bahnhof Pichelsberg ist das erste Highlight, zumindest für meinen Sohn: „Das rumpelt so lustig“, ruft er, als er über Baumwurzeln, Löcher und Steine holpert.

Radeln zur zur Scharfen Lanke

Kurze Zeit später erreichen wir die Heerstraße. Dort gibt es zwar einen Radweg, aber er ist so schmal und verläuft so dicht neben den Autos, dass uns dieses Stück der Strecke nicht viel Spaß macht. Aber es ist zum Glück nur kurz. Bei der Fahrt über die Freybrücke liegt die Havel tief unter uns und mein Sohn fragt ängstlich, ob man da runter und ins Wasser fallen könne. Nein, nein, beruhige ich ihn und zeige ihm das stabile Geländer. Er ist trotzdem froh, als wir auf der anderen Seite ankommen.

Einige Hundert Meter noch vorsichtig über eng zugeparkte Bürgersteige durch den alten Ortskern, dann biegen wir in eine Schrebergartenkolonie ab. Mein Sohn saust vor, vorbei an den Garten- und Wochenendhäuschen bis zum See Scharfe Lanke, einer Bucht der Havel. Er liebt es, wenn er schneller ist als wir, und ruft dabei gern: „Yippieh!“

Der See liegt vor uns in der Sonne, voller Segelboote und gesäumt von Bäumen. Selbst bei trübem Wetter kommt sofort ein Urlaubsgefühl auf. Mein Sohn hat angehalten, um die Boote zu studieren. Wir überlegen uns, in welchem der Häuschen wir gern ein Sommerwochenende verbringen würden, während wir den promenadenartigen Weg entlangradeln.

Im Segelclub SC Gothia gibt es ein Restaurant und Café mit einem Garten voller Spielgeräte und Blick auf den See. Hier könnten wir für unsere erste Rast halten, aber wir fahren lieber daran vorbei, denn wir wissen schon, dass gleich noch ein Eiscafé kommt. Doch vorher hört die Promenade leider auf, wir müssen einer kleinen Straße ohne Gehweg folgen. Die Autos fahren hier zum Glück nur Schrittgeschwindigkeit, unser Sohn fährt rechts neben meinem Mann. So geht es. Wir haben Glück, obwohl wir spät dran sind. Bevor das Eiscafé in dem hübschen hellblauen Holzhaus schließt, bekommen wir jeder noch eine Kugel.

Man könnte überall picknicken

Nach einer Weile geht die Straße in einen der besten Radwege über, die Berlin zu bieten hat: Auf glattem Teer saust man unter Bäumen entlang, immer mit Blick aufs Wasser. Mein Sohn ist begeistert und strampelt mit seinem Vater um die Wette: „Ich bin schneller!“, ruft er. Und mein Mann lässt ihn der Schnellste sein. „Yippieh!“

Hier könnte man überall anhalten und picknicken, zum Beispiel auf einer schönen Obstbaumwiese. Aber wir brauchen jetzt noch nicht wieder eine Pause. Nur einmal halten wir an, um eine Maus zu beobachten, die ins Unterholz flüchtet.

Auch einen Spielplatz mit Klettergerüst gibt es auf der Weide. Foto: Daniela Martens
p

In Gatow ist der Superradweg leider zu Ende. Wir fahren an der Feuerwache vorbei, die auch als Attraktion für Kinder durchgehen kann mit dem großen Plastikbären in aufgemalter Feuerwehruniform vor dem Tor, überqueren die viel befahrene Gatower Straße und fahren auf der Buchwaldzeile weiter, an besonders hübschen alten Bauernhäusern mit verwunschenen Gärten und einer hölzernen Bockwindmühle vorbei. Mein Sohn meckert über das unebene Pflaster und die Schlaglöcher. Also im Prinzip über den gleichen Fahrbahnbelag, der ihm am Anfang der Tour noch so gefallen hatte. Und er merkt gar nicht, wie schön es hier ist.

