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Die Krise ist noch lange nicht vorbei. Der stationäre Einzelhandel musste starke Umsatzeinbußen hinnehmen - wie andere Branchen auch. Eine florierende Wirtschaft ist laut UVB erst 2023 wieder in Sicht. Foto: imago images/Ralph Peters
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Wirtschaftliche Erholung erst 2023? Corona-Gelder kommen zu langsam – Unternehmer fordern Hilfe von Berlin

Der Senat soll Unterstützung möglich machen, bis die Zahlungen des Bundes kommen. Bis die Wirtschaft sich in Berlin und Brandenburg erholt, kann es dauern.

Wie ist der richtige Umgang mit der Pandemie und was muss passieren, damit die Wirtschaft in Berlin und Brandenburg wieder in Schwung kommt? Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) haben am Donnerstag einen Ausblick auf das Jahr 2021 gewagt.

Für UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck ist essenziell, dass "zügig und möglichst viele Menschen" geimpft werden - nur so könne die Wirtschaft wieder wachsen. Er bemängelte, dass den Unternehmen die Perspektive fehle.

Man hangele sich von einem Lockdown zum nächsten. "Das ist aber keine Strategie", sagte Amsinck. Die Wirtschaft sei nichts, "was man einfach ein- und ausschalten kann".

Zudem kritisierte er, dass die von der Regierung bereitgestellten Überbrückungsgelder - die November- und Dezemberhilfen - noch nicht richtig und nicht in einem Umfang, in dem es hilfreich wäre bei den Unternehmen angekommen seien.

"Wir wissen das von den Steuerberatern, die den Vergleich der Umsätze darlegen und den Antrag für die Firmen stellen müssen", erklärt der Hauptgeschäftsführer. "Dann gibt es Rückfragen, das ist ein Ping-Pong und kostet Zeit."

Das Mindeste, was jetzt sofort kommen müsse, seien Abschlagszahlungen. "Das entscheidende Thema im Jahr 2021 ist die Liquidität", betonte Amsinck. Diese sei den Unternehmen in der Coronakrise abhanden gekommen.

Christian Amsinck, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB). Foto: Mike Wolff Vergrößern
Christian Amsinck, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB). © Mike Wolff

Die große Sorge des Verbandes ist, dass es zu lange dauert, bis die Unternehmen die staatlichen Überbrückungshilfen erhalten. "Hier ist doch die Frage, ob das Land Berlin da mit eigenen Hilfen zur Zwischenfinanzierung einspringt, um diese Lücke zu schließen", schlug der UVB-Chef vor.

Was das Wachstum in der Region angeht, so schätzt der UVB die Lage eher bescheiden ein. "Von einem echten Aufschwung kann man nicht sprechen", sagte Amsinck.

Erst 2023 schätzt er, werde die Wirtschaft wieder das Niveau der Zeit vor der Pandemie erreichen. Für dieses Jahr prognostiziert er ein Wachstum von vier Prozent in Berlin und drei Prozent in Brandenburg. "Damit liegen wir aber dann immer noch deutlich unter 2019".

Grund zur Hoffnung könnten "Leuchttürme" wie etwa das Tesla-Werk in Grünheide oder die BASF-Fabrik in Schwarzheide aber auch der seit Herbst eröffnete Flughafen BER und die Ansiedlung des Batterieherstellers Microvast in Ludwigsfelde sein. "Das könnte sich vor allem in den folgenden Jahren bemerkbar machen", sagte Amsinck.

Enteignung und Mietendeckel seien ein verheerendes Zeichen an Investoren

Mit Blick auf die anstehenden Bundestags- und Abgeordnetenhauswahlen in diesem Jahr kritisierte der UVB-Chef erneut stark den jetzigen Senat für seine Wohnungsbau- und Mietenpolitik. "Warum steht die Enteignung von Wohnkonzernen weiterhin auf der Agenda", schimpfte er.

Der Mietendeckel etwa sei "mit dem erhofften Angebot an zusätzlichem Wohnraum" gescheitert. Dass diese Themen weiterhin verfolgt werden, sei ein "verheerendes Zeichen für Investoren", meint Amsinck.

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Das Ganze sei ein finanzielles Abenteuer, das keine einzige zusätzliche Wohnung geschaffen habe. Zudem sei beim jüngsten Grünen-Parteitag viel über Klimapolitik gesprochen worden, er habe aber wenig dazu gehört, wie die Wirtschaftsstruktur verbessert werden könne.

Um das zu untermauern, präsentierte der UVB noch ein paar Zahlen aus verschiedenen Branchen: Der Einbruch beim Tourismus sei immens. Was die Zahl der Fluggäste angeht, sei die Zahl massiv eingebrochen im Vergleich zu 2019.

Das Kurzarbeitergeld hat bislang Schlimmeres auf dem Arbeitsmarkt verhindert

Beim stationären Einzelhandel sieht es auch kritisch aus: Minus 13 Prozent in Berlin - allerdings sind der Online-Handel mit 17 Prozent Zuwachs und die Supermärkte mit knapp fünf Prozent Zuwachs die Gewinner in der Krise.

Auch die Industrie mache dem Verband Sorgen: 20 Prozent Umsatzeinbruch gebe es etwa im Maschinenbau in Berlin. In Brandenburg ist es ein Minus von 17 Prozent.

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Dass die kürzlich veröffentlichten Arbeitslosenzahlen vergleichsweise wenig Veränderungen aufwiesen, erklärte Amsinck damit, dass Kurzarbeit Schlimmeres verhindert habe.

Während im Jahr 2009 jeder 70. Beschäftigte in Kurzarbeit war, war es im vorigen Jahr in Berlin jeder Sechste. "Bund und Länder haben sich hier Zeit gekauft", sagte Amsinck. Aber die Unternehmen werden nicht ewig Kurzarbeit beziehen können.

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