Wir sind jetzt fast neun Kilometer gefahren – war das jetzt schon zu viel? So kurz vor dem Bauernhof können wir jedenfalls nicht aufgeben, knapp einen Kilometer muss er noch durchhalten. Zum Glück haben wir ein attraktives Ziel, das ist wichtig bei einer Kindertour. So kann man kleine Radler etwas länger bei der Stange halten. „Guck mal, da sind Pferde auf der Weide“, sage ich. Pferde mag mein Sohn besonders gern, aber in diesem Moment kann ihn nicht einmal das aufheitern. „Wann sind wir endlich beim Bauernhof?“, fragt er jetzt alle paar Meter. „Gleich“, antworte ich. „Nur noch einmal abbiegen.“ Und dann geht es auch schon rechts ab in den Groß-Glienicker Weg. Kurz darauf sehen wir von Weitem endlich den Hof.

Besuch bei den Ziegen auf dem Vierfelderhof in Gatow. Foto: Daniela Martens
p

Spielplatz mit Klettergerüst auf der Weide

Als Erstes hören wir das Gegacker der Hühner und Gänse, dann sehen wir die Schweine, noch bevor wir die Fahrradständer erreicht haben. Ein Plakat neben der Weide macht deutlich, dass die Tiere irgendwann als Wurst enden werden. „Wirklich?“, fragt mein Sohn entsetzt. Damit Stadtkinder so etwas und noch mehr über Landwirtschaft lernen können, gibt es diesen Bio-Hof. Er ist ein gemeinnütziges Projekt. Auch Kurse für Kitas und Schulen werden hier angeboten, in einem Hofladen und einem Hofcafé hofeigene Erzeugnisse verkauft.

Nachdem wir die Räder angeschlossen haben, besuchen wir die Ziegen. Mein Sohn ist begeistert, dass sie einen eigenen Spielplatz mit Klettergerüst auf der Weide haben, auf den keine Kinder dürfen. „Die werden aber nicht gegessen, oder?“, fragt er. Nein, antworte ich und hoffe, dass das stimmt. In einem bunt bemalten und ausgebauten Bauwagen neben dem Kräutergarten können Kinder malen, allerlei Spielsachen liegen auch bereit. „Kinderscheune“ steht groß über dem Eingang. Nachdem mein Sohn alles ausprobiert hat, gibt es als Stärkung und Belohnung für die anstrengende Tour einen Kakao. Wir sitzen an einem der langen Tische neben dem alten Traktor, auf den Kinder klettern dürfen. Der große Mähdrescher ist nur zum Ansehen. Auf den Stämmen eines Klettergerüsts balanciert mein Sohn und hangelt sich an Seilen entlang.

Am liebsten würde er noch bleiben. Aber wir müssen weiter, weil wir die letzte Fähre von Kladow nach Wannsee erreichen wollen. „Ach manno“, sagt er und schwingt sich wieder in den Sattel. Wir fahren auf einem Schotterweg in den Wald, es geht leicht bergauf. Nach einer Weile wird klar: Das ist kein guter Weg für Kinder. Er meckert und kommt kaum vorwärts. Der Papa schiebt von hinten. Irgendwann stürzt der Kleine trotzdem. Er tut sich aber nur ein wenig weh, weil es fast in Zeitlupe geschieht. Wir drehen um und fahren zur Hauptstraße, die hier Kladower Damm heißt. Sie ist viel befahren, hat aber einen Radweg. Bald sind wir wieder am Wasser und auf so glattem Asphalt unterwegs, dass mein Sohn seine Müdigkeit vergisst und wieder ordentlich Gas gibt. Wir nutzen seinen Elan, radeln durch den Gutspark Neukladow, lassen die Badestelle an der Havel links liegen und lotsen ihn auch um den besonders schönen Spielplatz „Räuberland“ herum, wo es ein Piratenschiff gibt, einen Kletterparcours, Hexenhäuschen und eine lange Dunkelrutsche.

Am Anleger in Kladow angekommen ist der Vierjährige müde. Aber er ist stolz, seine erste Tour geschafft zu haben. Er hat sich wacker geschlagen und bei aller Anstrengung auch viel Spaß gehabt. Dann legt auch schon die Fähre an. Wir werden bestimmt bald mal wieder mit den Rädern losdüsen. Mal sehen, ob er mit fünf vielleicht schon seine erste zweitägige Tour schafft.

Der Text stammt aus dem Magazin "Tagesspiegel Radfahren 2018/19" (9,80 Euro, erhältlich am Kiosk und im Tagesspiegel-Shop). Die Tour von Daniela Martens mit genauer Wegbeschreibung, detaillierter Karte und Gpx-Track zum Nachfahren finden Sie hier zum Download.

Mehr zu Spandau